21 May 2012    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   Raúl
   Puyol
 
 
   OléSpanien KulturSportAthletic Club Bilbao
In der Löwen-Galerie © Athletic Club Bilbao

Athletic Club (Bilbao)



Der Fußballclub Athletic Club steht im Finale der Euopa-League nach seinem Sieg über Lissabon. Was den Verein weltbekannt macht: hier kicken ausschließlich Basken.



von Johannes Janßen

Die meiste Zeit bewegt sich Athletic in der jüngeren Vergangenheit zwischen Mittelmaß und Abstiegskampf. Nichtsdestotrotz ist der Verein seit Jahrzehnten eine wundersame Erscheinung in der modernen europäischen Fußballwelt. Denn der Klub aus dem Baskenland setzt in seiner Mannschaft nur Spieler baskischer Herkunft ein und besteht mit diesem Konzept in der ersten spanischen Liga, ohne je abgestiegen zu sein.

 

Der erste Titel schon 1902

 

Ende des 19. Jahrhunderts kommt der Fußball nach Spanien und auch ins Baskenland. Es ist eine Gruppe von 33 Männern, die 1898 den Klub Athletic Bilbao gründet. Schon 1902 gelingt in einer Spielgemeinschaft mit dem FC Bilbao der erste Titelgewinn. Angetreten als Bizcaya holen die beiden Vereine den gerade eingeführten Copa del Rey, der damals als spanische Meisterschaft fungiert. Ein Jahr darauf fusioniert das erfolgreiche Duo vollständig, unter dem Namen Athletic Club, um in den Folgejahren noch mehrmals den Copa zu gewinnen.

 

 

 

 

Bilbaos Fußball-Kathedrale

1913 erhält das junge, aber doch erfolgsverwöhnte Team eine neue Heimat, das Stadion San Mamés, in dem der Klub bis heute seine Heimspiele austrägt. Der Name geht auf die gleichnamige naheliegende Kirche zurück. Die Spielstätte trägt auch den Spitznamen La Catedral. Doch die Tage des altehrwürdigen Stadions, dessen englische Atmosphäre immer wieder gerühmt wird, sind gezählt. Seit Sommer 2010 wird der Nachfolgebau, das San Mamés Barria, direkt neben dem Altbau errichtet. Ab der Saison 2012/13 sollen Athletics Heimspiele dort ausgetragen werden. Die alte Kathedrale passt nicht mehr zum heutigen Fußball.


Löwen vom eigenen Stamm


Während die Modernisierung des Klubs im Bereich Spielstätte stetig voranschreitet, bleibt Bilbao bei der Wahl seiner Spieler umso traditionsbewusster. Nur Spieler baskischer Herkunft dürfen im Trikot der „Los Leones“ (Spitzname der Bilbao-Mannschaft in Spanien) auflaufen. Sie müssen aus der Talentschmiede des Vereins oder aus der Jugend anderer baskischer Klubs wie Real Sociedad San Sebastián kommen. Als baskisch gelten seitens des Klubs die Regionen Bizkaia, Gipuzkoa, Alava und Navarra in Spanien sowie die französischen Provinzen Labourd, Soule und Nieder-Navarra. Würde man das Konzept zum Beispiel auf den 1. FC. Köln übertragen, dürften für den Geißbock-Club nur noch Spieler aus dem Rheinland in der Köln-Arena antreten. Bilbaos Trainer dagegen muss übrigens kein Baske sein, weshalb auch schon Jupp Heynckes zweimal Station im Baskenland machte.


Alte Siege, junge Stars



Obwohl die Transferpolitik des Klubs somit ständig eingeschränkt ist, gab es einige Erfolge. Insgesamt wurde der Verein achtmal spanischer Meister. 24-mal holte er die Copa del Rey in die Stadt am Fluss Nervión. Die letzten Titelgewinne gelangen 1984 und 1985, und nach dem Double holten die Basken 1985 sogar den spanischen Supercup. Und obwohl die Zahl potentieller Spieler durch selbst gemachte Auflagen gering ist, gab es immer wieder großartige Talente. Fernando Llorente und Javi Martinez wurden als Bilbao-Kicker 2010 mit Spanien Weltmeister. Zuletzt erweckte Iker Muniain die Aufmerksamkeit der Medien und Fans. Der 18-jährige Stürmer begeistert die Massen in der Kathedrale und hat auch schon das Interesse der deutschen Presse geweckt. Die Website sportal.de widmete dem Jungstar bereits ein Porträt (mehr dazu). Dessen Autor Benjamin Dörfel hält den Weggang des Talents, das sogar schon mit Barcelonas Messi verglichen wird, bei konstanter Weiterentwicklung für unausweichlich.

Die Zukunft des Klubs liegt also eher im Ungewissen. Das neue Stadion und eine produktive Talentschmiede können den Klub zu neuen Höhenflügen führen - oder auch nicht. So oder so, ein Abschied von der außergewöhnlichen Spielerpolitik Bilbaos ist nicht zu erwarten. Jupp Heynckes sagte in der Fußballzeitschrift 11Freunde, ein Verzicht auf rein baskische Spieler sei vor allem für die Fans unvorstellbar: „Die steigen lieber ab.“

 

Star der Europa-League 2012

 

Am 9.Mai 2012 steht der Verein gegen Atletico Madrid im Finale der Europa-League in Bukarest. Ein Sieg wäre der erste internationale Triumph des Vereins seit Jahrzehnten.

 

 

Weiterführende Links zu spanischen Fußballclubs.


Athletic Club im Internet: mehr dazu

FC Barcelona, ein Club-Portrait: mehr dazu

Real Madrid, ein Club-Portrait: mehr dazu

SD Compostela alias Campus Stellae: mehr dazu

 

 

Der Autor:

mehr über unseren Autor Johannes Janßen siehe Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Coach von Athletic Club Bilbao ist seit 2011 der argentinische Ex-Nationalspieler Marcelo Bielsa

 

 

 

 

 

 

 

 

Top-Spieler des Clubs

© Athletic Bilbao

 

 

Iker Muniain
Fernando Llorente
Javi Martinez

 

 

Petronor: eine baskische Ölfirma. Vor 2008 war Athletic Club der einziger spanische Verein ohne Werbung auf dem Trickot

 

 

 

 

© www.spanien-reisemagazin.de 2012 |  Datenschutz