König von Spanien als Karikatur
Auf mich pfeift keiner, verstanden?

29.07.2015

Majestätsbeleidigung: Wenn Fans auf Felipe pfeifen

Spaniens Fußballverein FC Barcelona und sein Rivale Athletic Bilbao müssen Geldstrafen zahlen. Ihre Fans haben den spanischen König im Endspiel der Copa del Rey ausgepfiffen. Doch was als Warnung verstanden wird, ist in Wahrheit ein Witz.

Ein Kommentar von Tobias Büscher

Es war der 30. Mai 2015. Messi und Neymar kickten die Katalanen zum Sieg beim Fußballendspiel der Copa del Rey (3:1). El Rey, der König, saß auf der Tribüne und ging unter im gellenden Pfeifkonzert der baskischen und katalanischen Fans. Nun hat das Sportgericht des Landes entschieden: Barca muss 66.000 Euro Strafe zahlen, Bilbao 18.000. Das stellt sich nur noch eine Frage: Was soll das?

Zunächst einmal sind Pfiffe im Stadion üblich. Fans pfeifen. Und natürlich ist der König beleidigt, wenn das ganze Stadion pfeift. Aber wen wundert es denn, dass Basken und Katalanen in der Königsklasse beim Endspiel in Barcelona nicht nett zum Monarchen sind? Und auch die Nationalhymne in Grund und Boden brüllen. Das sind Regionalisten! Die mögen die Monarchie nicht. Wäre das Spiel in Madrid zwischen Real und Atlético Madrid ausgetragen worden, hätten alle gebrüllt: Viva España. Viva el Rey. Genauso gellend, genauso laut. Auch das ist eine Aussage, die wiederum den Basken und Katalanen nicht gefallen hätte. Und niemals das spanische Sportgericht beschäftigen würde.

Also: Majestätsbeleidigung hin oder her, die Fans haben ihre Meinung kundgetan. Und Meinungsfreiheit ist in Spanien ein Teil der Verfassung.

Raus mit Euch aus der Copa del Rey

Nun hat es schon immer antispanische Gesten gegeben bei Spielen der Basken und Katalanen. Auch ok. Aber: Warum kicken Barca und die Basken überhaupt bei dem Fußballwettbewerb zu Ehren des Königs von Spanien? Wer den Rey ablehnt, sollte die Teilnahme an der Copa ablehnen. Das wäre konsequent. Aber das macht keiner der beiden Vereine. Die Siegprämie von 1 Millionen Euro und das Prestige sind wohl doch wichtiger als nationalistische Töne.

Greif mal kurz in die Tasche, Präsident!

Zum anderen ist die Höhe der Strafe unglaublich. Allein der Spieler Messi vom FC Barcelona verdient im Jahr 40 Millionen Euro. Wenn nun sein Club 66.000 Euro hinlegen soll, ist das ungefähr so, als würde der Präsident beim  Überfahren einer roten Ampel ein Bußgeld von 66 Cent aufgebrummt bekommen. Weh tut diese Summe also nicht Barca, sondern dem gesunden Menschenverstand. Nur zum Vergleich. Der kleine Verein Darmstadt ist wegen Randale der Fans auch kürzlich verurteilt worden. 10.000 Euro wegen Krawallen mit Wurfgeschossen. Das sind Straftaten. Pfiffe sind es nicht.

Echte Majestätsbeleidigung außerhalb des Stadions

Spanier debattieren, deutsche Medien berichten. Große Aufregung. Dabei hat es schon echte Beleidigungen gegeben. Beispielsweise, als der damalige spanische König Juan Carlos als Skulptur beim Analsex in einer Ausstellung in Barcelona auftauchte. Was nicht nur regionalistische Fußballfans diebisch freute.

Oder als das Satiremagazin El Jueves Felipe und Letizia beim Geschlechtsverkehr zeigten. Damals kassierte die Polizei alle Ausgaben des Blattes ein, die auf dem Schwarzmarkt horrende Summen einbrachten.

Dagegen sind die Vorkommnisse im Stadion von Barcelona damals im Mai nun wirklich harmlos. Wohl aber eine Steilvorlage für das Satiremagazin. Auf deren Karikaturen freuen sich jetzt schon alle. Wie wäre es mit dem König, dessen Pfiffe die katalanische Flagge zum Flattern bringen? Unterzeile: ihr mich auch!

Literatur-Tipp

Muschelmord, Tod auf dem Jakobsweg. Der Krimi. Ein Polizist ermittelt undercover im Pilgermilieu:

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