09 September 2010    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   OléReportagen

Galicien: Auf Fischfang mit Kapitän Javier

 

Eine Reportage von Tobias Büscher (Text und Bilder)

 

Fisch aus Galicien isst ganz Spanien, auf dem kulinarischen Speiseplan ist er sehr gefragt. Wer einige Stunden mit den Fischern unterwegs ist, erfährt viel über ihr hartes Leben

 

Netze einholen vor Sonnenaufgang

Es ist noch stockdunkel. 6 Uhr morgens auf der "Wendaval". Gefühlte 32 Möwen schreien gegen den Schiffsmotor an. Das Meer ist ruhig. Und Anke bleich. Die Wiesbadenerin hat in O Grove eine Bootsfahrt gemietet, raus aufs Meer, davon hat sie schon immer geträumt.

 

Ab O Grove fahren wir los

 

Vom Fischerdorf O Grove bis vor die galicischen Ons-Insel werden wir fahren und so einmal acht Stunden lang eine ganz typische Arbeitsschicht der marineros miterleben. Und danach eine Seezunge essen, wie sie gerade noch im Netz hing. Zwei Magentabletten hat die junge Journalistin geschluckt, allerdings ist die Sonne noch nicht aufgegangen, sodass sie das Ufer kaum sieht. Ihr wird unwohl, der Blick starr, der Magen dreht sich. Nach 45 Minuten übergibt sie sich. Und sofort geht es ihr besser.

Die Besucher lernen den Alltag der Fischer kennen

Wir sitzen im hinteren Teil des Boots, dort, wo später die Netze aufgerollt werden. Wir, das sind zwei galicische und zwei deutsche Besucher, sowie die Schiffsmannschaft.

 

Der Kapitän und die Crew

 

Kapitän Javier Iglesias hat neben einem Galicier zwei Peruaner in seiner Mannschaft, wie so viele seiner Kollegen auch. Jetzt rauchen sie an Deck und erzählen, das Fischerleben in Peru sei ganz ähnlich, nur die Kälte im Winter auf dem Atlantik finden Victor und Hamilton gewöhnungsbedürftig. In ihrer Heimat fallen die Temperaturen auf See kaum unter 14 Grad. Dafür aber die Löhne, und so lassen sie sich gerne von den Galiciern abwerben. Je nach Fang verdienen sie hier im Monat bis zu 1200 Euro netto.

Kapitän Javier

 

Knochenarbeit auf See

 

Noch haben wir Zeit, uns zu unterhalten, während es langsam heller wird und die Schiffslampen ausgeschaltet werden. Sobald die erste Boje der Vendaval erreicht ist, an der die Netze hängen, ist Schluss mit reden. Am Vortag haben die Männer das Netz ausgeworfen und hoffen, dass sich über Nacht möglichst viele Tiere darin verfangen haben. Dann beginnt die Knochenarbeit: Fisch und Schalentiere aus den Maschen holen und vor allem das Netz aufrollen, das hoffentlich nicht viel Schaden genommen hat.

 

 

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Finisterre: The End Of The Earth
Seebär in Aktion

 

 

Der Fischerverband Pescanatur

 

"Pescanatur" heißt die Organisation lokaler Fischerverbände, die hinter dem Projekt steht, Touristen mit auf die Boote zu lassen. Den Kapitän stört das nicht, im Gegenteil. Er bekommt 75 Prozent von jeder „Eintrittskarte“, und weil die Besucher bei Beginn der eigentlichen Arbeit im vorderen Bootsbereich sind, stehen sie auch nicht im Weg. Im Vorfeld haben wir unsere Schuhgröße angegeben und eine Kopie des Ausweises gefaxt, wegen der Versicherung. Nun tragen wir Gummistiefel, gelbe Gummianzüge und Sicherheitswesten.

 

Ruhiger als an der "Todesküste"

 

Doch Sorgen machen wir uns nicht, denn hier in den südlichen Rías (Fjörden) von Galicien ist der Wind viel harmloser als oben an der „Todesküste“, wo die Fischer weit härtere Bedingungen haben. Die Sonne brennt inzwischen, und das in einer Gegend, wo die Menschen einem spanischen Scherz zufolge schon mit dem Regenschirm zur Welt kommen.

Dicker Fang

Das Netz einzurollen dauert gut 45 Minuten, danach hat der Kapitän wieder Zeit für ein Gespräch. Er zeigt uns die vorgelagerte Ons-Inseln, die unter Naturschutz steht und erzählt, wie wichtig eine gute Ausbeute für ihn ist. Wenn er in acht Stunden Fisch für mindestens 600 Euro zurück zum Hafen bringt, hat sich die Fahrt gelohnt. Denn er muss nicht nur die Mitarbeiter bezahlen, sondern auch die Verkäufer in der Fischhalle und die Bootswartung. Heute sieht es gut aus. Ihm ist ein 5 Kilo schwerer Steinbutt ins Netz gegangen. Das ist nicht nur kulinarisch wunderbar, denn der fast kreisrunde Speisefisch ist sehr wertvoll. Javier bekommt für ihn pro Kilo 30 Euro, 10 Euro mehr als für eine ebenso begehrte Seezunge, er weiß also jetzt schon, die Fahrt rentiert sich.

Auch an Land gibt es Kulinarisches

 

Der harte Job der pescadores

 

Manchmal reißen die Netze und alles ist umsonst. Doch als wir nach acht Stunden wieder an Land gehen, sind drei Netze eingeholt und die weißen Plastikschachteln randvoll mit wertvoller Ware aus dem Atlantik. Auch Anke freut sich, sie hat inzwischen längst wieder Hunger, auch wenn die Erde erst einmal schwankt an Land. Den bärtigen Kapitän und seine Crew fand sie richtig nett und ein paar spanische Vokabeln hat sie auch dazugelernt. „Seezunge“ heißt lenguado, „Steinbutt“ rodaballo und „hervorragend“ estupendo. Genau das rief Javier gegen das Schreien der Möwen an, als ihm sein erster Steinbutt vor die Nase kam.

 

Kontakt und Reservierung

Pescanatur

36980  O Grove

Praza do Congo 2

Tel. 986 733 590

Fax 986 732 828

Email: grove@pescanatur.es

 

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Tipp: Wasserfeste Kamera

Die Canon Power Shot D 10 ist für solche Ausflüge mit Fischern geeignet, weil sie wasserfest und robust ist. Die Bildqualität ist gut und die Bedienbarkeit einfach. Auch mehrere Meter unter Wasser macht sie farblich kaum Abstriche.

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