Steinbock in der Sierra de Gredos
Steinbock in der Sierra de Gredos, sb

Steinböcke und Ginster: Wandern in der Sierra de Gredos

Steinböcke zum Streicheln nah, dazu den betörenden Duft tausernder Ginsterblüten und eine atemberaubende Sicht: das ist Spaniens Bergwelt Sierra de Gredos. Wir wandern vom Parkplatz Gredos in Richtung Laguna Grande. Dabei treffen wir wilde kämpfende Steinbock-Weibchen, sogar eine streichelzahme Steinbockdame und später - als echtes Highlight - männliche Steinböcke mit ihren imposanten Hörnern.

 

Von Silke Büscher

 

Die Sierra de Gredos liegt in Zentralspanien westlich von Madrid. Das alpine Gebirge heißt in Spanien auch Rückgrat von Kastilien, denn es teilt Spaniens größte autonome Region Kastilien und Léon in zwei Hälften. Deutsche kommen hier selten her. Unter passionierten Bergwanderern und vor allem Jägern sind die Berge der Gredos jedoch auch hierzulande ein echter Geheimtipp.

 

 

Wanderer auf dem Weg vom Parkplatz Gredos bergauf
Vom Parkplatz Gredos gehts über holprige Steine bergauf, sb

Steinböcke, Alfons XIII und die Jagd in der Sierra de Gredos

Unser Wandertrip beginnt an der Plataforma de Gredos (Parkplatz Gredos) nahe dem Ort Hoyos del Espino auf 1780 m Höhe. Es ist ein warmer Sonntagvormittag im Juni. Noch bedecken Schäfchenwolken den Himmel, aber die ersten Sonnenstrahlen lassen schon einen heißen Tag erahnen. Dazu weht ein leichter Wind. Heute reicht ein T-Shirt. Doch eine Jacke gehört unbedingt in den Wander-Rucksack, genau wie Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Meine Wanderschuhe habe ich daheim vergessen. Ein Fehler, denn der Weg besteht aus groben Steinen und nur durch Glück knicke ich nicht um.

Anfangs geht es nur mäßig bergauf. Links neben uns fließt ein rauchendes Gebirgsflüsschen - der Garganta de Prado Puerta. Bereits hier kurz hinter dem Parkplatz sollen manchmal Steinböcke grasen. Doch so sehr ich den Fluss und die umliegenden Berghänge auch mit den Augen abscanne: Noch lassen sich die scheuen Tiere nicht blicken. Anfang des 19. Jh. gab es nur noch 12 Exemplare des Gredos-Steinbocks, einer Unterart des Iberien-Steinbocks. Und sicherlich hätten Jäger die Population ganz ausgerottet, wenn König Alfons XIII das Gebiet nicht 1905 zu seinem persönlichen Jagdgebiet erklärt hätte.

 

Heute gibt es in der Sierra de Gredos wieder weit über 10000 Steinböcke. Und weil es mittlerweile sogar zu viele männliche Exemplare sind, versteigert der Regionalpark jedes Jahr Jagdrechte in Höhe von 1,5 bis 2 Mio. Euro an Waidmänner aus aller Welt. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die von Viehzucht und Tourismus geprägte Gegend. Der Steinbock ist übrigens das Wahrzeichen der Sierra de Gredos. Das Tier ziert sogar das Logo der regionalen Biersorte Cerveza Gredos.

 

 

Kämpfende Steinbock Geißen
Steinbock-Damen lassen es krachen, sb

Kämpfende Steinbock-Weibchen zum Greifen nah

Nach etwa 15 Min. biegt unser Weg nach rechts ab. Er ist gut beschildert. Rechts hoch am Berghang sehen wir eine Hütte. Es ist eine alte Hirtenhütte, erklärt unser Wanderführer Raúl. 20 davon gibt es hier. Heute dienen sie als fester Unterschlupf und jeder Wanderer kann sie kostenlos nutzen. Zusätzlich bietet der Regionalpark Gredos drei Bergsteigerhütten mit Service, eine davon befindet sich am Ziel unserer Route: dem Bergsee Laguna Grande. Wanderer finden hier für rund 25 Euro pro Person und Nacht Unterschlupf im Schlafsaal und Halbpension mit einfachem Frühstück und Abendessen.

