Pilger auf dem spanischen Jakobsweg in Santiago
Somos peregrinos, estamos en Santiago. Wir sind Pilger, wir sind in Santiago, tb

Ser und estar in der spanischen Sprache

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage, so Shakespeare. Das Gefühl innerer Zerrissenheit, welches er Hamlet in philosophischer Tragik ausdrücken lässt, kennen auch viele Spanischlerner. Ser oder estar, das ist hier die Frage. Es gibt nämlich einen feinen, aber bedeutenden Unterschied zwischen diesen beiden Wörtern. Auf Deutsch heißt es ganz simpel sein. Vielleicht etwas zu simpel?

 

von Dina Benito

 

Kurz gesagt: Ser beschreibt das Unveränderte, estar das Vorübergehende. Beispiel:

Soy una mujer = Ich bin eine Frau.

Estoy en casa = Ich bin zu Hause.

Keine große Hilfe, denkt sich nun der verzweifelte Spanischanfänger. Das Aufenthaltsorte sich ändern können, Geschlechter aber in den wenigsten Fällen, leuchtet auch dem hartnäckigsten Fremdsprachen-Legastheniker ein. Wie steht es denn mit der Beschreibung einer Person? Vielleicht bin ich gerade Journalist, möchte aber in absehbarer Zeit etwas ganz anderes machen.

Ich bin Single: bewusst oder auch vorübergehend

Das sich die Spanier auch nicht ganz einig im Umgang mit diesem Unterschied sind, macht ein faszinierendes Beispiel deutlich: Das Wort Singlesoltero bzw. soltera, wird von Männern oft zusammen mit ser, von Frauen dagegen mit estar verwendet. Estoy soltera = Ich bin (zurzeit) Single, habe aber nicht vor, das langfristig auch zu bleiben. Männer sehen das wohl anders. Es ist also – wie so oft – eine Frage der Einstellung.

Nicht für immer ...

Philosophisch betrachtet ist es doch eine sehr nützliche Eigenschaft von Sprache: klarmachen, etwas ist nicht für immer, sondern vorübergehend. Man vergisst ja gerne, dass es morgen schon wieder ganz anders sein kann. Mehr Feingefühl und Verständnis für die kleinen und großen Themen dieser Welt bekommt, wer besser spricht und schreibt. Behaupten jedenfalls so manche Sprachwissenschaftler.

Also: mit dem verzwickten ser/estar lassen sich Sichtweisen konkretisieren. Und wie schön wäre es doch, könnten wir im Deutschen simpel ausdrücken „Heute ist alles doof, aber morgen vielleicht nicht mehr“.

Ich bin, Du bist ...

Und so geht es von ich bin bis sie sind:

yo soy/estoy (ich bin)

tú eres/estás (du bist)

el/ella es/está (er/sie ist)

nosotros/as somos/estamos (wir sind)

vosotros/as sois/estáis (ihr seid)

ellos/ellas son/están (sie sind)

Noch mehr zur spanischen Sprache

Weiterführende Links

Spanische Zungenbrecher

El Silbo, die Pfeifsprache

Spaniens eigenwillige Sprache Baskisch



Unsere Autorin

Die Autorin

Dina Benito Armero ist Online-Redakteurin und aufgewachsen in einer deutsch-spanischen Familie. Sie hat eine ausgeprägte Leidenschaft für spanische Musik, Paella dagegen kann sie nicht ausstehen.



Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
6 Bewertungen
97 %
1
5
4.85