Carles Puyol mit seinen markanten Locken ist einer der auffälligsten Fußballspieler Spaniens. Der "Haifisch" vom FC Barcelona gibt auch für das Nationalteam immer sein Bestes.
Von Marco Hermann
Ein wuchtiger Kopfball
Am 7. Juli 2010 läuft bei der WM in Südafrika die 73. Spielminute im Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien in Durban, Südafrika. Ein Spieler springt beim Eckball kräftig hoch und versenkt einen wuchtigen Kopfball aus etwa zehn Metern, vorbei am machtlosen Manuel Neuer, im Tor. Der Spieler, der seinen Siegtreffer bejubelt, ist nicht etwa einer der torgefährlichen spanischen Stürmer, sondern ein katalanischer Verteidiger mit langen Locken.
Willensstarker Charakter
Die markante, schulterlange braune Lockenmähne gehört Carles Puyol (32). Carles Puyol i Saforcada, wie er mit vollem Namen heißt, besitzt enorme Entschlossenheit und starken Durchsetzungswillen, die den Charakter und auch das Gesicht des nur 1,78 Meter großen, kompakt gebauten Abwehrspielers prägen. Diese Eigenschaften haben ihn zu den größten sportlichen Erfolgen geführt. Sein Jugendtrainer Oriol Tort beschrieb ihn mit den Worten: „Kann sein, dass der Junge viel weniger Talent besitzt als andere. Ich habe aber noch nie einen erlebt, der solchen Ehrgeiz hatte, dazuzulernen.“
Stolzer Katalane
Seit 2006 ist Puyol Kapitän des FC Barcelona, mit dem er bereits reihenweise alle nationalen Titel und als Krönung schon zweimal die Champions League (2006 und 2009) gewonnen hat. Er identifiziert sich stark mit der katalanischen Nationalbewegung und macht daraus auch kein Geheimnis. Er unterscheidet sich also nicht nur optisch von seinen meist perfekt gestylten und frisierten Kollegen, sondern auch mit seiner Einstellung.
Bissig, clever, gutes Timing: El Tiburón
Seinen Spitznamen „el tiburón“ (der Haifisch) hat Puyol von seiner bissigen Spielweise und Aggressivität im Zweikampf. Er kommt aufgrund seines guten Timings und Stellungsspiels jedoch fast ohne Fouls aus. In der spanischen Nationalmannschaft, der „Furia Roja“ (der roten Furie) ist der Hai Puyol also bestens aufgehoben. So hält er, wie beim FC Barcelona Lionel Messi, hier den Offensivkünstlern Andres Iniesta und David Villa den Rücken frei und ist damit ein wesentlicher Bestandteil der spanischen Titelgewinne bei der EM 2008 und der WM 2010. Als guter Teamplayer gibt er alles für seine Mannschaft, was sein Kollege Sergi Busquets mit den Worten „Er gibt alles in einem Spiel, er verteidigt und stürmt“ beschreibt.
Rücktritt vom Rücktritt
Nach dem Gewinn des WM-Titels in Südafrika kündigte Puyol seinen Rücktritt an, widerrief ihn allerdings kurz darauf. Auf den Anblick der markanten Lockenmähne des Weltmeisters werden die spanischen Fußballfans also mindestens noch bis zur EM 2012 nicht verzichten müssen. Es ist durchaus möglich, dass er dann auch wieder auf die deutsche Elf trifft.