 

Ein paar Minuten später überquert unser Weg den Río Pozas. Hier ist es flach und saftiges Gras wächst rund um das kleine Flüsschen. Doch bevor wir es überqueren fällt mein Blick nach links und ich halte instinktiv die Luft an. Sieben Steinböcke grasen hier am Wasser - keine 30 Meter entfernt. Es sind Weibchen, erklärt Raúl. Jetzt im Sommer ziehen Geißen und Böcke getrennt durchs Gebirge. Erst zur Paarungszeit im Spätherbst bilden sie wieder gemischte Gruppen. Mit meiner Kamera bewaffnet pirsche ich mich bis auf fast 15 Meter an die Wildziegen her. Und dann passiert es: Zwei Steinbockdamen bekommen Streit. Sie haben zwar nur kleine Hörner, aber die krachen ordentlich zusammen. Der kurze Kampf ist nach ein paar Minuten vorbei. Dann grasen sie wieder friedlich nebeneinander weiter. Und so beeindruckend die Tiere auf freier Wildbahn auch sind, wir müssen weiter.

 

 

Sierra de Gredos Talblick
Sierra de Gredos - Blick ins ginstergelb leuchtende Tal, sb

Wandern in der Sierra de Gredos: besonders beliebt bei Madrilenen

Steiler und steiler führt der Pfad jetzt den Berg hinauf. Mittlerweile ist es Mittag, die Wolken haben sich fast verzogen und die kastilische Sonne brennt heiß im Nacken. Heute ist ganz schön was los. Einige Wanderer haben bereits den Rückweg angetreten und kommen uns entgegen. Am Wochenende - vor allem bei solchem Traumwetter - ist es hier immer voll, erzählt Raúl mit seinem wettergegerbten Gesicht, während wir tapfer bergauf stampfen.

 

Besonders Besucher aus Madrid kommen gerne hierher. Kein Wunder, denn die spanische Hauptstadt liegt nur rund zwei Autostunden entfernt, ein Wochendendtripp bietet sich also geradezu an. Als Übernachtung besonders beliebt ist der Parador in Navarredonda ganz in der Nähe. Er ist der älteste ganz Spaniens und war einst das Jagddomizil Alfons XIII. Hier unterzeichneten übrigens Politgrößen wie Adolfo Suárez und Manuel Fraga im Jahr 1978 die spanische Verfassung.

 

 

Ginsterblüten und der Blick auf den Circo de Gredos
Betörender Ginster und der Blick auf den Circo de Gredos, sb

Piornos en Flor: Leuchtender Ginster

Immer weiter geht es bergan - vorbei an intensiv duftenden Ginstersträuchern, den berühmten Piornos. Von April bis Juli bedecken die bis zu fünf Meter hohen Sträucher ganze Berghänge und tauchen sie in ein intensives Gelb. Elf verschiedene Arten gibt es alleine in der Sierra de Gredos, darunter sogar eine weißblühende namens Cystius multiflorus. Vögel zwitschern, aber den für Gredos berühmten Zitronenzeisig (Carduelis citrinella) sehe ich leider nirgendwo. Dafür sonnt sich eine kleine Spanische Gebirgseidechse (Ibarolacerta cyreni) auf dem Weg und funkelt leuchtet grün mit schwarzer Zeichnung im grellen Licht.

 

Weiter aufwärts flacht der Weg etwas ab. Nach gut zwei Stunden Wanderung mit vielen Fotopausen erreichen wir den Mirador (Aussichtspunkt) de la Peña des Rayo. Vor uns fällt der Blick auf den Gebirgskessel des Circo de Gredos. Auf seinem Grund liegt die Laguna Grande, ein eiskalter Gebirgssee. Er ist nur etwa drei Meter tief und in der kalten Jahreszeit meist zugefroren. Darüber thronen die Berge des Circo, darunter der mit 2592 höchste Berg der Region namens Almanzor und der nur unwesentlich kleinere La Galana (2564 m).

