11.06.2012

Schwerer Auftakt Spaniens bei EM

Spaniens Medien reagieren gelassen auf den mäßigen Start der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft. Die Leistung Italiens wird anerkannt, Trainer und Spieler wiederum kritisieren den Rasen.


von Marcos Fernández Vacas


Mit einem gerechten 1:1 haben sich Spanien und Italien am gestrigen Abend in Danzig getrennt. Das bisher taktisch interessanteste Spiel der EM fand auf hohem Niveau statt. Der Squadra Azzurra gelang in der 60. Minute der Führungstreffer, doch vier Minuten später konnte Cesc Fàbregas für die Furia Roja ausgleichen.


Offensivspiel ohne echten Stürmer

Die Tageszeitung El País vergleicht den Start bei dieser EM zwar mit der unglücklichen Auftaktniederlage gegen die Schweiz bei der WM in Südafrika vor zwei Jahren. Aber gleichzeitig hebt sie das bessere spielerische Niveau des starken Gegners hervor. Das Spielsystem der Italiener ließ Iniesta & Co. wenig Raum zur Entfaltung. Zudem konnten die Spanier sich bei ihrem Torhüter Casillas bedanken, der vier hochkarätige Chancen der Italiener zunichtemachte. Auch die Sportjournalisten von El Mundo sehen sowohl Schwächen als auch Stärken im Spiel ihrer Nationalmannschaft. Verbesserungswürdig ist das Flügelspiel in der Offensive, wo Arbeloa und Alba nicht zu überzeugen wussten. Gelobt wird die taktische Entscheidung von Trainer Vicente del Bosque, ohne eine „echte“ 9 zu spielen, sondern mit Fàbregas einen offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler auflaufen zu lassen.

Die Taktik und der Rasen

 

Einzig das konservative Blatt ABC kritisiert ein wenig die Entscheidung des Trainers. Da der gesetzte Stürmerstar David Villa wegen einer langwierigen Verletzung nicht eingesetzt werden kann, muss nicht die Taktik geändert werden, sondern ein entsprechender Ersatz her. Und Fernando Torres hat nach seiner Einwechselung in der 73. Minute die geforderten Qualitäten gezeigt, nur blieb ihm das Tor verwehrt. Auch die Sportzeitung Marca hebt die Gefährlichkeit des Chelsea-Spielers hervor. Trainer del Bosques Resümee fällt zufriedenstellend aus: Sicherlich hätte es ihm „gefallen, Italien zu besiegen“, doch war es insgesamt ein „gutes Spiel“, in dem beide Teams sich auf hohem Niveau „bekämpften“. So wie er kritisierten auch Spieler wie Xavi Hernández den Zustand des Spielfeldes „Der Rasen hat uns sehr beeinträchtigt. Es hat uns mehr beeinträchtigt als alles andere“. Unter diesen Bedingungen das Defensivbollwerk der Iren am 14. Juni zu knacken, wird eine echte Herausforderung für den Titelverteidiger.