König Juan Carlos I.

9.07.2012

Spaniens Blaublüter bezahlen Schwarzarbeit

 

Das spanische Königshaus kommt nicht zur Ruhe. Die Herzöge von Palma, Iñaki Urdangarin und die Infantin Cristina de Borbón, sollen Hausangestellte nicht korrekt entlohnt haben. Beide sind seit dem Skandal um den Korruptionsfall „Nóos“ von allen offiziellen Aktivitäten der Königsfamilie ausgeschlossen.


von Marcos Fernández Vacas


Das in die Schusslinie der Staatsanwälte und des öffentlichen Medienrummels geratene Adelspaar sieht sich nun Vorwürfen im privaten Umfeld ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Herzöge Sozialversicherungsbetrug begangen haben, indem sie eine Hausangestellte schwarz arbeiten ließen. Die Aussagen der in Spanien eingebürgerten Ecuatorianerin geben pikante Einblicke in das Geschäftsgebaren und Privatleben des Hochadels.

Die Tricks des Herzogs

 

Nach Angaben des Online-Portals elcorreo.com brauchen Iñaki Urdangarin und seine Frau Cristina de Borbón, Tochter des spanischen Königs Juan Carlos I, wohl keine Anklage zu befürchten. Doch die vorliegenden Beweise geben die Rechtsauffassung der beiden wieder. Die Haushälterin Elsa Sánchez, die schon im Umfeld der Untersuchungen zum „Fall Nóos“ befragt wurde, bestätigte nochmals ihre eigenen Angaben bei der Staatsanwaltschaft Barcelonas. 2004 führte sie ein Bewerbungsgespräch, bei dem das adelige Ehepaar zugegen war. Ihr wurde eine Arbeit im Hause der Herzöge angeboten, doch sollte sie ohne einen gültigen Arbeitsvertrag tätig werden. Einige Zeit hat sie dann tatsächlich schwarz gearbeitet. Doch bevor sie eingebürgert werden sollte, bat sie um ein legales Arbeitsverhältnis. Daraufhin meldete Urdangarin sie bei der Sozialversicherung an, jedoch nicht als Haushälterin, sondern als Telefonistin im Immobilienunternehmen Aizoon mit Sitz im Palast von Pedralbes. Nach Aussagen von Sánchez hat sie diese Tätigkeit nie ausgeübt und sie hat auch nie Anzeichen dafür gefunden, dass solch ein Unternehmen existierte. Denn weder gab es Angestellte, noch Büros, noch Arbeitsmaterial.

Weitere Betrügereien


Ein rumänisches Ehepaar gab zwar an, als Angestellte dieser Firma tatsächlich administrative Tätigkeiten im Wohnsitz der Herzöge ausgeübt zu haben. Doch wird ihnen seitens der Staatsanwaltschaft kein Glauben geschenkt. Es wurde mittlerweile E-Mail-Verkehr zwischen der persönlichen Assistentin Urdangarins, Julita Cuquerella, und dem Buchhalter von Nóos, Marcos Tejeiro, gesichtet. Daraus geht hervor, dass das rumänische Ehepaar bewusst zu einem falschen Zeitpunkt bei der Sozialversicherung angemeldet wurde und somit ebenfalls schwarz gearbeitet hat. Der Herzog von Palma steht seit 2006 unter Korruptionsverdacht. Er soll als Vorsitzender der Stiftung Nóos Gelder durch Ausstellung fiktiver Rechnungen veruntreut haben. Es geht dabei um öffentliche Aufträge. Der ehemalige Handballprofi Urdangarin ist das erste Mitglied der königlichen Familie, das jemals angeklagt wurde. Das Herzogspaar lebt nun mit seinen Kindern seit einigen Jahren in Washington, D.C.

 

Foto oben: Tobias Büscher