Plaza Colón - keine Schönheit
Erst 1980 zog die Stadtregierung die Notbremse und stellte die wenigen Gebäude des letzten Jahrhunderts unter Denkmalschutz. Die Plaza de Colón allerdings konnten die Politiker nicht mehr retten. Bereits in den 1970er-Jahren wurde hier geklotzt statt gebaut. Heute steht die Kolumbusstatue verloren auf dem größten Platz Madrids, dem kritische Bewohner aber längst die Bezeichnung „Platz“ abgesprochen haben.
Azca-Viertel
Ihr modernstes Gesicht zeigt die Castellana im Azca-Viertel, das direkt an die Querstraße Raimundo Fernández Villaverde anschließt. Seit Beginn der 1980er-Jahre schießen hier Geschäftstürme in die Höhe. Hinter den glitzernden Fassaden befinden sich die begehrtesten Büroräume der Stadt. Das eigentliche Konzept ging dabei gründlich in die Hose. Die isoliert stehenden Bauten sind auf mehreren Ebenen mit Einkaufspassagen, Restaurants, einer kleinen Parkanlage und Plätzen miteinander verbunden. Hier sollte ein Zentrum entstehen, in dem nicht nur gearbeitet, sondern auch gelebt wird. Tatsächlich verirrt sich heute keiner in die dunklen Unterführungen mit den wenig einladenden rustikalen Bierkellern. Wenn die großen Einkaufszentren und Boutiquen schließen und der Arbeitstag zu Ende geht, stirbt das Viertel aus. Nur die Nachtwächter drehen dann noch ihre Runden.
Seit 1986 hat das Azca-Viertel ein neues Juwel: Der strahlend weiße Picassoturm (Torre de Picasso), der die anderen Hochbauten in den Schatten stellt. Hier sitzen die Top-Firmen und Yuppie-Manager und kämpfen auf dem Markt der freien Kräfte um Gewinn und Profit.
Ein New Yorker hat für das Aufsehen und den Trubel um die Torre de Picasso wahrscheinlich nur ein Lächeln übrig. Für die Madrider aber ist er zum Symbol der neuen Wirtschaftsmacht geworden, dem Aufstieg in die Weltklasse. Mehr zu Spaniens Wirtschaft
Puerta de Europa: die schrägsten Türme Spaniens
Auch die nördliche Plaza de Castilla ist ein Schauplatz futuristischer, kostspieliger Architektur. Zwei den Platz flankierende Türme, die sich schräg zueinander neigen, sollen zusammen mit einem angeschlossenen Gebäude das Tor Europas (Puerta de Europa) bilden. Die beiden Gebäude werden nach dem Kuwait-Investment-Office auch Torres KIO genannt. Wer heute vom Norden mit dem Auto in die Stadt kommt, fährt durch das größte und modernste Tor Madrids. Hier ist ein großer Bus-Bahnhof entstanden, an dem die Passagiere von den Regionalbussen in die städtischen Busse umsteigen. Der Verkehr fließt unterirdisch durch einen großen Tunnel.
Die Giganten: Quatro Torres Business Area
Die höchsten Türme Spaniens entstanden 2009 ganz im Norden der Castellana. Höchster der Giganten ist Norman Fosters Torre Caja Madrid mit 249,5 Meter, doch die drei Nachbarn sind nur unwesentlich niedriger. Schon vom Flughafen Barajas aus sieht man sie und Madrid kommt sich schon leicht wie Chicago vor. Allerdings: dort sind die höchsten Türme fast doppelt so hoch ...
Nightlife am Boulevard
Und schließlich hat die Castellana noch ein anderes Gesicht. Zu nächtlicher Stunde rasen die aufgemotzten, schwarzen BMW und röhrenden Stahlrösser der schönen Menschen (gente guapa) schon mal mit 130 km/h Richtung Zentrum. Wann und wo sonst kann man in Madrid schon Gas geben? In Madrids berühmtem Viertel für das Nachtleben, Huertas, jedenfalls nicht. Mit quietschenden Reifen kommen sie am Ende des Boulevards oder gar erst auf dem Paseo de Recoletos zum Stehen. Dort öffnen im Sommer die terrazas, schicke Freiluftbars. Die Castellana wird vergnüglich, unbeschwert und zieht mit ihrem Charme vor allem junge Leute an. Die repräsentativen Ferraris und Mercedes der Papas parkt man effektvoll am Straßenrand. Die Drinks sind hier teurer als in den Bars von Huertas oder Malasaña, aber das Ambiente ist reizvoll. Die beleuchteten Brunnen, die blinkenden, bunten Lichter der Bars, das Stimmengewirr und die vorbeibrausenden Autos geben eine verrückte Mischung aus einer trügerisch heilen Welt, großstädtischer Pracht und Reichtum auf Pump.