Anspruchsvoller Tanz mit unklaren Wurzeln
Über die Ursprünge dieses Tanzes ist leider wenig bekannt. Anfang der 15. Jahrhundert wanderten die Zigeuner, Gitanos genannt, überwiegend nach Andalusien ein und prägten seitdem die iberische Kultur bedeutend mit. Es wird vermutet, dass Gitanos ab Mitte des 16. Jahrhunderts den temperamentvollen Paso Doble in allen Regionen Spaniens zu Feierlichkeiten getanzt haben. Zu der späteren Standardisierung haben die Franzosen beigetragen, was sich in den Bezeichnungen einzelner Figuren widerspiegelt, die bis heute französische Namen tragen. Im Laufe der Zeit eroberte der spanische Doppelschritt sukzessiv Europa sowie Lateinamerika. Da dieser Tanz choreographischer Natur ist und einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweist, wird er selten außerhalb von Tanzturnieren getanzt.
Dramatischer Sound
Die Paso Doble-Musik erinnert an die Musik, die die Stierkämpfe begleitet, entweder beim Eintritt des Matadors oder kurz bevor der Stier getötet wird. Blas- und Streichinstrumente erzeugen durch Nachahmung des Klanges, der Dramatik und der Bewegung der Corrida zunehmende Spannung. Die Melodie ist energisch, klar strukturiert, oft enthält sie Elemente aus Fandango und Flamenco. Hierbei wirken berühmte Matadoren, patriotische Motive oder lokale Helden inspirierend.
España cañí
Das heute wohl bekannteste, um 1923 uraufgeführte Musikstück ist España cañí von Pasqual Marquina Narro, auch als Spanish Gypsy Dance und Zigeunertanz bekannt. Sie besteht aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen, die tragend für die Darstellung sind. Jede Choreographie muss die Phrasierung der Musik reflektieren, sodass man z.B. die Pausen mit statischen Posen akzentuiert.
Exot unter den lateinamerikanischen Tänzen
Seit 1945 zählt der Paso Doble zu den Turniertänzen, 1953 wurde er offiziell in das Welttanzprogramm aufgenommen. Er ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme, jedoch nicht allein auf Grund seiner Herkunft oder Schnelligkeit (ca. 60 Takte pro Minute). Ungleich den anderen Lateintänzen (Samba, Cha-Cha, Rumba) fehlen hier sowohl der Grundschritt und ständiger Körperkontakt, als auch die charakteristischen Hüftbewegungen.
Markante Haltung
Markant sind vielmehr die besondere Haltung (Schulter nach hinten und unten, leicht nach vorne verlagertes Gewicht, geschlossener Brustkorb, Mittelachse außerhalb der Körper der Tänzer, runde Armbewegungen), einfache, jedoch nicht gleichmäßige Schritte und die schon erwähnte Phrasierung der Figuren. Je nach Kontext und Schule sind die mit den Absätzen erzeugten Geräusche, die den Charakter des Tanzes betonen, unterschiedlich laut. Der progressive Paso Doble stellt hohe Anforderungen an die Tänzer hinsichtlich der Technik, Dynamik und Interpretation - „Man muss wiederholen und wiederholen und wiederholen! Der Körper braucht längere Zeit für’s Lernen als der Kopf.“ meinen die Tanzlehrer. Trotzdem ist er auf der weltweiten Tanzszene effektiv vertreten.
Jeder Paso Doble ist einzigartig
Jeder Paso Doble erzählt eine andere, unvergleichbare Geschichte der Corrida, die auch in dieser Form das Publikum mitreißt. In solchen tänzerischen Interpretationen zeigt das Wesen der spanischen Kultur hin und wieder neue Facetten. Vielleicht mit einem einzigen Unterschied zum wirklichen Leben - im Paso Doble triumphiert der Matador über den Stier immer.