09 September 2010    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Spaniens Sprachen - ein Kommentar

In Panama hätte mir Katalanisch kaum geholfen
Eskerrik asko, danke, danke, nix kapiere

 

 

Galicisch für Säuglinge, Katalanisch für Andalusier, Kauderwelsch für Erasmusstudenten – ein Kommentar von Tobias Büscher zu Spaniens Regionalsprachen:

 

Vier Sprachen und jede Menge Politik dahinter

 

Wer in Barcelona einen Hörsaal besucht, hat es nicht leicht. Denn dort – das hat schon der wunderbare Spielfilm „L’auberge espagnole“ gezeigt – werden die Kurse nicht in der Sprache gegeben, die man in Gießen oder Paris so lernt, sondern auf Katalanisch. Klingt ähnlich, birgt aber viele Missverständnisse. Wer in Bilbao eine Demo der ETA sieht, ahnt, worum es geht. Ahnt, wohl gemerkt, denn die Plakate sind auf Baskisch verfasst. Klingt nicht ähnlich, versteht man nicht. Und in galicischen Tavernen ist die Speisekarte neuerdings en galego. Aus dem J wird ein X, der Besitzer Javier heißt jetzt Xavier und serviert Fisch nicht mehr als pescado, sondern als peixe ...

 

455 Millionen und ein paar Regionalisten


Was tun? Immerhin beherrschen die Weltsprache Spanisch rund 455 Millionen Menschen. Soll man jetzt eskerrik asko („Danke“ auf Baskisch) auswendig lernen, was weniger Menschen verstehen als Ma­drid Einwohner hat? Hilft das in Sevilla, Buenos Aires oder Havanna? Sicher nicht.

 

Bußstrafen bei linguistischem Fehltritt

 

Dabei geht es um viel mehr als um die Sprachen an sich. Kneipiers in Barcelona bekommen Ärger mit den Behörden, wenn ihr Barname nicht auf català an der Fassade steht. Baskische Fußballer müssen bas­kische Urahnen haben, um dort im Verein kicken zu dürfen. Und in galicischen Säuglingsstationen sind unlängst CDs mit Kinderliedern auf galego verteilt wurden. Die Kleinen können nicht früh genug hören, wie es richtig klingt.

 

Franco war Galicier - und verbat Galicisch

 

Für Franco war Sprache Politik – für die Regionalisten ist es das auch. Sprache dient der Verständigung. Sie verbindet Menschen. Europa wächst weiter zusammen und in Spanien passiert das genaue Gegenteil. Die von der Verfassung geschützten „historischen Autonomien“ Baskenland, Galicien und Katalonien sind auf dem bes­ten Weg, sich nicht nur sprachlich vom Zentralstaat zu lösen. Dabei haben sie eigene Rechte in den Bereichen Steuern, Pädagogik und Kultur, von denen ein Freistaat wie Bayern nur träumen kann. Es gibt sogar eine eigene baskische Polizei mit roten Baskenmützen. Aber viel schöner wären doch baskische Grenzposten, am liebsten an den Südrändern Navarras und nördlich hinter Bayonne. Die Franzosen halten das für Folklore, Wirtschaftsfachleute für Wahnsinn und baskische Hardliner für den einzigen Weg.

 

Ach, diese bösen Españolistas ...


Es stimmt schon: Franco hat die Regionalsprachen verboten und die regionale Kultur gleich dazu. Doch der Diktator starb vor Jahrzehnten und die damaligen Opfer betreiben längst selber Sprachpolitik: sie grenzen das español aus. Wer am Außenrand der Iberischen Halbinsel eine politische Rede hält, wettert am besten gegen die „Españolistas“. Das ist derzeit das Kultwort des „Bloque Nacionalista Galego“. Die Regierung in Santiago de Compostela bezahlt Lokalzeitungen für Beiträge auf Galicisch. Und in Barcelona wird die Forderung nach weltweiten katalanischen Botschaften laut. Man nennt sich ja bereits „Nación“ und ist auf der Frankfurter Buchmesse hofiert worden wie zuvor Ungarn und Indien.

