Ein torero und ein Stier in der Stierkampfarena
Für die einen Nationalgut, für andere Tierquälerei: der Stierkampf © tb

7.11.2013

Stierkampf in Spanien ist nun schützenswertes Kulturgut

Die konservative spanische Regierung hat heute die Stierkampf-Tradition zum „Nationalen Kulturgut“ des Landes per Senatsbeschluss erhoben. Somit steht das umstrittene Ritual unter besonderem Schutz. Kritiker befürchten einen internationalen Image-Schaden für Spanien.


von Marcos Fernández Vacas

Selbst dem deutschen Spiegel war es heute eine Nachricht wert. Mit 144 Ja-Stimmen, 26 Gegenstimmen und 54 Enthaltungen hat der von Konservativen beherrschte spanische Senat das Gesetz zum besonderen kulturellen Status des Stierkampfes durchgeboxt. Zum ersten Mal in der Geschichte Spaniens reguliert ein Gesetz die corrida.

Der Staat gewährt Schutz, Regionen haben ein Verbot

Die im spanischen Volksmund genannte Fiesta, die Hemingway weltberühmt machte, ist nun erstmalig legal anerkannt. So steht die Stierkampf-Tradition in ihrer 400-jährigen Geschichte erstmalig unter der besonderen Obhut des spanischen Staates, der sich nun auch um den Ausbau und die Pflege dieser Tradition mittels Subventionen zu kümmern hat. Doch wie soll das nun gehen, da zum Beispiel in den Autonomen Regionen Katalonien und den Kanarischen Inseln seit einiger Zeit ein Stierkampf-Verbot gilt?

Stierkampf zwischen Kunst und Kommerz

Entsprechend kontrovers sind heute die Positionen im spanischen Senat aufeinandergetroffen. Sebastián Ruiz von der konservativen PP verteidigte den Stierkampf als „herausragende nationale und populäre Kunst, die als Fundament der Entwicklung für die spanische Gesellschaft“ enorme Bedeutung auch für die Wirtschaft habe. Im Namen der sozialistischen PSOE plädierte Jesús Martín dafür, das Gesetz nicht zu besprechen. In schwierigen Zeiten habe der Staat wichtigeres zu tun, als einen künstlichen Spalt in die Gesellschaft zu treiben. Darum enthielten sich die Sozialisten der Stimme unter dem Motto leben und leben lassen.

Linke IU warnt vor internationalem Image-Schaden

Lediglich die Vertreter der Vereinigten Linke IU vertraten starke Anti-Stierkampf-Positionen. Für José Enrique Iglesias ist der Stierkampf eine „tadelnswerte Gegebenheit, die ihren Höhepunkt während der Franco-Epoche hatte“. Auf eindringliche Weise warnt er vor dem Image-Schaden, den Spanien davonträgt. Ganz besonders dann, wenn der konservativen Regierung auch noch die internationale Provokation einfallen sollte, dem Stierkampf zum Status eines Immateriellen Kulturgutes der Menschheit bei der Unesco zu verhelfen. Es sei absurd, verachtenswertes menschliches Handeln wie Tierquälerei unter besonderem Schutz zu stellen. Wie es in dieser Frage in Spanien weitergeht, steht in den Sternen.

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