José Crespo zelebriert einen galicischen Punsch namens Queimada
Bürgermeister José Crespo (links) gehört noch zu den Jüngeren. Chef der Kleinstadt Lalín ist er seit Februar 1990, tb

20.05.2015

Viele galicische Bürgermeister regieren seit den 80ern

Ein heißes Thema bei den Kommunalwahlen am 24. Mai 2015 in Galicien sind die Langzeitbürgermeister der Region rund um Santiago de Compostela. Jeder dritte Alcalde regiert schon so lange wie einst Helmut Kohl die Bundesrepublik: 16 Jahre.

Bereits seit den 1980ern und früher holen diese Bürgermeister eine Mehrheit nach der anderen. In der konservativ-ländlichen Region in Nordwestspanien haben sie es leicht. Doch nun fordern die liberalen neuen Parteien Ciudadanos und Unión Progreso y Democrácia (UPyD) kurz vor den Kommunalwahlen: Es muss ein Limit von zwei Amtsperioden her. Galicien brauche frischen Wind statt greise Gouverneure.

Länger im Amt als eine Kuh lebt

Setzt sich dieser Vorschlag durch, steht die Region an der spanischen Atlantikküste vor einem politischen Strukturwandel. Denn 65,5 Prozent aller nordwestspanischen Alcaldes, schreibt La Voz de Galicia, "haben ihr politisches Amt zur Lebensaufgabe gemacht". Heißt: Sie regieren so lange wie eine Kuh im Durchschnitt alt wird. Opposition? Nachwuchs? Keine Chance. In entlegenen Orten wie Mondariz Balneario, Carballedo und Paradela sind die Gouverneure sogar schon mehr als 30 Jahre dabei. Und kleben an der Macht.

Wenn das Rathaus zu klein wird ...

Nur sechs dieser Langzeitbürgermeister sind Sozialisten der PSOE. Auch der Bürgermeister von Pontevedra, Mitglied der kleinen Partei BNG (Bloque Nacionalista Galego), ist eine Ausnahme. Die meisten haben ihre Karriere in der konservativen Volkspartei Partido Popular begonnen. Zu ihnen gehört José Crespo, der schon im zarten Alter von 25 Jahren in der Kleinstadt Lalín die absolute Mehrheit holte. Seither bezirzt er die Milchbauern in der Umgebung und lädt Promis zum Schlachtfest ein. Und weil ihm dazu die Stadtvilla aus Granit zu klein war, hat er sich für 12 Millionen Euro einen Prachtbau von Stararchitekten aus Madrid ins Zentrum setzen lassen. Mitten in der Wirtschaftskrise. Die Stadt hat gerade einmal 20 000 Einwohner.

Die Parteien Ciudadanos und UPyD wollen nun genau solche Entwicklungen bremsen. Mit zwei Amtsperioden, sagen sie, fühlt sich noch kein Bürgermeister als unbesiegbarer Regent.

Ob sich der Vorschlag aber durchsetzt, ist mehr als zweifelhaft. Denn auch die Regierungschefs Galiciens halten lange aus. Vor allem Manuel Fraga, der Ex-Minister unter Franco. Der hat Galicien von 1989 bis 2005 regiert. Auch das sind 16 Jahre.

Text und Foto: Tobias Büscher

Literatur-Tipp

Muschelmord, Tod auf dem Jakobsweg. Der Krimi. Ein Polizist ermittelt undercover im Pilgermilieu:

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