 

 

Touristen füttern Steinböcke
Touristen füttern Steinböcke in der Sierra de Gredos an, sb

Selfie mit Steinbock

Der Blick ist atemberaubend. Doch eine einzelne Steinbockdame stiehlt die Show. Sie steht direkt neben dem Hinweisschild des Aussichtspunktes und zeigt keinerlei Scheu. Später erfahre ich den Grund: Touristen füttern sie und ein kleines Böckchen - vermutlich ihr Junges. Das ist im Regionalpark zwar verboten, stört aber einige Wanderer offenbar nicht. Und so machen sie in rund 2100 m Höhe Selfies (span. Selfi, Wort des Jahres dort 2014) mit Steinbock.

 

Unser Hinweg endet hier am Mirador. Bis zur Laguna Grande sind es noch etwa 3 Kilometer - 3,5 Kilometer sind wir bereits gewandert. Die geht es jetzt zurück ins Tal. Nach einer kurzen geraden Strecke fällt der Weg wieder ab und ich bekomme doch endlich noch meinen Kindheitstraum erfüllt: einmal männliche Steinböcke ganz nahe sehen. Gleich zwei Exemplare sind in den steilen Felsen unterwegs und schauen ins Tal. Eines kommt sogar bis auf drei Meter heran. Hier ist eine kleine Quelle, an der auch Wanderer Trinkwasser finden.

 

Fast posiert der Steinbock mit seinen beeindruckenden Hörnern vor der Kamera während hinter ihm die Berge ginstergelb in der knallenden Sonne strahlen. Iberiensteinböcke (capra pyrenaica) sind übrigens kleiner als ihre Verwandten in den Alpen. Männchen bringen bis zu 80 Kilo auf die Wage und erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 75 Zentimeter. Charakteristisch ist die Form ihrer Hörner: Sie biegen sich im Mittelteil nach hinten und laufen im Spitzteil wieder nach oben zu. Der Gredos Steinbock (capra pyrenaiva vioriae) ist eine Unterart der Iberiensteinbocks.

 

 

Spanische Gebirgseidechse
Eine spanische Gebirgseidechse sonnt sich auf den Steinen, sb

Steinböcke direkt am Parkplatz Gredos

Schweren Herzens packe ich die Kamera in die Tasche und es geht weiter den Berg hinunter. Abwärts ist es deutlich anstrengender als hinauf. Und weil wir aus dem Zeitplan sind, macht unser Führer Raúl ordentlich Tempo. Damit ich auf dem groben, unebenen Steinweg nicht abrutsche, habe ich meine Augen fest auf den Boden geheftet - genau wie der Rest unserer Gruppe. Als wir am Parkplatz ankommen, ist mir fast ein wenig schwindelig. Ausgepowert schleppen wir uns mit letzter Kraft in unseren Bus.

 

Insgesamt 7 km Weg mit einem Höhenunterschied von rund 350 Metern in der brennenden Sonne Kastiliens liegen hinter uns. Der frische Wind hat mich die Hitze auf der 4 Stunden langen Wanderung kaum spüren lassen. Als wir losfahren, sehen wir rechts zwischen Parkplatz und dem Fluss Garganta de Prada Puerto tatsächlich noch einmal Steinböcke: Der krönende Abschluss einer traumhaft schönen Wanderung durch diese bei uns so unbekannt spanische Bergwelt.

 

 

Praktische Tipps

Eintritt zum Regionalpark

(Kurz vor dem Parkplatz Gredos) 2 € pro Person ab 7 Uhr

Karten und weitere Wander-Touren

Karten und sogar eigene Wandertouren gibt es im Parador und in vielen Landgasthäusern (Casa Rural) - oft auch auf Englisch.

 

Besonders empfehlenswert für ausgiebige Touren ist der Rother Wanderführer Sierra de Gredos von Bernd Plikat. Der Autor beschreibt 52 Bergwanderungen mit GPS-Koordinaten für Einsteiger und Profis. Und für Kinder geeignete Routen sind sogar mit einem extra Symbol gekennzeichnet. Dazu gibt's Karten, Entfernungen, Wanderzeiten, Höhenunterschiede, Einkehrmöglichkeiten und ganz viele weitere praktische Infos im rucksacktauglichen Mini-Format. Ein Muss für alle, die die atemberaubende Bergwelt der Sierra de Gredos auf eigene Faust erkunden wollen.

