Porträt von Estrella Morente
Flamenco-Sängerin Estrella Morente überzeugt mit Eleganz und Leidenschaft

2.11.2014

Estrella Morente in der Kölner Philharmonie

Flamenco-Star Estrella Morente hat ein fulminantes Konzert in der Kölner Philharmonie gegeben. Ihr Programm Autorretrato verführt in die magische Welt der andalusischen Musik. Es ist der Auftakt zu einer exklusiven Tournee in nur fünf deutschen Städten.

von Marcos Fernández Vacas

Begleitet haben sie zwei Gitarristen, ein Perkussionist und drei Begleitsänger, die auch für das im Flamenco typische Klatschen – die Palmas – zuständig waren. Übrigens ein echtes Familientreffen, da  die gesamte Truppe miteinander verwandt ist. Das Album Autorretrato war 2013 für den Grammy in der Sparte Flamenco nominiert.

Morente ist die herausragende Stimme ihrer Generation

Der Veranstalter Köln Musik GmbH konnte sich über einen gut gefüllten Konzertsaal freuen. Zwar gilt die 1980 geborene Estrella Morente in Spanien als die herausragende Stimme ihrer Generation und gehört schon lange zum Flamenco-Adel. Jedoch in Mittel- und Nordeuropa ist sie eher ein Geheimtipp. Was wohl an den wenigen Konzerten liegen mag, die sie hierzulande gibt. In der Kölner Philharmonie war nun ihr Debüt auf der renommierten Bühne am Rhein. Schwarze Vorhänge verdeckten den Hintergrund des Saals, die Mikros sowie die Percussion-Instrumente waren in der Mitte aufgestellt. Als der Konzertraum ins Dunkle fiel, ging die Tür zum Künstlereingang auf und … nur sie allein trat hinaus.

Dunkle Stimmfarbe, elegante Phrasierung

Ohne Licht blieb sie nach dem ersten Treppenabsatz neben dem gespannten Publikum stehen, intonierte ein Lied ohne Mikro, a-capella wie eine Opernsängerin, eine Referenz gegenüber dem traditionellen Cante Jondo ihres Heimatlandes Andalusien. Fast schüchtern bedankte sie sich noch vor dem Applaus. Jedem Musikliebhaber war jetzt schon klar, Estrella Morente ist vor allem eins: eine großartige Gesangsvirtuosin. Warm und dunkel die Stimmfarbe, elegant und vornehm die Phrasierung, jedoch auch in der Lage, von zärtlich leisen Tönen zu dramatisch schluchzenden und lauten Klängen aufzusteigen. Auf keinen Fall der übliche raue und manchmal krächzende Flamenco-Stil anderer Vokalisten dieses spanischen Musikstils.

"Musik ist ein Reflex meines Inneren"

In der ersten Hälfte des Konzertes, nun mit Ensemble, hörte das Kölner Publikum unter anderem alte Sevillanas und herzzerreißende Seguiriyas. Sie handeln in trauriger, aber leidenschaftlicher Weise von Verlust, Schuld, Weiblichkeit und Liebe. Elegant vorgetragen von einer in schwarzer Flamencorobe und mit geflochtenen Haar sitzenden Estrella Morente. Sie strahlte, genauso wie ihr gesamtes Ensemble, eine faszinierende Eleganz im Vortrag und im Gestus aus. In einem Interview für die Tageszeitung Diario de Navarra sagte sie: „Meine jetzige Musik ist ein Reflex meines Inneren“. Dies drückte sie musikalisch in jedem Moment aus, bis sie in einem dramatisch-tänzerischen Gestus die Bühne während eines Stückes verließ und diese dem Ensemble überließ.

Solo-Einlagen der Ensemble-Musiker

Nun glänzten alle in einem Lied mit Solo-Einlagen. Mit hämmernden Rhythmen überfielen sie musikalisch das Kölner Publikum, das nun endgültig begeistert war. Allein auf der Bühne trug der Gitarrist Jose Carbonell ein Gitarrenstück vor und drückte seinen Dank aus, mit seiner Nichte Estrella in einem so schönen Saal wie der Philharmonie musizieren zu können. Direkt danach ging es zum zweiten Teil über. Betont durch Rumba-Rhythmen, brillierte Morente und ihr Ensemble mit schnellen Stücken, oft mit kleinen tänzerischen Einlagen der Sängerin. Mit Jazz-Elementen bei den Gitarren wie auch dem Anspielen von Moonriver in einem Intro, legten die Andalusier ihr modernes und weltoffenes Musikbekenntnis ab.

Palmas, Colonia-Publikum y Volver

Mit vielen spanischen Besuchern im Auditorium, die sich lautstark mit Komplimenten bemerkbar machten, ging es von einem Höhepunkt zum nächsten. Das letzte Stück dann auch im Zusammenspiel mit einem wacker Palmas klatschenden Publikum. Am Ende gab es – wie konnte es anders sein – lauten Applaus, Bravo-Rufe, Standing-Ovations. Und eine letzte Zugabe: das berühmte Volver. Bekannt durch das lippensynchrone Spiel von Penélope Cruz im gleichnamigen Film des spanischen Filmemachers Pedro Almodóvar, nahm Morente die Zuhörer mit in das Land des Lichts – des Al-Andalus. Die Live-Interpretation klanglich dabei der Studioversion des Films um weiten überlegen. Eine gelassene Estrella nahm Abschied mit den Worten: „Viva el Flamenco! Viva Colonia! Volver! Volver!“ Aficionados in Köln dürfen hoffen, diese herausragende und sympathische Künstlerin bald wiederzusehen.

 

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