Maler: Albrecht Dürer (1471-1528)
Bildtitel: Selbstbildnis
Jahr: 1498 Format: 52 cm x 41 cm
Material: Öl auf Holz
Ort: Museo del Prado, Madrid
Albrecht Dürer
Albrecht Dürer gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern und Graphikern der Renaissance. 1471 in Nürnberg als Sohn eines Goldschmieds geboren, ging Dürer von 1486-1490 bei dem Maler Michael Wolgemut in die Lehre. Dürers Lebenswerk umfasst neben Aquarellen und Gemälden, darunter vor allem Bildnisse, auch eine große Anzahl an Zeichnungen, Kupferstichen, Holzschnitten und Radierungen. Er starb 1528 in Nürnberg.
"ich war sex und zwanzig Jor alt"
Albrecht Dürers Selbstbildnis (1498):
Auf dem relativ kleinen Holzgemälde zeigt sich Dürer mit gesamtem Oberkörper und im Dreiviertelprofil dem Betrachter zugewandt vor einem geöffneten Fenster, das den Blick auf eine Gebirgslandschaft mit Fluss freigibt. Dürer hat seinen rechten Arm in vornehmer Haltung über eine Art Brüstung gelegt; die mit weißen Lederhandschuhen bekleideten Hände sind ineinander verschränkt. Mit seiner besonderen Armhaltung folgt Dürer dem Vorbild der damaligen venezianischen Porträtmalerei. Unterhalb des Fensters ist auf der Wand zu lesen: „1498 Das malt ich nach meiner gestalt. Ich war sex und zwanzig Jor alt. Albrecht Dürer“, darunter sein verschnörkeltes Monogramm AD.
Dürer als Edelmann
Dürer präsentiert sich hier in äußerst eleganter, nahezu aristokratischer Kleidung: ein weißes Faltenhemd mit weiten Ärmeln und einer rot-goldenen Bordüre, darüber eine weit ausgeschnittene, mit schwarzen Streifen durchzogene Weste. Auf dem Kopf trägt Dürer eine schwarz-weiß gestreifte, seinerzeit modische Zipfelmütze, unter der seine schulterlangen, gold schimmernden Locken hervorquellen. Beinahe etwas hochmütig und leicht von oben herab wirkt der auf uns gerichtete Blick.
Der Bart, den Dürer hier trägt, war ebenso wie das lange Haar zur damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich und trug dem eigenwilligen Künstler den Spitznamen „barbatus“ (lateinisch „der Bärtige“) ein. Später sollte sich zeigen, dass Dürer modisch seiner Zeit voraus war: Im fortschreitenden 16. Jahrhundert wurde der Bart zum absoluten Trend – und stolz getragen unter anderem von berühmten Italienern wie Raffael, Vasari und Cellini.
Dürer – ein selbstbewusster Künstler
Dürers Selbstbildnis ist eines von zahlreichen Selbstporträts, die der Künstler im Laufe seines Lebens geschaffen hat. Bereits mit 13 Jahren brachte er sich erstmals - als Zeichnung - auf Papier.
Das Pradogemälde zeugt von Dürers Stolz und der eigenen Wertschätzung seiner Tätigkeit als Künstler. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass zur Zeit der Entstehung des Bildes in Deutschland die Malerei noch als einfaches Handwerk angesehen wurde und noch nicht als „schöne Kunst“.
Ein Mann verewigt sich
Ein derartig repräsentatives Selbstbildnis wie das im Prado diente dem Künstler seinerzeit aber nicht allein zum Selbstzweck. Es war vielmehr auch eine Art Werbemittel in eigener Sache: Der Maler bewies am eigenen Bild seine Kunstfertigkeit im Porträtieren und animierte damit potentielle Kunden, sich auf ähnliche Weise „verewigen“ zu lassen. Und tatsächlich brachte Dürer dieses Gemälde prompt eine ganze Reihe von Bildnis-Aufträgen ein.