Ein Bettler vor einer Konditorei
Ladendiebe stehen in Spanien auf hochwertige Produkte. Hier ein Bettler vor einer berühmten Konditorei am Hauptplatz Sol in Madrid © tb

13.11.2013

Spanien hat die aktivsten Ladendiebe Europas

Laut dem englischen Analyseinstitut Euromonitor liegt Spanien in Europa an erster Stelle beim Anstieg der Ladendiebstähle, gemeinsam mit Frankreich und Holland. Die Kriminellen konzentrieren sich auf Qualitätsprodukte.

von Marcos Fernández Vacas

Im Jahr 2012 erzielte der spanische Einzelhandel einen Umsatz von 186 Milliarden Euro. Statistisch gesehen sind die 1,4 % Verlust durch Diebstahl zwar gering, aber finanziell bedeutet dies ein Minus von über 2,6 Milliarden Euro. Geld, das der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft in Spanien dringend brauchen.

Schuld ist nicht die Wirtschaftskrise, sondern organisierte Kriminalität

Die meisten gestohlenen Produkte sind Lebensmittel, Getränke und Hygieneartikel. Erstaunlicherweise haben es die Diebe bei Lebensmittel nicht auf Produkte des täglichen Bedarfs abgesehen, wie es die Situation der Menschen in Spanien während der Wirtschaftskrise suggeriert. Vielmehr sind Produkte von hoher Qualität das Hauptziel der Schurken, so Mariano Tudela von der Sicherheitsfirma Checkpoint Systems bei der Präsentation der Studie. Denn diese lassen sich später besser zu Geld machen, was auf einen erheblichen Anstieg der organisierten Kriminalität in diesem Bereich hindeutet. Gerade in der Vorweihnachtszeit verschwinden die Paprikawurst chorizo ibérico und der süße turrón häufiger aus den Regalen. Aber auch teurer Käse oder Trüffel stehen hoch im Kurs.

Zu wenig Geld für die Sicherheit

In Spanien fällt die Hälfte des Verlustes auf den Diebstahl durch externe Personen, die nicht zum Geschäft gehören. Die Angestellten der Läden sind für 27 % und die Zulieferer für 5 % verantwortlich. Immer noch imposante 18 % führen die Spezialisten auf Verwaltungsfehler zurück. Auch zeigen die Daten der Studien eine gleich hohe Anzahl der Diebstähle in den Jahren zwischen 2008 und 2010, während derer die Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen gestiegen sind. Ansonsten ist ein deutlicher Anstieg seit dem Jahr 2000 zu verzeichnen. Letztes Jahr investierte der spanische Einzelhandel lediglich 0,1 % des Umsatzes in die Prävention gegen Kriminalität. Selten erwischt die Polizei die Bosse der Banden. Aber erst im Sommer machte sie in Ibiza-Stadt drei junge Spanier bei einem spektakulären Raub in einem Apple-Store dingfest.

Weltweit klauen Ganoven eher Jeans und Computerspiele

Insgesamt nahmen 157 Unternehmen aus 16 Ländern an der Studie teil. Das entspricht einer Anzahl von 160.000 Läden. Weltweit stieg die Kriminalitätsrate im Einzelhandel auf 5 % an. An der Spitze stehen Brasilien und Mexiko mit 1,6 %, gefolgt von den USA mit 1,5 %. Deutschland liegt zusammen mit Australien und Hongkong auf dem vorletzten Platz mit 1,1%. Interessanterweise stehlen die Diebe anders als in Spanien neben den Lebensmitteln mehr Elektronik- und Modeartikel. Hoch im Kurs der Ganoven stehen Jeans, Schuhe und Unterwäsche sowie Computerspiele, GPS und Zubehörteile für Handys.

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