Er wirkt ruhig und gelassen, sein verschmitztes Lächeln ist legendär. Die Spanier lieben ihn - oder sind entsetzt. Stararchitekt Rafael Moneo (74) blickt auf eine fast 50ig-jährige Karriere zurück: als Architekt, Lehrer und Autor. Vor allem der Ausbau des Prado-Museums in Madrid brachte ihm viel Lob und Kritik ein.
Von Cindy Witt
Seit 2007, nach neun Jahren Bauzeit, ist der Anbau des weltberühmten Prado-Museums fertig. Architekt Rafael Moneo hat die Pinakothek um den Kreuzgang einer östlich davon liegenden Klosterkirche erweitert. Leicht war das nicht, denn der Entwurf erregte die Madrilenen: es gab Bürgerproteste, Pressekampagnen und auch Widerstand der katholischen Kirche. Gerade der Umzug des Kreuzgangs war umstritten, da er Stein für Stein abgetragen, restauriert und überdacht im Erweiterungsbau wieder aufgebaut werden musste.
Gewinn für den Prado
Heute sind die Bewohner von Madrid versöhnlicher, zumal die Besucherzahlen seither wieder stimmen und der Prado endlich mehr Platz für seine Bilder hat. Es ist ein schlichter, schöner Bau geworden. Der Kubus besticht durch seine klaren Linien, warmen Farben und viel Glas. 50 Prozent mehr Nutzfläche, ein Konferenzsaal für 400 Zuhörer sowie der eindrucksvoll restaurierten Kreuzgang lassen den Gast staunen und verweilen.
Moneo und der „kritische Regionalismus“
Das Prado ist ein sehr gutes Beispiel für den kritischen Regionalismus, den Moneo schon seit frühester Schaffensphase verfolgt. Anders als viele andere Architekten setzt er nicht auf Größe und Imposant. Moneo bezieht die Umgebung seiner Bauwerke in seine Planung ein. „Projekte entstehen niemals isoliert, sondern immer in einem gewissen Kontext. Und mit jedem Gebäude, das man baut, verändert man diesen Kontext“, beschreibt Moneo seine Vision vor jeder Entwurfsphase. Dadurch wirken seine Bauten vielleicht etwas unspektakulär, aber sie schaffen Analogien zu Vorhandenem.
Schon früh kam Moneo mit Architektur in Berührung, denn sein Vater war Bauingenieur. Später entdeckte er seine Leidenschaft für Design und Innenarchitektur. Mit seiner Ehefrau Belén Feduchi, selbst Möbeldesignerin, arbeitet er eng zusammen. Neue Projekte setzt er also immer ganzheitlich um, und so verwundert es kaum, dass der Scherz im Umlauf ist: „In Spanien gibt es so viele Arbeitslose, weil Moneo alles selber macht.“
Architekturbüro in Madrid
Nun feiert der Stararchitekt seinen 74. Geburtstag, denkt allerdings nicht daran, sich aus dem Berufsleben zurück zu ziehen. Er sucht den Kontakt zu jungen Leuten und lehrt weiterhin an der Harvard University. Der Träger des Pritzkerpreises sowie des Mies van der Rohe Preis 2001 betreibt weiterhin sein Architekturbüro in Madrid. Denn auch wenn sie ihn dort schon mal in Frage stellen, liebt er seine Stadt und ihre kreative Energie.