Sanierungspolitik der Sozialisten
Die sozialistischen Wahlsieger waren 1982 mit dem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, 800.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Erwartungen und Hoffnungen der Spanier auf einen Neubeginn in der spanischen Politik waren groß. Besonders die extreme Jugendarbeitslosigkeit wog und wiegt noch immer schwer. Die Sozialisten wussten, dass die Festigung der Demokratie vor allem auch von einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik abhing. Fester Bestandteil ihrer Politik war der Eintritt Spaniens in die EU. Voraussetzung dafür waren rigorose Rationalisierungsmaßnahmen in der Schwer-, Textil- und Schuhindustrie. Eine kurzfristige Erhöhung der Arbeitslosenzahlen musste dabei in Kauf genommen werden.
Telefónica, Repsol und Renfe
Mit Milliardeninvestitionen wurden die größten staatlichen Unternehmen wie die Telefongesellschaft Telefónica, die Erdölholding Repsol und die Eisenbahngesellschaft RENFE zu modernen Unternehmen umorganisiert.
Ende der 1980er-Jahre verbesserte sich die wirtschaftliche Lage deutlich, Spanien wurde Mitglied der EU. Die Aussicht auf den Europäischen Markt lockte in diesen Jahren ausländisches Kapital ins Land.
Erstmals siedelten sich auch in Madrid ausländische Produzenten an. In der Stadt entstanden neue Industriezweige. In der Industrie wird immerhin ein Viertel des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet. Überragende Rolle aber spielt nach wie vor der Dienstleistungssektor, in dem ca. 60 Prozent der Bevölkerung beschäftigt sind. Alle Großbanken und etwa die Hälfte aller Kreditinstitute haben ihren Sitz in der Stadt. 90 Prozent des Börsenumsatzes werden an der Gran Vía getätigt.
Parallel stiegen die Lebenshaltungskosten in den Jahren 1987/88 stark an, und bei einer Inflation von um 5 % sank das Realeinkommen vieler Spanier – trotz Lohnerhöhungen. Die Spannungen entluden sich im Dezember 1988 in einem landesweiten Generalstreik, der für einen Tag ganz Spanien lahm legte. Zentrale Forderung der Gewerkschaften waren dabei Lohnsteigerungen, die Reallohnerhöhungen garantieren sollten und die Verbesserung der Arbeitslosensituation.
Mit der weltweiten Rezession waren auch die Boomjahre in Spanien vorbei. Bis Mitte der 1990er Jahre gelang es der sozialistischen Regierung nicht, die Arbeitslosenquote zu drücken. Endlich, 1995, sprang der Konjunkturmotor wieder langsam an. Die Sanierung der Fluggesellschaft Iberia, der VW-Tochter Seat und der Werftindustrie waren auf den Weg gebracht.
Wirtschaft aktuell
In den letzten Jahren hat Spanien eine beachtliche ökonomische Aufholjagd begonnen. Die Wirtschaftspolitik der konservativen Regierung propagierte bis März 2004 sogar die Formel España va bien („Spanien geht es gut“), vor allem wegen der üppigen Subventionen aus Brüssel. Als die Sozialdemokraten die Regierung übernahmen, zeigte sich aber, dass es Spanien nun doch nicht so gut geht: Arbeitslosenquote zu hoch, Bildungssystem überholt, unzureichende Beschäftigung von Frauen, fehlender Wettbewerb im Einzelhandel, weniger Subventionen wegen der EU-Osterweiterung. Es fehlt an Geld, weshalb Spanier viel länger auf einen Krankenhausplatz warten als z. B. Deutsche, weshalb die Renten sehr niedrig sind und die Wohnungen teuer. Zwar leben rund 80 % der Familien in den eigenen vier Wänden, doch frisst die Hypothek über die Hälfte ihres monatlichen Einkommens. Der Regierungspräsident will deshalb in Zukunft massiv den sozialen Wohnungsbau fördern.
Geplatzte Immobilienblase
A propos Wohnungsbau: Über ein Jahrzehnt boomte die Baubranche, doch 2008 platzte die Immobilienblase. Schlagzeilen machte dabei der ehemalige Präsident des Fußballclubs Real Madrid, Fernández Martíns, der mit seiner gigantischen Baufirma Martíns-Fadesa Pleite ging. Weitere folgten, und so bleibt abzuwarten, wie sich die Wirtschaftslage wieder erholt. Das Potenzial jedenfalls ist da.
Hohe Arbeitslosigkeit
2010 ist die Arbeitslosigkeit nach Angaben des Spiegel auf über 20 Prozent gestiegen. Das Land unter Zapatero hat längst drastische Kürzungen im Haushalt vorgenommen, auch angesichts der Krise, wie sie derzeit Griechenland durchlebt.