08 September 2010    
 
 
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Wie lebt man als Deutsche in Galicien, wo doch die meisten lieber eine Finca auf Mallorca wollen? Sehr gut! Hier geht es mit einem Klick zur Reportage

 

 

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Galicien & Jakobsweg

Grünes Galicien

Wellen ...
... und Wein (Bodega Agro de Bazán) ©T.Büscher

Dudelsack statt Flamencoguitarre, keltisches Erbe statt maurische Tradition, Wildpferde-Treibjagden statt Stierkampf und manche Galicierin ist auch noch blond, ohne sich die Haare gefärbt zu haben. Hier ist einiges anders, in dieser nordwestspanischen Region. Gut, Santiago kennen viele, aber das Hinterland überrascht mit einer Landschaft und Kultur, die fast so weit entfernt von unseren Spanien-Klischees ist wie Hamburg vom Wallfahrtsort ...

Santiago de Compostela:

Der Name geht auf den Heiligen Jakob (Sant-Iago) zurück, dessen Grab ein Einsiedler im 9. Jh. auf einem Sternenfeld fand. Seither hat sich die Stadt (95 000 Einw.) zum unangefochtenen Zentrum Galiciens entwickelt. Hier tagt das Regionalparlament, liegt die größte Universität des Nordwestens und residieren die einfluss- reichen Tageszeitungen. Bildschön ist Altstadt.

 

Feuerwerk und Livekonzerte

 

Am 25. Juli beim Jakobsfest füllt sich der Hauptplatz Praza do Obradoiro um Mitternacht mit einer enormen Menschenmenge, die zum Feuerwerk und zu Livekonzerten kommen. Doch auch sonst ist der “Platz des goldenen Werks” gut besucht. Hauptgrund ist die Kathedrale mit ihrer spätbarock dekorierten Westfassade. Über eine doppelläufige Treppe gelangt man zum kunsthistorischen Juwel des Baus, dem romanischen Pórtica Gloria. 20 Jahre, von 1168 bis 1188 überwachte Baumeister Mateo dieses Tor der Glorie, an dem über 200 Figuren nicht nur Heilige und Ungeheuer detailgenau darstellen, sondern auch Geißeln, Lanzen und Musikinstrumente.

 Wer von hier aus durch die Gassen schlendert, gelangt über den Quintana-Platz mit seinem Pferdekopf-Brunnen zu mehreren Klöstern und Monasterien. Und für Tapas une einen guten Wein eignen sich die Gassen rund um die Rúa Franco (benannt nach den Franzosen, nicht nach dem Diktator) wo man sich mit einer Porzellanschale Ribeiro-Weißwein oder einer Ration Pfefferschotenpastete oder Tortilla stärken kann.

 

Die zwei Marias: fast bekannter als der heilige Jakob

 

Der Stadtpark Caballeira de Santa Susana mit seinen Flanierwegen ist vor allem für die Doppel-Statue Las Dos Marías (Die zwei Marias) bekannt. Sie ist eine Reverenz an die größten Schwatzbasen des compostelanischen 20. Jh. Doña María und Doña María sollen in den Altstadtgassen jeden, aber auch jeden angesprochen, angeflirtet und angeflucht haben.

 


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Finisterre - das Ende der Welt

Jakobsmuscheln ...
... und Leuchtturm ©T.Büscher

Römer, Kelten und Pilger waren sicher, dass hier das Ende (Finis) der Welt (Terra) liege. In Fisterra bieten die Fischrestaurants frische Langusten, Austern und Seehechte. Ein Spaziergang lohnt sich entlang dem Hafen zur romanischen Iglesia de Santa María das Areas. Die kleine Kirche ist das letzte Gotteshaus am Jakobsweg. Fisterra ist der berühmteste Ort an der Todesküste.

 

Viele Schiffsunglücke

 

Ihren Namen hat die Küstengegend wegen der vielen Schiffsunglücke an den rauen, scharfen Riffs.  Ein großes Risiko ist das einsammeln der Entenmuscheln an den Riffen. Wegen der kleinen Delikatesse hat es immer wieder Tote gegeben, weil plötzliche Wellen die Menschen gegen die Felsen schleuderten. Die vielen Steinkreuze am Atlantik sprechen für sich.


