Der Gute aus Granada

Eduardo arbeitet als Pfleger in einem Hospital in Granada auf einer Intensivstation der Abteilung UCI. In Zeiten von Covid-19 ist sein Beruf gefährlich wie nie. Die Gesellschaft applaudiert. Doch die Bezahlung ist der blanke Hohn.

von Tobias Büscher

Die Arbeit in Spaniens Krankenhäusern läuft derzeit auf Hochtouren. Dennoch hat sich der 33-Jährige Eduardo Hidalgo López zwischen den Schichten Zeit für ein Gespräch genommen. Seinen Kollegen und ihm geht langsam das Schutzmaterial aus. Wobei: Im Vergleich zu manch anderen Intensivstationen geht es der öffentlichen Klinik von Granada noch ganz gut.

Intensivpflege in Zeiten von Covid-19

Eduardo, wo genau arbeitest Du?

Im Krankenhaus San Cecilio in Granada im Süden Spaniens. Dieses Hospital ist erst vor wenigen Jahren gegründet worden, weil die Nachfrage steigt. Die Anwohnerzahlen in Granada und den umliegenden Orten sind vor Covid-19 stark gestiegen.

Seit wann bist Du Krankenpfleger?

Seit zwölf Jahren. Gearbeitet habe ich in Krankenhäusern verschiedener Regionen Spaniens. 2011, mitten in der Wirtschaftskrise durch den Immobiliencrash, musste ich nach Benidorm umziehen, wo ich erstmals auf einer Intensivstation gearbeitet habe. In einer Privatklinik.

Hättest Du diesen Beruf ergriffen, wenn Du geahnt hättest, was aktuell los ist?

Eines ist klar. In den Intensivstationen der UCIs (Unidad de Cuidados Intensivos) haben wir es sehr häufig mit hochansteckenden Krankheiten zu tun. Auch sonst. Wir müssen verhindern, dass wir andere Patienten oder uns gegenseitig anstecken. Den Job habe ich aber ganz bewusst so gewollt, um den Mitmenschen zu helfen, die es wirklich brauchen. Es stimmt schon, dass ich manchmal an meiner Berufswahl zweifel, aber die positiven Aspekte überwiegen. Auch jetzt durch das Coronavirus. Es ist doch wichtig, dass ich genau den Menschen helfen kann, die so sehr leiden.

Du hast eine Freundin. Wie geht es euch beiden?

Wir leben in einem kleinen Dorf in der Nähe von Granada. In einer 80 Quadratmeter-Wohnung mit großen Fenstern, Terrasse und Blick auf einen Platz mit Olivenbäumen. Am meisten Angst habe ich, meine Freundin anzustecken, vor allem mit Corona. Sie arbeitet unter normalen Bedingungen in einem Elektroladen in einem großen Kaufhaus ganz in der Nähe vom meinem Krankenhaus.

Wie hat Covid-19 dein Berufsleben verändert?

Durch die Pandemie hat das Krankenhaus hier sein Personal aufgestockt, die Anzahl der Krankenschwestern und vor allem der Pflegehelfer hat sich verdoppelt. Das ist sicher nicht überall so in Spanien. Daher arbeiten wir zum Glück zumindest hier in Granada derzeit noch ohne wirklich nennenswerte Überstunden.

Was fehlt auf euren Intensivstationen am meisten?

Wir eröffnen neue Standorte, um neue Patienten aufzunehmen. Daher hat die Nachfrage nach Epi-Material (persönliche Schutzausrüstung) bei diesen Diensten stark zugenommen und wird im Moment noch abgedeckt.

Ihr seid also gut ausgerüstet?

Atemschutzgeräte sind rar, aber noch haben wir welche. Auch weiteres Material ist knapp geworden. Allmählich geht uns beispielsweise Schutz der Füße aus. Wenn das so weiter geht, müssen wir sie aus Müllsäcken oder anderem Material selbst herstellen.

Die Lage ist bei euch weniger schlimm als in Madrid, richtig?

Absolut. In Madrid brauchen viel mehr Menschen Hilfe wegen der Ansteckungen. Da sind die Zustände wahrlich viel schlimmer.

Ein Stationsarzt verdient gerade mal 2500 Euro im Monat. Und Du?

Der Durchschnittslohn eines andalusischen Krankenpflegers im öffentlichen Dienst liegt zwischen 1600 und 2000 Euro, je nach Spezialisierung und Berufsjahren.

Wie entspannst Du Dich?

Zuhause räumen wir auf, spielen Puzzle, hören Musik, kochen und telefonieren mit Freunden und der Familie.

Was ist das schönste, was Dir in den letzten zwei Wochen passiert ist?

Zeit mit meiner Freundin verbringen zu können. Und zu sehen, wir die Kollegen mutig mit dieser schwierigen Lage umgehen. Auch freuen wir uns über jeden aufmunternden Applaus. Beispielsweise bei geöffnetem Fenster zu einer bestimmten Uhrzeit.

Hast Du einen Lieblingsverein?

Real Madrid. Wen sonst? Ich bin auch selbst sportlich, fahre Fahrrad, jogge und klettere.

Warst Du schon mal in Deutschland?

Dieses Jahr wollte ich erstmals nach Berlin oder München. Doch das geht nun erst mal leider nicht. Freunde, die in Deutschland waren, haben mir sehr positiv von ihren Reisen erzählt. Das hol ich noch nach.

Abschließend: Wird Dein Beruf in Zukunft anders wahrgenommen?

Ich hoffe, dass die grundlegende Bedeutung unserer Arbeit für die Gesellschaft immer deutlicher wird. Und welches Risiko wir Krankenpfleger auf den Intensivstationen dabei eingehen.

Eduardo, vielen Dank für das Gespräch.

Foto oben: Eduardo Hidalgo López mit seiner Freundin Jara Morgaz Arnedo



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