Baskisch, aber klar, doch auch im Madrider Kongress?

19.01.2011

Kein Baskisch im Madrider Kongress



Spaniens Regionalparteien fordern Simultanübersetzungen bei Debatten im Spanischen Kongress. PP und PSOE haben den Antrag soeben abgewiesen.


von Tobias Büscher

Regionalparteien aus Galicien, dem Baskenland und Katalonien sowie Valencia haben Simultanübersetzungen bei Kongressdebatten gefordert. Ihr Argument: Galicisch, Katalanisch und Baskisch würden benachteiligt. An diesem Mittwoch haben die beiden großen Parteien PSOE (Sozialisten, an der Regierung) und PP (Konservative, in der Opposition) den Antrag nun abgelehnt, was prompt zu heftigen Protesten führte. Die Forderung nach mehrsprachigen Debatten im Madrider Kongress ist beachtlich in einem Land, in dessen Verfassung in Artikel 3 steht: "Kastilisch ist die offizielle spanische Amtssprache. Alle Spanier haben die Pflicht, sie zu kennen, und das Recht, sie zu benutzen".

12000 Euro pro Sitzung mit Dolmetschern?


Solche Simultanübersetzungen würden 12 000 Euro kosten. Pro Sitzung. Zwar sind alle Abgeordnete in der Lage, Spanisch zu sprechen, müssen aber in den Heimatregionen punkten. Und dazu scheint die Sprachendebatte bestens geeignet. Die Kongresssprecherin der PP, Soraya Sáenz de Santamaría, meint dagegen trocken: "Es gibt bessere Arten, Geld auszugeben".


Sprachpolitik macht Schule

 

In der Vergangenheit sind vor allem die Katalanen mit beachtlichen Feldzügen gegen das Kastilische aufgefallen. Kneipen in Barcelona müssen katalanische Namen haben, Beamte auch aus anderen Regionen Katalanisch sprechen und wehe, ein Kino zeigt Filme nur en castellano. Strafe droht. Doch auch baskische und galicische Politiker sind mit linguistischem Antizentralismus in ihrer Laufbahn schon weit gekommen. Eine der jetzigen Antragsteller für Simultanübersetzungen im Madrider Kongress ist der BNG (Galicischer Nationalistischer Block). Eben diese Partei hatte auch schon den Einfall, CDs mit galicischen Liedern in Säuglingsstationen ihrer Region zu verteilen. Prompt passierte das auch. Die Kleinen können schließlich gar nicht früh genug hören, wie es richtig klingt. Verfassung hin oder her ...

 

 

Logo Werbepartner