Galicisch lernen

Tipp: der einzige Führer zur galicischen Sprache eines deutschen Verlags:

Galicisch – Wort für Wort

Galicisch kochen

Tipp 2: Auf www.spanien-reisemagazin.de finden Sie mehrere Rezepte zur galicischen Küche, darunter zur Pastete Empanada, zur Seekrake Pulpo, zu den Miesmuscheln Mejillones sowie zum Hexenpunsch Queimada.

La Coruña - die Gläserne

 

Die weltoffene Hafenstadt La Coruña heißt wegen ihrer schönen weißen Glasveranden Las Galerías am Hafen auch “gläserne Stadt”. Wahrzeichen ist der Leuchtturm Torre de Hércules, den die Römer erbauten.

A Coruña, dessen Stadtkern sich halbinselartig in den Atlantik schmiegt, besteht aus mehreren attraktiven Bereichen. Zum einen ist da die Hafenpromenade mit der sich nordöstlich anschließenden Altstadt.

 

Tapabars und Modelabels

 

Der Hauptplatz María Pita und die südlichen Altstadtgassen sind randvoll mit Fischertavernen, kleinen Läden und Cafés, in denen Domino das Spiel der Spiele ist. Wenige Schritte weiter westlich liegen die sauberen Hausstrände vor schmucklosen, hohen Häusern mit Meerblick. Strände und Hafen trennen an der engsten Stelle der Halbinsel kaum 500 Meter. Nördlich der playas sind erst vor wenigen Jahren zwei attraktive Museen entstanden. Im Aquárium Finisterrae kann man Rochen und Haie aus nächster Nähe beobachten.

Optisch noch auffälliger ist das Museum Domus-La Casa del Hombre, dessen Betonfassade der Japaner Arata Isozaki Anfang der 1990er Jahre als “windgefülltes Segel” entwarf. In den interaktiv eingerichteten Ausstellungsräumen dreht sich alles um die Spezies Mensch, von der Identität über die Bevölkerungsentwicklung bis zu den Organen.


Fußball, Schönheitskönigin und Leuchtturm

 

Estibaliz Pereira Rábade ist 2009 Schönheitskönigin geworden. Deportivo La Coruna hat 2000 die Liga gewonnen. Amancio Ortega, wie Estíbaliz aus der Stadt, gründete das Modelabel Zara. Und der Leuchtturm (siehe rechts) ist der älteste noch funktionierende der Welt. Ganz schön viel für eine so kleine Stadt...

 


Lugo im Römerring

Im Jahr 2000 hat die UNESCO die vollständig erhaltene römische Stadtmauer Lugos, in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Erbauer sparten nicht mit Maßen. Die muralla wurde 2217 m lang, 8 bis 12 m hoch und 4,5 bis 7 m breit, dazu kommen 85 halbrunde Türme und zehn Stadttore.


Im Schatten der berühmten römischen Stadtmauer


Die oft in Nebel gehüllte Stadt am Río Miño liegt fast 500 Meter über dem Meeresspiegel und ist die älteste Provinzhauptstadt Galiciens. Sichtbar wird dies im attraktive Museo Provincial. Zum Teil ist sie in ein spätmittelalterliches Franziskaner-Konvent integriert, daher gehören zum Museum auch ein Kreuzgang, Speisesäle und die Küche. Ihr Kamin ist so groß, dass man in ihm nicht nur kochen-, sondern auch zum Essen Platznehmen konnte. Auf verschiedenen Sälen sind goldene keltische Halsreifen, keltiberische Inschriftsteine, römische Fußbodenmosaike, pechschwarzer Gagat (azabache), Sonnenuhren und Gemälde galicischer Künstler ausgestellt.
Lugos Kathedrale Santa María (12. bis 18. Jh) zeigt an der streng klassizistischen Fassade als Figurenschmuck neben den Evangelisten auch einen Bischof namens Froilán, den kurioserweise ein Wolf begleitet. Die Legende will, dass die Bestie des Bischofs Esel fraß und zur Strafe die Bücherlast von nun an selber tragen musste.

 

Ausflüge ab Lugo

Von Lugo lohnt ein Abstecher zur nördlich gelegenen Atlantikküste mit den Buchten der Rías Altas. Über den Ort Ribadeo geht es zu einem der spektakulärsten Strände Galiciens, der Praia As Catedrais, zu deutsch Kathedralenstrand.

