Buika
Buika gehört zu den aufregendsten Stimmen des Flamenco © Javier Rojo

29.03.2015

Buika in der Kölner Philharmonie

Die charismatische Sängerin Buika hat gestern ein berauschendes Konzert in der Kölner Philharmonie gegeben. Nur begleitet von Gitarre, Bass und Percussion zog sie das Publikum in den Bann ihres Programms La noche más larga.

von Marcos Fernández Vacas

Der Mix aus Copla, Flamenco, Jazz und Soul ist in dieser Art weltweit wohl nur von Buika zu hören.  Hervorragend begleitet von ihren musikalischen Mitstreitern, bestach die Künstlerin mit afrikanischen Vorfahren durch perfekte Intonation und subtilen Klangfarben.

Kein typisches Flamenco-Konzert

Vor etwas mehr als einer Woche trat Buika noch im legendären Olympia von Paris auf. Nun konnte sich die Köln Musik GmbH über einen sehr gut gefüllten Saal in der Kölner Philharmonie freuen. Darunter waren auch viele eingefleischte Fans der charismatischen Sängerin, die auf Mallorca geboren und aufgewachsen ist. Wer allerdings beim Stichwort Flamenco die klassischen Komponenten rasendes Gitarrenspiel, pulsierendes Händeklatschen und hämmernden Tanz erwartet, ist bei Buika fehl am Platz. Zunächst betraten die Instrumentalisten die mit Lautsprechern bestickte Bühne, spielten ein längeres, von der Folklore Andalusiens inspiriertes Intro, das durch den silbrigen Gitarrenklang bestimmt war.

Mit wandelbarer Stimme die Seelenlage beschreiben

Im Halbdunkel des Konzertsaals betrat dann Buika unter donnerndem Applaus die Bühne. Eine kleine, sehr zierliche Frau in silbrig-weißen, beinlangen Kleid mit raffiniertem Schlitz, barfuß, mit einer Menge Tattoos an beiden Armen,  und langem, braunen Haar, grüßte lächelnd das Publikum. Nach einem kurzen Schluck eines Getränks, das auch zum Segnen der Bühne mit ein paar kleinen Spritzer diente, nahm das Konzert Fahrt auf. Buika säuselte, deklamierte lautstark, wisperte, jauchzte, stimmte ein dunkles  Timbre in fast allen Liedern an, pfiff sogar zwei Mal die Melodie, und beschrieb in den Texten ihre gegenwärtige oder vergangene Seelenlage. Stets ging es um Liebe, Schmerz, Sehnsucht, Freundschaft oder das Zusammenleben mit Menschen.

Mühelos vom Flamenco zum Jazz und Soul

Das Flamenco-Typische geht Buika dabei fast vollkommen ab. Sie tanzte nicht, sondern wog sich hin und her, oft mit geschlossenen Augen lauschte sie dem Spiel ihrer Kollegen. Wenn sie sang, fixierte sie das Publikum mit klarem Blick, deutete ein wenig die palmas an, ging in jedem Lied mit ihrer dynamische Stimme auf den Textinhalt ein. Dabei ist es erstaunlich, wie mühelos sie innerhalb weniger Noten, in ein bis zwei Takten, von Flamenco-Verzierungen ins Jazz-Vocalise und zum Soul übergeht. Zwanglos erzählt sie dann mitten in zwei Liedern auf Englisch von ihren Erfahrungen als Kind in einem Kirchenchor. Weil sie einen letzten Ton sang wie sie es wollte, maßregelte die Chorleiterin sie. Von da an war ihr klar, wohin ihre musikalische Reise ging.

Buika steht für totale musikalische Freiheit ein

Beim Lied El ùltimo trago aus dem gleichnamigen Tonträger teilt sie  dem Publikum mit: „Expectation is dictatorship to  me“! Zumindest in musikalischen Dingen tritt sie ein für totale Freiheit. Von so viel Ehrlichkeit, der Emotionalität der Darbietung waren die Zuhörer in der Kölner Philharmonie zunehmend begeistert. Nachdem ohne Pause das Konzert nach eineinhalb Stunden zu Ende ging, gab es  sofort Standing Ovations, donnernden Beifall und lautstarke Ausrufe auch in spanischer Sprache. Sichtlich gerührt gab Buika noch drei Zugaben und nahm nach insgesamt zwei Stunden herzlich Abschied vom Publikum. „Dieser Abend verging wie in fünf Minuten“, so die Worte der sympathischen Sängerin. Interessierte können den abwechslungsreichen Abend bald auf dem Videokanal der Kölner Philharmonie www.philharmonie.tv sehen.

Im Zigeunerviertel von Palma den Flamenco entdeckt

Buikas Eltern sind politische Flüchtlinge aus Äquatorial-Guinea. Sie ließen sich auf Mallorca nieder, wo ihre Tochter 1972 in Palma das Licht der Welt erblickte. Ihre musikalische Reise in der Flamenco-Welt begann sie als Kind im damals sehr ärmlichen  Zigeunerviertel der balearischen Hauptstadt. Seit dem Jahre 2000 veröffentlicht sie CDs. Ihre erste Produktion Mestizüo erregte mit dem Mix aus Flamenco, Jazz und afrikanischer Folklore viel Aufmerksamkeit. Mit Niña de fuego hatte sie ihren internationalen Durchbruch. Seither reist sie um die Welt, begeistert die aficionados in Konzerten und heimst Preise ein wie 2010 einen Grammy Latino  für das Album "El último trago".

 

Weitere interessante Links:

Porträt von


Bebe

 

Estrella Morente

 

Paco Peña

Literatur-Tipp

Muschelmord, Tod auf dem Jakobsweg. Der Krimi. Ein Polizist ermittelt undercover im Pilgermilieu:

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
0 Bewertungen
0 %
1
5
0