Wahlkampfplakat in Nordspanien
Anders als Podemos und Ciudadanos haben die Kommunisten im Herbst kaum eine Chance, tb

9.03.2015

Aufwind für Spaniens neue Parteien

Die Wahl im Herbst 2015 wird die politische Landschaft Spaniens voraussichtlich stark verändern. Derzeit bedrohen gleich zwei erfolgreiche Protestparteien die Politiker der konservativen PP und der Sozialisten.

Die einen nennen sich "Wir können" (Podemos), die anderen "Bürger" (Ciudadanos). Nach aktuellen Umfragen haben sie heute schon etwa so viele Anhänger wie die etablierten Konservativen und Sozialisten. El País zufolge kommt Podemos derzeit auf 22,5 Prozent, gefolgt von den Sozialisten (PSOE) mit 20,2 Prozent, der regierenden Volkspartei PP mit 18,6 und den Ciudadanos mit 18,4 Prozent. Hält der Trend an, bekommt das Parlament in Madrid vier fast gleichstarke Parteien, womit die Absolute Mehrheit des Mariano Rajoy von der Volkspartei Geschichte wäre. Ganz unpopulär derzeit übrigens sind die Kommunisten von der Izquierda Unida, die es auf nur noch knapp über 5 Prozent bringen.

Ciudadanos: die große politische Überraschung

Stark im Aufwind ist dabei die Partei Ciudadanos. Die Bürgerlichen mit Sitz in Barcelona stehen für eine liberale, europatreue Wirtschaftspolitik und halten nichts von der Katalanischen Nationalbewegung. Ihren Erfolg sehen Kommentatoren in der ausgeglichenen Haltung. Denn Pablo Iglesias und seine Protestpartei Podemos orientieren sich stark an den griechischen Erfolgspolitiker Tsipras, was viele vor allem ältere Spanier beunruhigt. Die regierende PP von Rajoy und die Sozialisten der PP wiederum wollen viele Spanier nicht mehr an der Regierung sehen. Die harte Sparpolitik der PP geht ihnen so gegen den Strich wie die derzeit schwammige Haltung der Sozialisten PSOE. Diesen beiden etablierten Partidos droht also, was in Athen schon passiert ist: die Abwahl.

Weiter Rajoy? Oder der junge Pablo Iglesias?

Dennoch glaubt Spaniens Regierungschef Rajoy (59) weiter an einen Wahlsieg. Für ihn sprechen die Wirtschaftszahlen. Erstmals seit fünf Jahren sind die Immobilienpreise wieder um 1,4 Prozent gestiegen. Erstmals zeigt die Wachstumskurve leicht nach oben und die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Gegen den gebürtigen Galicier spricht nach vielen Korruptionsaffären innerhalb seiner Partei aber der blasse Charme. Pablo Iglesias (40) von der Protestpartei ist ein frisches Gesicht und jetzt schon einer der beliebtesten politischen Persönlichkeiten des Landes seit Felipe González. Der Mann mit dem Pferdeschwanz ist Professor für Politik an der Uni Complutense in Madrid, überzeugt rhetorisch in jeder Talkshow, entstammt Spaniens Protestbewegung gegen die Etablierten. Und hat in der Politik kaum Erfahrung. Doch das hatte Tsipras vor seiner Wahl in Athen ja auch nicht ...

Text und Foto: Tobias Büscher

Literatur-Tipp

Muschelmord, Tod auf dem Jakobsweg. Der Krimi. Ein Polizist ermittelt undercover im Pilgermilieu:

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