 

 

 

La Peregrina ...
Platz ...
... Bar
und das Top-Restaurant Eirado

Südgalicien: Pontevedra

 

Legende vom Trojanischen Krieg

 

Zwar hatten die Römer sie namensstiftend Pontis Veteris (alte Brücke) genannt, doch stuften die legendenverliebtenBewohner die Entstehung noch um zahlreiche Jahrhunderte zurück. Im Trojanischen Krieg soll der griechische Held Teukros nach seinen Irrfahrten übers Meer den Ort um 1200 v. Chr gegründet haben. So heißt einer der schönsten Plätze auch Praza do Teucro. Herausgeputzte Adelshäuser, kleine, platanenbesetzte Plätze, weißgestrichene Holzbalkone und Arkadengänge aus grauem Granit sorgen genauso dafür wie so manches kuriose  Bauwerk. Beachtlich sind hier das Provinzmuseum und die schmale, barocke Peregrina-Kirche.

 

Wunderbares Flair, ruhige Plätze und ... kaum Pilger

Nur wenige Schritte von der Peregrina-Kirche entfernt liegen an der weiten, zentralen Praza da Herrería kleine Gartenanlagen, Terrassen und die schwerfällige frühgotische Kirche San Francisco mit ihrer großen Rosette. Sie liegt etwas erhöht und wacht geradezu über die kleinen Gassen mit ihren Tavernen und Plätzen.


Unterkunft
:

 

Landhaus im Grünen: O Casal, Tel. 986 76 41 41, Reservierung auch unter: webrural@xunta.es, in Tenoiro, 9 km von Pontevedra rechts oberhalb der N 541 Richtung Ourense. Landhäuser mit herrlichen Zimmern, Schwimmbad, Tennisplatz und weitem Blick über das Hinterland von Pontevedra. Betreiberin ist Marise, eine derart symphatische Frau, dass die Besucher aus Deutschland sich reihenweise wohlwollend in ihr Gästebuch eingetragen haben. Die genießen nebenbei auch den hauseigenen Weißwein, der sehr gut zum Abendessen passt. Letzteres kann man bei Marise beim Frühstück bestellen.

Ausflüge an die Rías Baixas

Die tief eingeschnittenen Buchten Galiciens nördlich und südlich von Pontevedra eignen sich hervorragend für die Muschelzucht. Vor allem Richtung Vigo sieht man Miesmuschelflöße, an denen das “schwarze Gold” an Seilen im plaktonreichen Wasser gedeiht. Nur wenige Meter von der Küste hat sich der Ort Cambados einen Namen als Hauptstadt des Weißweins Albariño gemacht.
Die meisten Siedlungen sind wegen dem milden Sommerklima als Urlaubsorte beliebt. Schon im 19. Jh. machte sich A Toxa bei O Grove mit seinem Kurhotel einen Namen. Sanxenxo hat sich in den letzten Jahren zur Stranddiskomeile weit und breit entwickelt. Wesentlich ruhiger zeigt sich da Combarro, obwohl die direkt am Meer aufgestellten kleinen Maisspeicher viele Besucher anziehen und die Souvenirläden entsprechend Hochkonjunktur haben.

Baiona
Am 1. März 1493 war die Karavelle ”La Pinta” im Hafen von Baiona eingelaufen. Sie brachte eine sagenhafte Nachricht mit, die bald in ganz Europa kursieren sollte: Kolumbus hatte die “Neue Welt (Amerika) entdeckt. An das Ereignis erinnert nicht nur das alljährliche Mittelalterfest am 1. März am Hafen, sondern auch der Nachbau der “Pinta” am Strand Ribeira.
Längst hat sich Baiona von einer Hafenstadt zu einem der beliebtesten Badeorte Galiciens entwickelt. Milde Wassertemperaturen an den umliegenden Stränden, der Parador innerhalb des meerumspülten Mauerrings des Castillo de Monterreal (Spaziergang auf der Mauer möglich) und der schmucke Altstadtkern ziehen im Hochsommer zahlreiche Gäste an.

