In Spanien gibt es keine Nikolausverehrung. Auch wenn der 6. Dezember dort ein Feiertag ist, an christlicher Überlieferung liegt das nicht.
von Tobias Büscher
Vielmehr feiern die Spanier ihre Verfassung. Am 6. Dezember 1978 bekam Spanien drei Jahre nach Francos Tod eine konstitutionelle Monarchie, die sich teils am Weimarer Modell anlehnt. Und so sind fast alle Schulen, Ämter und Läden an diesem Tag geschlossen. Wer nicht freinimmt, sind allerdings immer mal wieder Anarchos aus den Regionen. Die ETA hat das Datum früher gerne für Attentate genutzt. Und erst Anfang Dezember 2011 sind sechs Mitglieder des "Galicischen Widerstands" festgenommen worden, die für den 6. Dezember Sprengstoffanschläge geplant hatten. Sie stellen sich allerdings regelmäßig so dilettantisch an, dass noch nie etwas ernsthaftes passiert ist.
Der Nikolaus ist gerade in Holland
Auf Nikolaus warten spanische Kinder also nicht. Sie wissen ja auch: der Schutzheilige der Schifffahrt ist gerade in Holland. Als Sinterklaas setzt er von Spaniens Küste zur niederländischen Küste über, steigt auf seinen Schimmel Amerigo und verteilt Kekse an die Bewohner. Bis auf das Jahr 1944 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ist er bislang immer pünktlich angekommen. Nicht etwa am 6. Dezember wie bei uns, sondern bereits am Vortag.
Krippe, aber kein Weihnachtsbaum
Auch den 25. Dezember feiern die Spanier anders als bei uns. Sie nennen den Tag nicht Weihnachten sondern Navidad, was sich von Natividad (Geburt) ableitet. Es gibt im Vorfeld Weihnachtsmärkte und viele ausgestellte Krippen (teils mit echten Schauspielern). Am Weihnachtsabend treffen sich die Familien, wobei selbst entfernte Verwandte aus Lateinamerika anreisen. Beliebt sind Truthahn und Cava, aber Geschenke gibt es noch nicht. Die kommen statt am 24. Dezember erst am Tag der Heiligen Dreikönige. Und die haben Jesus ihre Gaben ja schließlich auch nicht vor dem 6. Januar vorbeigebracht. In Madrid und vielen anderen Städten sind die Cabalgatas de los Reyes berühmt, die aufwändigen Umzüge der Könige durch das Zentrum.
Böse Kinder bekommen ein Stück Kohle
Spanische Kinder, dich nicht „brav“ waren, bekommen statt einem neuen iPod ein Stück Kohle. Und weil kaum ein Spanier einen Weihnachtsbaum aufstellt, liegen die Präsente neben einer kleinen Krippe im Wohnzimmer.
Trauben statt Böller
Und dann gibt es ja noch Sylvester. Wer glaubt, ein Feuerwerk bricht um Mitternacht los, der wird sich wundern. Stattdessen gucken alle auf die Uhr und essen pro Gongschlag eine Traube. Das bringt Glück im nächsten Jahr. Das spanische Fernsehen strahlt das Bild von der Uhr im Zentrum von Madrid aus, und alle im Land sitzen vor dem Fernseher und halten die Trauben bereit. Auch die Katalanen. Aber die schalten den Regionalsender ein. Da ist eine Kirchenglocke aus Barcelona oder Umgebung zu sehen. Mit Madrid will man ja schließlich nichts zu tun haben ...
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