Castros sind Keltendörfer, die im nordwestspanischen Galicien nach wie vor besonders gut zu sehen sind. Das berühmteste heißt Castro de Santa Tegra (Santa Tecla)
von Tobias Büscher (Text & Bild)
Von A Guarda, dem Grenzort zwischen Galicien und Portugal, fährt man in wenigen Minuten hoch zur Keltensiedlung Castro de Santa Tegra. Von dort blickt man weit ins Landesinnere Galiciens, auf A Guarda, das angrenzende Portugal und auf den Atlantik.
Waldarbeiter entdeckten die Anlage
Entdecker dieser steinalten Wehr- und Wohnanlage der Kelten waren Waldarbeiter, die im Jahr 1913 einen Forstweg anlegten und zufällig auf Steinmauern stießen. Sie konnten noch gar nicht ahnen, was für einen Fund sie da gemacht haben.
Die Kelten schützten sich geschickt vor Feinden
Keltiberische Stämme errichteten diese Siedlung aber ganz bewusst in dieser strategisch günstigen Lage auf dem Berg Santa Tegra (kastilisch: Santa Tecla). Die Steine und das Essen hinaufzuschleppen war anstrengend, aber Sicherheit geht vor. Sie sahen den Feind früh und konnten entsprechend gut reagieren.
Geniale Sicht am Castro Santa Tegra
Denn aus immerhin 340 m Höhe sahen die Kelten Schiffe an der Miño-Mündung und auf dem Atlantik, blickten in das südlich gelegene heutige Portugal, nach Norden in die Sierra A Groba und nach Nordosten in das fruchtbare Tal O Rosal, das heute für spritzige, leichte Weiß- und Roséweine bekannt ist.
Im 7. Jh. v. Chr. begannen sie mit dem Bau der ersten von insgesamt über 1000 Rundhäusern. Und diese bewohnten sie bis in die römische Zeit (etwa bis 1. Jh. n. Chr.). Danach, als friedlichere Zeiten anbrachen, zog es die Kelten an bequemere Plätze gleich am Wasser.
Rekonstruktionen der Castro-Hütten
Santa Tegra ist noch heute eine der wichtigsten Keltensiedlungen des Landes und erhalten sind die dicht an dicht liegenden Grundmauern der hüttenartigen Häuser ausgesprochen gut. Archäologen haben die Ergänzungen der Mauern durch schmale, helle Steintafeln sichtbar gemacht und gleichzeitig versucht, zwei komplette Rundhäuser zu rekonstruieren. Mit ihren Strohdächern erinnern sie entfernt an die Pallozas der ostgalicischen Bergregionen Ancares und Courel. Ob die Hütten aber wirklich so ausgesehen haben, bleibt reine Spekulation.
Grabsteine und Waffen der Kelten
Das Museum zeigt zudem Eisenwerkzeuge, Grabsteine, Münzen aus der Zeit des Augustus und einen keltischen Schwertknauf aus Gold. Im Museum sind gelegentlich auch Fotos aus der Zeit kurz nach der Entdeckung ausgestellt. Denn nach dem Fund der Waldarbeiter machte sich ein Archäologe namens Ignacio Calvo Sánchez schon 1914 an die Grabungsarbeiten, was er für die Nachwelt auch gleich fotografisch festhalten ließ.
Wallfahrtsort Santa Tegra
Seit dem 15. Jh. steht hier auch eine Einsiedelei zu Ehren der Santa Tegra. Sie ist für die Linderung von Kopfschmerzen zuständig. In der zweiten Augustwoche gibt es deshalb von A Guarda aus eine (schweißtreibende) Wallfahrt über einen Fußweg zu dem kleinen Heiligtum. Bequemer ist der Besuch der Bergspitze aber natürlich ganzjährig über die kostenpflichtige und ausgesprochen kurvige Autostraße.
Museum: Museo Arqueológico de Santa Tecla, Di–So 11–17 Uhr, Eintritt 1 €.
Castro de Baroña
Einer weiterer, besonders schöner Castro liegt südlich von Noia bei Baroña direkt am Meer auf einer Landzunge. Mehr dazu