Amorrrr, statt Gooool: Julio Iglesias wollte Torwart werden
Eigentlich wollte er Torwart von Real Madrid werden, doch dann flog er 1962 bei einer Autofahrt aus einer Kurve und brach sich den siebten Rückenwirbel. Vorbei war es mit der Sportkarriere. Ein Arzt soll dem jungen Julio damals eine Gitarre in die Hand gedrückt haben und er begann, für Jahrzehnte „Amorrr“ zu säuseln: „Liiiiiebe“. So entwickelte er sich zum erfolgreichsten Sänger Spaniens: Über 250 Millionen Schallplatten hat Julio Iglesias bis heute weltweit verkauft, eine Karriere, die seinesgleichen sucht. „Ich habe seit Jahrzehnten jeden Tag Sex“, verkündet er schon mal, und spricht Reporterinnen lächelnd mit „Darling“ an. Unschlagbar!
Las Ketchup mischen die Szene auf
Doch dann tauchten 2002 plötzlich drei Schwestern aus dem Nichts auf und stahlen dem schmachtenden Barden massiv die Show: Las Ketchup. Im schlechtesten Englisch sangen sie den Zungenbrecher Aserejé und landeten damit einen Sommerhit, der nicht nur den alternden Ladykiller Iglesias in den Schatten stellte, sondern auch Erfolgsbands wie Gipsy Kings, Chambao, Los Planetas, Joaquin Sabina und Iglesias Sohn Enrique, der mit seinem Vater um Gottes willen nicht in einem Atemzug genannt werden will.
Flamenco-Pop von Alejandro Sanz
Aserejé war die Flamenco-Pop-Version eines alten Rap-Sounds und so erfolgreich, dass bald selbst in Deutschland so lyrische Sätze mitgesungen wurden wie: „Aserejé ja de jé de jebe an de bugi an de buididipí“. Das hübsche, bis dato völlig unbekannte Trio Lola, Pilar und Lucía war vom Erfolg ihres Stücks so überwältigt, dass die vielen anschließenden Interviews oft in Gelächter ausarteten.
Der Sommerhit beschäftigte Sprachwissenschaftler und überraschte Musikproduzenten. Dabei lebt der Sound von einer Mischform, die in Spanien schon immer gut ankam: dem Flamenco-Pop. Der Spanier Alejandro Sanz beispielsweise räumt in Los Angeles einen Latino-Grammy nach dem anderen ab. Und inzwischen stürmt auch Melendi die Charts, der mit rau-melodischer Stimme einen eingängigen Hit nach dem anderen landet.
Cigala und seine Lagrimas Negras
Ab und an mischt sich Flamenco nicht nur mit Pop, sondern auch mit kubanischen Klängen. 2004 erschien Lagrimas Negras („Schwarze Tränen“) von Bebo y Cigala. Der 1968 in Madrid geborene Flamencosänger Diego de Cigala wurde von Bebo Valdés am Piano begleitet, der 1918, immerhin vierzig Jahre vor Cigala, zur Welt kam. Der greise, lebhafte Kubaner stammt aus der Generation von Buena Vista Social Club und war in Havanna vorübergehend musikalischer Direktor des berühmten Kabaretts Tropical. Die Scheibe verkaufte sich so gut, dass selbst die Raubkopien auf Madrids Gran Vía nicht schnell genug nachgeliefert werden konnten.
Estopa: die Hitband im Dauerzustand
Unter den spanischen Top Ten findet sich auch immer wieder Estopa. Die Brüder David und José Muñoz verbinden leichte Anklänge an den Flamenco mit sattem Rock und katalanischem Rumba. Es macht Spaß, dem ungeschliffenen Sound von Estopa zuzuhören, ganz zu schweigen von den satirischen Texten, die aber nicht einfach zu verstehen sind.
Tipp: Musik kaufen in Madrid
Wer gerade in Madrid ist und sich über das neueste aus der Musikszene informieren möchte, dem bietet das Kaufhaus FNAC (Metro Callao) viel Auswahl und Kopfhörer für Hörproben.
Tipp2: ein Portrait der Sängerin Montserrat Caballé
Musik-Homepage
Zur gut gemachten Homepage von Jarabe de Palo: jarabedepalo.com
Joaquín Sabina
Ebenfalls ein Superstar in Spanien ist der Liedermacher Joaquín Sabina. Auch mit knapp über 60 füllt er noch ganze Arenen. Zum Text mit Musik