Entsalzungsanlage in Südspanien
Entsalzungsanlage in Spanien

Zukunftsweisend: Entsalzungsanlagen in Spanien

Wer liebt es nicht. Sommerurlaub in Spanien mit Sonne, Meer und frischem Essen. Dazu noch Golf spielen und das bitte das ganze Jahr über. Welche Ressourcen das an Wasser verschlingt, darüber macht sich kaum jemand Gedanken.

von Barbara Weigand

Spanien ist zu einem Großteil umgeben von Wasser. Fast 5000 km lang ist die Küste des Landes. Bereits 900 Meerwasserentsalzungsanlagen sind hier im Einsatz. Die Kapazität spanischer Wasseraufbereitungsanlagen steht damit an dritter Stelle weltweit. Der Süden des Landes ist trocken, vor allem Andalusien. Das Wasser der großen Flüsse im Norden, Tajo und Ebro sowie die vielen Stauseen im Norden sind entsprechend heiß begehrt im Süden.

Im Süden spielt die Musik des Landes. Hier kommen die Touristen hin und verbringen ihren Urlaub. Sie verbrauchen mehr als dreimal so viel Wasser pro Tag als die Anwohner. Sie wohnen in Hotelanlagen mit wohlgepflegten Gärten und Parkanlagen, spielen Golf auf grünem Rasen und genießen die frischen Früchte der Region. Da all das viel Süßwasser verbraucht, hat das Land sich auf den Bau von Meerwasserentsalzungsanalagen (plantas desalinizadoras) fokussiert.

Der Klimawandel macht´s nötig

Fakt ist: Die Erde erwärmt sich Jahr für Jahr. Die Dekade von 2000-2009 ist die wärmste seit Beginn der Aufzeichnung von Wetterdaten. Mit der Erderwärmung verschieben sich die Regengebiete bzw. die Regenmengen. Im Süden Spaniens, der trockensten Region des Landes, drohen bereits afrikanische Verhältnisse. Wenn die in Afrika Richtung Norden ziehende Wüstenbildung das Mittelmeer überspringt, wird es in Andalusien noch trockener als bisher. Spanien hat doppelt so viele Sonnenstunden wie die nordeuropäischen Länder. Trotzdem legt Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy der Solarenergie immer neue Hindernisse in den Weg. Gleichzeitig lässt er zu, dass die Kohlekraftwerke wieder die 20 Prozentmarke der Elektrizitätserzeugung 2015 erreicht haben. Kohleverbrennung ist die Hauptursache für den Klimawandel.

Der Gemüse- und Obstgarten Europas

Ohne massive Bewässerung kann der Obst- und Gemüsegarten Europas nicht existieren und produzieren. Die Region um Almería, die bereits seit einigen Jahren gegen die zunehmende Verwüstung ankämpft, ist fast komplett mit Treibhäusern überbaut. Hier wächst ganzjährig das Obst und Gemüse, das wir Europäer gern auch den ganzen Winter über auf unseren Tellern haben. Da Wasser aus den Entsalzungsanlagen deutlich teurer ist als Grundwasser, versuchen Bauern immer noch illegal an Grundwasser zu gelangen. Aus Kostengründen. Dadurch werden die vorhandenen Ressourcen noch weiter dezimiert.


Gemüsestand in Barcelona
Gemüsestand in Barcelona

Die Retter: Entsalzungsanlagen

Entsalzungsanlagen haben in Spanien schon eine lange Tradition. 1964 wurde die erste Wasserentsalzungsanlage auf Lanzarote in Betrieb genommen. Die Inseln Fuerteventura und Lanzarote verfügen über kein Süßwasser, so dass diese auf das produzierte Wasser angewiesen sind. Mit EU-Geldern entstanden viele weitere Anlagen auf dem Festland und den Inseln. Inzwischen besitzt das Land über 900 solcher Anlagen, allein auf den Kanarischen Inseln sind es 319.

Das Verfahren

Entsalzungsanlagen nutzen verschiedene Verfahren für die Süßwassergewinnung. Am häufigsten werden die Entspannungsverdampfung und die Umkehrosmose verwendet. Diese Verfahren verbrauchen viel Energie, sogar die von Kohle- und Atomkraftwerken. Hier ist die Kombination von Wind- und Sonnenenergie der Königsweg. Bei der Energiegewinnung aus Windkraft steht Spanien ganz vorne im internationalen Vergleich. Auch die Solarenergie bietet großes Potenzial.

Neuentwicklungen in der Meerwasserentsalzung

Da weltweit bereits 300 Millionen Menschen von Entsalzungsanlagen abhängig sind, müssen die Anlagen effizienter werden. Weltweit arbeiten Forscher deshalb an neuen Verfahren. Chemieprofessor Ulrich Tallarek von der Universität Marburg hat einen Wasserchip entwickelt, der 25 Prozent des Salzes aus dem Wasser filtert. Der Chip filtert auch andere Unreinheiten aus dem Wasser. Diese Chips - in Reihe geschaltet - erzeugen viel Trinkwasser mit wenig Energieaufwand. In Singapur wird zurzeit dieses Verfahren sehr erfolgreich in einem Pilotprojekt getestet. Bei Platzmangel, z. B. auf griechischen Inseln, sind schwimmende Entsalzungsanlagen vor den Inseln verankert.

Segway-Erfinder entwickelt Wasseraufbereiter

Dean Kamen, Erfinder des zweirädrigen Elektrofahrzeugs Segway, hat sich nun ebenfalls der Wasseraufbereitung zugewandt. Mit Erfolg: In einem System aus Verdampfung und Destillation verwandelt er sogar Brauchwasser und verunreinigtes Flusswasser in frisches Trinkwasser. Ein Meilenstein, für Spanien und die ganze Welt.

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