 

Bergverlag Rother, 1. Auflage 2011
Bern Plikat
155 Seiten, broschiert
Deutsch
ISBN-10: 3763343814
14,90 €

 

 

Karte mit Lage der Sierra de Gredos in Spanien
Sierra de Gredos (*)

Anreise

Am einfachsten ist die Anreise ab Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem Flugzeug und dann weiter mit dem Auto. Nach Madrid fliegen mehrere Airlines, darunter Iberia, Ryanair und Germanwings. Wer früh online bucht, spart Geld.
Vom Internationalen Flughafen Barajas in Madrid geht es mit dem Mietwagen ca. 2 Stunden bis nach Hoyos del Espino bzw. Navarredonda.

Von Madrid aus fahren auch Cevesa-Busse in 3,5 Stunden in die Bergwelt. Los geht es ab dem Südbahnhof Estación sur de autobuses, Calle Mendez Álvaro S/N). Tickets an den Schaltern 13, ,14 und 15 kosten pro Fahrt 12,39 €. Abfahrt tgl. 10 Uhr, Ankunft in Hoyos del Espino ist 13.30.

Parador Gredos Innenansicht
Parador Gredos, sb

Übernachten in der Serra de Gredos

Parador Gredos
AV-941, km. 10
05635 Navarredonda de Gredos Ávila
+34 920348048
gredos(via)parador.es
www.paradores.es

 

2 Pers. ÜF. Um die 115 € pro Tag am WE

Cerveza Gredos
Cerveza Gredos, sb

Essen & Trinken in Gredos

La Mira de Gredos
Ctra. Del Barco S/N.
Hoyos del Espino
Avila
+ 34 920 34 90 23
info(via)lamiradegredos.com
www.lamiradegredos.com

 

 

Menú infantil (Kindermenü) 12 €
Menú Tradicional (normales Tagesmenü) 35.50 €
Menú Degustación (Spezialmenü) 55 €

 

Unbedingt einen Gin-Tonic mixen lassen. Des Restaurant hat alleine 35 Sorten Gin im Angebot.

Spa in Hoyos del Espino
Relaxen im Spa nach der Wanderung durch die Sierra de Gredos, sb

Erholen nach dem Wandern

Aguas de GredosSpa Rural
C/Toleo 3
Hoyos des Espino
Ávila
+34 920349047
info(via)aguasdegredos.com
www.aguasdegredos.com

 

60 Minuten mit 10 Minuten Massage 33 € pro Person, im Winter günstiger. Spa mit Massageduschen, Jacuzzi, Türkisches Dampfbad, Römische Sauna, Schwimmbad, Aromaduschen und mehr.

Wanderführer Raúl erklärt den Circo de Gredos
Wanderführer Raúl erklärt die Sierra de Gredos, sb

Geführte Wanderungen

Escuela Alpina de Gredos
Raúl Lora de Cerro (spricht Englisch)
C/ Portachuelo
305634 Hoyos del Espino
Sirra de Gredos
+34 687078324
www.escuelaalpinadegredos.com

 

Beispielsweise 4 Personen und max. 4 Stunden: 40 € pro Wanderer.

Mehr Infos zu Gredos Nord

 www.turismogredosnorte.com (nur auf Spanisch)

Ausflug nach Ávila

Die Stadt Ávila liegt mit ihrer beeindruckenden Stadtmauer etwa eine Autostunde von Madrid entfernt im Schatten der Sierra de Gredos. Sie ist seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe und einen Besuch allemal wert. Die Stadtmauer ist in den Sommermonaten begehbar. Sehenswert sind außerdem die Kathedrale, der Konvent der Heiligen Teresa und die vielen ehemaligen Adelsvillen der Stadt. Außerdem laden viele kleine Geschäfte, Bars & Cafés zum Schlendern und Verweilen ein.

 

 

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