A Guardia/Santa Tegra

Santa Tegra-Keltensiedlung © Tobias Büscher

 

A Guarda überwacht schon seit Jahrhunderten den Miño-Grenzfluss zu Portugal. Am Hafen, den die umliegenden, farbenfrohen Fischerhäuser wie einen Kranz einrahmen, handeln die Fischer mit Steinbutt, Seeteufel, Wolfsbarsch und Entenmuscheln. Berühmt ist der südlichste Ort Galiciens aber vor allem für seine langostas, und so heißt er auch “Hauptstadt der Langusten”. Die Delikatesse steht auf fast jeder Speisekarte in den Hafen-Restaurants.1913 wollten Waldarbeiter auf dem angrenzenden Berg Santa Tegra (kastilisch: Santa Tecla) einen Forstweg bauen, als sie eine der wichtigsten Keltensiedlungen Nordspaniens entdeckten. Im 7. Jh. v. Chr. hatten die celtos mit dem Bau von über 1000 Rundhäusern begonnen, die bis in die römische Zeit (etwa bis 1. Jh. n. Chr.) bewohnt waren. Mehr dazu

 

Vigo ist die größte Metropole Galiciens, sie hat einen gewaltigen Hafen, beste Austern, vorgelagerte Prachtleben und im Ausland kaum einen Bekanntheitsgrad. Mehr dazu.

Musik aus Galicien

Vergessen Sie Flamenco, Kastagnetten und Co. Galicier spielen gaitia, Dudelsack, und einige davon sehr erfolgreich. Milladoiro beispielsweise und auch Susana Seivane. Siehe auf YouTube weiter oben.

 

Am Grenzfluss Miño

 

Tui mit seinen malerischen Gassen rund um die festungsartige Kathedrale. Von hier aus bietet sich stellenweise ein großartiger Blick auf die portugiesische Nachbarstadt Valença do Minho, deren wehrhafte Mauern ebenfalls von früheren Grenzstreitigkeiten erzählen. Heute fahren die Galicier gerne über die Brücke, um in Portugal preiswert Frottee einzukaufen.
Nicht minder pittoresk zeigt sich der Ort Ribadavia (4000 Einw.) inmitten terrassierter Weinberge des Ribeiro-Weißweins. In der denkmalgeschützten Altstadt lebten hier ansässige Juden bis zur Vertreibung 1492 dementsprechend vor allem vom Weinhandel. 

Ourense

 

Ourense ist eine römische Gründung. Legionäre fanden hier neben heißem Schwefelwasser auch Gold (aus aurum wurde Ourense)
Der arkadengesäumte Hauptplatz Praza Maior ist das Herzstück der Provinzhauptstadt. Umgeben ist er von engen, gelegentlich steilen Gassen, in denen es so manche hervorragende Tapabar gibt. Gleich an der Praza ist das zum Teil verglaste Museo Arqueolóxico Provincial mit seinen prähistorischen, römischen und mittelalterlichen Funden aus der Umgebung untergebracht. Wenige Schritte von der Praza Maior entfernt liegt die Kathedrale San Martiño mit Stilformen von der Romanik bis zum Barock. Sein Pórtico del Paraíso (Paradiestor) ist eine detailgetreue Nachbildung des Pórtico de la Gloria in Santiago de Compostela.

 

Text und Fotos: Tobias Büscher

 

 

 

Über diesen Link gelangen Sie zu einem Artikel über meine Rede zum Jakobsweg vor galicischen Journalisten, vor allem der Tageszeitung Voz de Galicia. Der Text erschien Ende 2009 auf Spanisch auf einer neuen galicischen Webseite mit Namen noticiascamino.com, die unter anderem der renommierte Redakteur Christobal Ramírez betreut (links neben mir im Bild).

 

 

 

 

 

Recherchenotiz

Hier sehen Sie mich auf Recherche für den Text dieser Seite. Das Bild machte einer meiner galicischen Freunde, der Koch Nacho aus dem Restaurant Eirado in Pontevedra. Im Hintergrund ist eines der Castros Galiciens zu sehen, der steinalten, ehemaligen Keltensiedlungen. 


Ebenfalls auf der Reise habe ich mein Galicien-Buch bei DuMont aktualisiert, das erste in deutscher Sprache über die Region. Unter uns: es verkauft sich wohl nur deshalb so gut, weil es Galicien & Jakobsweg heißt. Nur mit Galicien im Titel, erklärte mir damals mein Verleger, würden die Leute eher an Polen denken, wo eine gleichnamige Region liegt.

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