5.12.2014

Spanien: Ehemaliger ETA-Chef in Freiheit

Santi Potros ist frei. Der brutalste Anführer der ETA in den 1980er Jahren war zu 2354 Jahren verurteilt worden. Jetzt hat er nach einem Urteil der spanischen Justiz den Hochsicherheitsknast in Alicante verlassen. Unter dem Blitzlichtgewitter der spanischen Medien.

von Tobias Büscher

Wut und Empörung auf der einen Seite, Verständnis auf der anderen. Spaniens Justiz hat die Freilassung des Basken Santiago Arrospide Sarasola (*1948) alias Santi Potros veranlasst. Grund: Seine Haftzeit in Frankreich muss nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg auf die höchste zulässige Haftdauer von 30 Jahren angerechnet werden. Am Donnerstag um 19.40 Uhr hat so einer der gefährlichsten Männer der jüngeren spanischen Geschichte den Hochsicherheitstrakt verlassen. Nach 27 Jahren, zwei Monaten und drei Tagen in diversen Gefängnissen in Spanien und Frankreich, darunter in der berühmt-berüchtigten Anlage Teixeiro in der Provinz A Coruña.

Anschläge sogar auf ein Einkaufszentrum

Santi Potros gehört zu den kaltblütigsten Terroristen der ehemaligen baskischen Organisation ETA. Anders als üblich organisierte er nicht nur Anschläge auf Politiker und Polizisten, sondern 1987 sogar auf das Einkaufszentrum Hipercor in Barcelona. 21 Menschen starben.

Eigentliche Haftstrafe bis 2025

Das neue EU-Recht kommt einigen ETA-Terroristen zugute. Santi Potros, inzwischen 66 Jahre alt, hätte sonst noch bis 2025 eingesessen. Auch der ETA-Terrorist Plazaola ist nun nach 24 Jahren Haft frei. Ein Bombenleger, der ohne die neue Regelung noch weitere 22 Jahre in Haft gewesen wäre. Und mehr könnten folgen. Inzwischen haben 50 weitere ETA-Häftlinge Petitionen beim Nationalen Gerichtshof in Madrid eingereicht. Auch sie weisen auf ihre anzurechnende Haftzeit im Ausland hin. Opferverbände in Spanien sind empört. Seit 1968 hat die Terrororganisation über 800 Menschen getötet, vor allem Polizisten der Guardia Civil.

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