04 February 2012    
 
 
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   OléReisezieleSpaniens StädteMadridDer Rastro von Madrid

Rastro: Flohmarkt mit Flair


Sonntags vormittags gibt es auf dem Rastro einfach alles: Fächer, Pferdegeschirr, Masken, Batterien, Duell-Pistolen ...

 

von Tobias Büscher


Unterwegs sind hier Dekorateure, Touristen, Regisseure und Künstler auf der Suche nach Requisiten genauso wie der Diebe, die erstaunlich gut klauen können und vor der Präsenz der Uniformierten nun so gar nicht erschrecken.
Auf der Ribera de Curtidores, der einstigen Gerberstraße, ist der Rastro  eher international zu. Urwüchsig ist es in den Seitengassen.

 

 

Praktische Tipps für den Rastro:

Wann dasein, worauf achten: Uhrzeiten, Verhaltensweisen, Restaurantipps rund um den Rastro: zum Text

 

 

Früher wurde hier das Vieh geschlachtet

 

Der Rastro liegt wie ein Dreieck zwischen der Calle de Toledo der Ronda de Toledo und der Calle de Embajadores. Er ist uralt, und in den Seitengassen der Ribera de Curtidores ha­ben sich alte Traditionen, Läden und Innenhöfe bis heute gehalten. Auf der Hauptachse handelten einst die Fleischer und Gerber. Vom nahen Schlachtplatz, besagt ein Lexikon von 1611, stammt der Ursprung des Namens Rastro, zog man Hammel- und Och­senleiber auf die breite Straße, um sie an Pfähle zu binden und zu schlachten. Die über das Pflaster geschleppten Tiere hinterließen eine blutige Spur. Und die heißt auf Spa­nisch rastro.


    
Typen und Gesichter des Rastro

 

Wenn hier in der zweiten August­woche das Fest zu Ehren des Schutzpatrons San Cayetano gefeiert wird, kommen diese Typen, Trachten und Tänze der Vergangenheit wieder zum Vorschein, und schon Kinder laufen in Spitzenkostümen und karierten Mützen herum.
    

Gassen der Maler und Tiere

 

Farbenfroh geht es in der Calle San Cayetano zu. „Gasse der Maler“ nennen sie die Anwohner, denn hier stehen kitschige Ölgemälde auf Farbkästen an die Wand gelehnt und man deckt sich mit Pinseln und Farben ein.
In der Parallelstraße Calle Fray Ceferino González übertönt das Piepsen, Zwitschern, Jaulen und Scharren den CD-Player, aus dem die Sevillana-Melodie dröhnt. Welpen und aufgebrachtes Federvieh sind hier zu sehen. Die enge, schattige „Vogelgasse“ ist an den Häuserwänden mit Hunderten von Käfigen behangen. Die Gasse ist eine immense Tierhandlung.

 

Manche Anwohner ergreifen die Flucht

 

So mancher Anwohner ergreift sonn­tags die Flucht. Zu ihnen gehört Paco, der sympathische Besitzer einer Stehkneipe in der Calle Santa Ana. „Sonntags mach ich zu“, meinte er drei Tage zuvor, „Stell Dir vor, an deinem Fenster würde alle sieben Tage eine Mas­sen­demonstration vorbeiziehen“. Nach dreißig Jahren hat Paco die Sonntage auf dem Rastro satt. Er ist heute zum Fußball gefahren.
Sein Freund Manuel Sanchez, Antiquitätenhändler seit einem halben Jahrhundert, ist dageblieben. Auf der Plaza del General Vara del Rey handelt er altes Porzellan und ge­diegene Möbel. Mag er den Platz? „Guck Dir das Chaos hier an“, meint der alte Señor, „1960 konnte man sich noch bewegen“. Alte Fotos geben ihm Recht. 1940: Ein paar Herren mit weißen Hosen, Nickel­bril­len und Schlägermützen. 1960: Noch wird nicht gerempelt und ge­schubst. „Und jetzt auch dieses ganze Plas­tikzeug und der Ramsch“, beschwert sich Manuel Sanchez, der seinen Wohn­ort mit keinem auf der Welt tauschen würde. Auch nicht mit der Calle del Prado, wo der Antiquitä­tenhandel noch mehr blüht als hier. Der „Ramsch“, das sind die vielen Kleidungsstücke auf der Plaza. #

 

Wühltische und Heiligenbildchen

 

Man wühlt manchmal erfolgreich in Mantelhaufen, durcheinander gewürfelten Schuhen, ein Bengel ruft Preise für Damenunterwäsche, dazwischen im­mer wieder Heiligenstatuen, Jesusbilder von der Krippe bis zum Kreuz, Marienbildchen, wie sie Bettler oft neben sich auf die Straße legen. In der Platzmitte stehen braun gebrannte Roma grüppchenweise zum Talk an einem herrlichen Sonntagmittag. Ihre Frauen und Kinder sorgen derweil für die Einnahmen.
An der Ecke Ribera de Curtidores und Calle de San Millán stehen junge Leute vor den Szenebars. Das sind nicht die braven Moncloa-Kids der Teenie-Diskotheken im Moncloa­-Viertel nahe der Universität, sondern ein aufgeschlossenes, junges Publikum, mit dem man schnell auch auf Englisch ins Gespräch kommt.

 

Chulos, Tapas, Szenebars


Einen Steinwurf weiter stehen die Nachkommen der Chulos mit dunklen Sonnenbrillen in dunklen Stehbars, oder davor mit den Händen in den Taschen, um Wichtiges zu be­reden. Die Tapa-Bars und Tavernen lohnen nach dem Herumlaufen, Feil­schen und Auf-seine-Brieftasche-Aufpassen immer einen Besuch. Aus den Bars, die teils noch aus Vorbürgerkriegszeiten stammen, sticht die 200 Jahre alte Taverne Antonio Sanchez in der Calle Mesón de Paredes 13 mit Gemälden und Stierköpfen heraus. Antonio Sánchez berühmter Torero, Maler und einer der Stars auf dem Rastro.

 

Patios aus dem 19. Jahrhundert


Der Rastro. Das sind auch die alten Innenhöfe und Sträßchen der Gegend, die sich seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr verändert haben.
In der Calle Carlos Arniches liegt der Corralón, ein alter Innenhof wie vor hundertfünfzig Jahren. In manchen Gässchen und Höfen ist der Rastro persönlicher als etwa der Trödelmarkt Marché aux puces in Paris.
Die Dachluken des Corralón schauen schief auf gestapelte Tische, streunende Katzen, vergilbte Gemälde, alte Truhen und dem holp­rig-unebenen Boden eines nie re­staurierten Platzes. Zwischen den Balken trocknen Wäschestücke an den langen Leinen. In der Straße streift der Blick über arabische Kunst, Nähmaschinen und Wohn­zimmerlampen. Hier rasseln ab 14.00 Uhr die Rollladen herunter, werden Stangen zusammengeklappt und Einnahmen gezählt.

Wenn zwi­schen 14.00 und 15.00 Uhr die Stände und Läden schließen, geht es in den Bars und Tavernen einfach weiter.

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