Restaurant an Straße
Chinesische Gastarbeiter bleiben im kriselnden Spanien wie hier im baskischen Algorta © mfv

16.12.2014

Immer mehr Chinesen arbeiten in Spanien

Chinesische Einwanderer verdoppeln ihre Geschäfte in Spanien seit sechs Jahren. Über 91 000 sind im Sozialversicherungssystem eingetragen. Ihr Vorteil ist die starke persönliche Kapitalkraft.

von Marcos Fernández Vacas
    
Zuerst ging es auch in Spanien typischerweise mit den chinesischen Restaurants los. Mittlerweile weiten sich die Geschäftstätigkeiten chinesischer Einwanderer auf Lebensmittelläden und Boutiquen aus. In den Städten sehr beliebt sind die bunten Basare mit Produkten aller Art.

Die Familie in China hilft beim Start

Die ziehen auch reiche Russen an. Dabei waren es früher echte Ramschläden. Etwas mehr als die Hälfte der Chinesen in Spanien arbeiten als selbständige Unternehmer. In Zahlen ausgedrückt sind es 44 860. Das sind doppelt so viele wie noch zu Beginn der Wirtschaftskrise in Spanien im Jahr 2008. Da es für sie außerordentlich schwierig war an Kredite spanischer Banken zu kommen, haben sie häufig den Beginn ihrer Geschäfte mit privaten Krediten finanziert. Oft halfen dabei Familienangehörige in China. Einiges vom verdienten Geld in  Spanien geht dann auch zurück ins Heimatland.

Der Trend bei Ausländern ist die Rückkehr in die Heimat

Ganz anders sieht die Situation der übrigen Ausländer im gebeutelten Land südlich der Pyrenäen aus. Die Mehrzahl der Gastarbeiter hat in den letzten sechs Jahren die Koffer gepackt und ist in die Heimat zurückgekehrt. Seit 2008 haben über eine halbe Million Spanien verlassen, es bleiben noch 1 566 953 arbeitende ausländische Mitbürger. Speziell bei Südamerikanern wie Bolivianer, Ecuadorianer, Kolumbianern und Peruanern, aber auch Marokkanern ist die Rückkehrquote hoch. Bei den Hispanos zwischen 60% und 70%.

Jungen Spaniern bleibt nur die Emigration

Jetzt hat der spanische Staat nicht bloß eine Menge fehlender Beiträge in die Sozialversicherungskasse zu beklagen. Die meisten Immigranten sind außerordentlich gut ausgebildet, im Schnitt sogar besser als die Einheimischen. Denn es fanden in den letzten Jahren vor allem Studierte ihren Weg nach Spanien. Nun beginnt in der anhaltenden Wirtschaftskrise die Suche nach den Fachkräften, die dann fehlen. Denn nicht nur andere Ausländer wie Deutsche, Franzosen oder Rumänen haben die Koffer gepackt. Reißaus nimmt vor allem die verlorene Generation der jungen Spanier, wenn sie denn die Gelegenheit dazu hat. Ein Teufelskreis!

 

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