 

Das Nachsehen haben alle anderen, auch Erasmusstudenten


All dies hilft einigen wenigen und geht zu Lasten vieler. Vier Wörterbücher, ein Land. In baskischen Büros haben Zugezogene bald baskisch zu reden: ein Sprachsammelsurium aus diversen Tälern, angereichert mit so modernen Worten wie Computer und iPod. So einige Erasmusstudenten gehen aber schon jetzt nicht mehr nach Bilbao, Barcelona oder Santiago. Kultige Metropolen zwar, aber man versteht nicht viel. Bleibt die Frage, was den Regionalsprachlern heute eigentlich noch das Wort „Völkerverständigung“ bedeutet. Im eigentlichen Sinne wohl: „mir doch egal“.

 

PS: an der Uni Madrid gibt es für Ausländer natürlich Kurse im gängigen Spanisch: zu den Infos

 

 

Kommentare zu diesem Text

 

 

Ralf Bender, Hessen:

 
Auf die Spitze wurde die regionale Sprachverwirrung im letzten Jahr bei dem Besuch von Chavez in Spanien getrieben: Statt sich gemeinsam auf Castellano zu unterhalten, wurden sieben Übersetzer aufgeboten, davon zwei zuständig für Catalan, einer für Valenciano, zwei für Baskisch, zwei für Gallego und einer - zu Sicherheit - für Englisch. Darüber haben sich selbst die Katalanen gewundert ...
dazu ein Artikel von 20minutos

 

 

Margit Kunzke, seit 25 Jahren in Valencia

 

Dass es in Spanien vier offizielle Sprachen gibt, ist im Prinzip nicht schlecht. Nur das was die jeweiligen Regionen daraus machen ist sehr schlecht. Den Katalanen, Valencianos, Gallegos und Basken wird die jeweilige Landessprache gewaltsam aufgezwängt. Viele wollen die Regionalsprache gar nicht lernen, müssen aber. Außerdem verstößt dieser Zwang gegen Paragraph 3 der spanischen Verfassung der besagt, daß Castellano die Staatssprache ist und daß jeder Spanier das Recht hat, Castellano zu kennen und zu lernen. Das interessiert die katalanischen, valencianischen, galicischen und baskischen Sprachfundamentalisten jedoch nicht im geringsten. Interessant ist auch, daß gerade die Politiker, die die Regionalsprache am lautesten verfechten, ihre Kinder auf (teure) Privatschulen schicken, damit sie dort Castellano, Englisch, Deutsch, Französisch und andere Fremdsprachen lernen. Die Regionalsprache steht da meist nicht auf dem Stundenplan.

 

Marion Sparrer, Galicien:

 

Richtig, auch in Galicien haben einige der härtesten politischen Verfechter der galicischen Sprache kurioserweise ihre Kinder auf Privatschulen, wo sie normales Spanisch lernen, damit sie später weltgewandter sind. Mein Sohn dagegen wird bald eingeschult, und lernt alles von Handball bis Mathematik auf galicisch. Das findet auch mein galicischer Mann zum Kopfschütteln.

 

Jörg Pundhöler, NRW:

 

Eine Regionalsprache zu erhalten ist aus der Sicht eines "Heimatschützers" absolut zu verstehen. Die Sprachenschätze gehören allerdings ins Archiv des jeweiligen Heimatmuseums und nicht auf dem Lehrplan von international besuchten Universitäten.

 

 

Nina Gorsch, derzeit Barcelona

 

Stimmt wirklich, hier in Barcelona redet mit mir keiner normales Spanisch. Aus Prinzip. Dafür hab ich mich gestern mit zwei richtig netten Chicas unterhalten. Aus Venezuela!

 

 

 

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Spanisch lernen auf Reisen in Ecuador

 

Filmtipp zum Thema:


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