Kleines Mädchen am Maltisch
Diese kleine, wissbegierige Spanierin möchte noch viel lernen © mfv


12.09.2014

OECD kritisiert das Bildungssystem in Spanien

Die OECD hat einen kritischen Bericht über das spanische Bildungssystem veröffentlicht. Hauptproblem sind die Lehrergehälter und die mangelnden Investitionen. Insgesamt ist das Niveau des staatlichen Erziehungssystems demnach niedrig.

von Marcos Fernández Vacas

Nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verdienen spanische Lehrer anfangs zwar gut, aber die finanzielle Perspektive ist schlechter als in anderen Berufen. Also sinkt die Motivation im Laufe der Jahre, was sich negativ auf die Lehre und das Lernniveau der Schüler auswirkt.

Zu viele Sitzenbleiber, zu große Klassen

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Madrid Anfang dieser Woche ließen Dirk van Damme von der OECD sowie die Staatssekretärin Montserrat Gomendio vom Erziehungsministerium kein gutes Haar am spanischen Bildungssystem, so die Tageszeitung El Mundo. Da die Löhne der Lehrer relativ hoch sind, bleibt für andere Investitionen in Infrastruktur oder Schulmaterialien kaum etwas im kleinen Bildungshaushalt übrig: „Was Lehrergehälter und Schulaufenthalt angeht, sind wir weit über den Durchschnitt. Was das statistische Verhältnis der Anzahl von Schülern zu Lehrern in der Klasse angeht, deutlich darunter“; so Gomendio. Zu viele spanische Jugendliche bleiben sitzen und die Klassen selbst sind zu groß.

Spanische Lehrer kommen finanziell nicht weiter

Dem OECD-Experten ist bewusst, was für ein heißes Eisen er anspricht. Im Vergleich zu anderen Studienabgängern oder anderen Berufsabschlüssen auf ähnlichem Niveau sind vor allem die Einstiegslöhne der Lehrer sehr hoch. Aber der Spielraum für das finanzielle Weiterkommen in den folgenden Jahren  ist sehr klein, in anderen Berufssparten verdient ein Angestellter weit mehr. Grundschullehrer beginnen bei 35.881 Euro Jahresgehalt, mit 50.770 Euro hören sie auf. Lehrer in weiterführenden Schulen kommen von 40.308 Euro auf 56.536 Euro. „Deshalb gibt es wenig Gründe, im Lehrerberuf zu bleiben; es gibt kaum Handlungsspielraum, um gute Lehrer angemessen anzuerkennen“, so van Damme. In Deutschland liegen die Einstiegsgehälter in der Grundschule ebenfalls bei circa 36.000 Euro im Jahr, jedoch kann man fast 65.000 Euro am Ende erreichen. Viele der 34 Länder der OECD haben auch mehr Möglichkeiten, wie etwa in Skandinavien. So finanziert sich in Schweden das Schulwesen nicht bloß durch den Staatshaushalt, sondern auch aus Einnahmen der Gemeinden.

Einen Job zu kriegen ist schwierig

Zwar hat Spanien eine recht hohe Zahl an Akademikern, doch verdienen sie weit weniger als der Durchschnitt in den OECD-Ländern. Noch schlimmer steht es um die Arbeitslosigkeit bei Akademikern. Hier liegt der OECD-Schnitt bei 5%, in Spanien sind 15% der Menschen  mit Hochschulabschluss ohne Job. Für Staatssekretärin Gomendio liegt dies am niedrigen Ausbildungsniveau im Land des Cervantes. Junge Menschen  in Deutschland oder Kanada sind einfach kompetenter, haben mehr Spezialwissen und sind besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Der Wissensvorsprung der Menschen zwischen 16 und 64 Jahren ist in den europöischen Ländern gegenüber denen in Spanien laut der Studie der OECD eklatant.

Geprägt durch eine Geschichte des Analphabetentums

Nicht zu vergessen ist, welches große Problem Spanien immer schon mit dem Bildungsniveau seiner Landsleute hatte. Analphabetismus war in einem durch Großgrundbesitz und verarmter Landbevölkerung geprägten Land seit den Zeiten der Reconquista ein gesellschaftlich offenes Geheimnis. Im Bemühen sich den Industrienationen anzunähern, kam man in den 1930er Jahren immer noch auf eine Analphabetenquote von 32%. Gestartet war Spanien statistisch 1890 mit einer Quote von 62%. Noch in den etwas aufblühenden 50ern konnte fast ein Fünftel der Bevölkerung weder Lesen noch Schreiben. Mittlerweile hat sich die Lage normalisiert, dennoch ist das Lernniveau weiterhin niedrig. So legt Staatsekretärin Gomendio in Zukunft weniger wert auf mehr Investitionen, sondern auf die Qualität der Lehr- und Lernleistungen.

 

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