Doppelter Kuss
Der doppelte Kuss als Begrüßung ist nicht anders als ein deutsches Händeschütteln zu verstehen. Das wiederum gilt in Spanien nur unter Männern. Vor allem ist der Kuss bei Unbekannten kein herzhaftes Knutschen sondern fast nur ein Berühren der Wangen mit bestenfalls ganz leichtem Lippendruck. Wissen Sie übrigens, auf welchem Wege? In der Regel beginnt man mit der linken Wange. Achten Sie aber um Himmels Willen vorher auf die Kopfbewegung ihres Gegenübers. Missverständnisse führen, das wissen wir aus eigener Erfahrung, mindestens zum Nasenkuss! Wenn lhnen als Mann eine Frau trotzdem die Hand gibt, ist das sicher ein Gag, auf den man am besten mit dem Handkuss reagiert.
Duzen
Wundern sie sich nicht über das Duzen. Es ist in Spanien Gang und Gebe. Wer als 35-Jährige/r eine Bank betritt oder auf dem Markt einkauft, wird durchaus noch per du angeredet. Nach drei Einkäufen sind wir von unserer Marktfrau sogar fast schon adoptiert worden: „Hola, qué te pongo, hijo mío?“ (Na, was solls sein, mein Sohn). Duzen erlebt auch jeder, der in Madrid bei einer Firma angestellt wird. Es ist keine Respektlosigkeit! Man selber sollte aber ältere Leute dabei nicht gleich zurück duzen.
Señorita
Zur Anrede von jungen Frauen verwendet man problemlos das Wort Señorita. Dahinter sieht man keinen Machismo wie beim deutschen „Frollein“.
Einladungen
Einladungen sind manchmal eher als nettes Kompliment ohne genauere Zeitangabe gemeint. Lädt man Sie aber zu einer bestimmten Uhrzeit ein, kommen Sie bloß nicht pünktlich, sondern locker eine Viertelstunde später. Man empfängt Sie sonst möglicherweise mit einem erschrockenen: „Sie haben aber Hunger“.
Gastgeschenke
Gastgeschenke: Trotzdem: Es mag merkwürdig klingen, aber oft kommen bayerische Bierhumpen oder die traubengemusterten Weingläser mit grünem Stiel gut an. Zu Gastgeschenken insgesamt kann man fast schon sagen: Was in Deutschland der Blumenstrauß, ist in Madrid die Flasche Wein. Bei jungen Leuten steigen die Feten meist mit MitbringseIn von der Litrona (Literbierflasche) bis zum Schnaps. Strenge Einladungen sind auch da selten, mitgebrachte Freunde oft willkommen. Sind Sie bei einer spanischen Familie zum Essen eingeladen, freut sie sich bestimmt über kleine bunte Teilchen, Turrones oder Törtchen, die man oft zum Nachtisch bekommt und die auch sonntags in Konditoreien zu haben sind.
Am Wochenende kann man bei den meisten Spaniern zwar bis zu den späten Abendstunden anrufen, Telefonate am Vormittag allerdings besser nicht vor zwölf Uhr.
Wohnen bei Spaniern
Wohnen Sie bei einer spanischen Familie, dann wundern Sie sich nicht über die Morgenrock- und Pyjama-Kultur, die in Spanien sehr locker ist.
Rechnung begleichen unter Freunden
Ein ungeschriebenes Gesetz: Einer zahlt die gesamte Rechnung, um den Kellner oder Barkeeper zu entlasten. Der hätte nach dem Servieren von Cerveza und Tortilla auch viel zu tun, weil man oft in größeren Gruppen ausgeht. Abwechselnd schmeißt jeder mal die Runde. Madrilenen sind sehr großzügig und der Gast wird oft eingeladen und höflich am Zahlen gehindert. Dann ist Durchsetzungsvermögen gefragt. Denn: Wer zahlt ist König. Es kann in den Bars und Restaurants zu lustigen Szenen kommen, wenn Streitereien darüber ausbrechen, wer die Rechnung begleichen darf.