Málaga in Andalusien
Stadtbild von Málaga

14.06.2012

Wohnen in Spanien wird billiger

Die Banken- und Finanzkrise in Spanien hat nun auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Nach Angaben des Spanischen Statistikamtes INE ist der Preis für den Wohnraum um 12,6% gesunken. Dennoch bleibt die Wohnungssituation angespannt.


von Marcos Fernández Vacas

Das Platzen der Immobilienblase war, neben der internationalen Finanzkrise, Auslöser und Grund für die spanische Wirtschaftskrise. Zurzeit beansprucht die Misere der Banken und die hohe Arbeitslosigkeit die Aufmerksamkeit der Politik. Aber auch die Wohnungssituation ist ein ungelöstes Problem geblieben.

Die Immobilienpreise fallen


Der Preis für Wohnraum fällt im Vergleich zum Vorjahr um 12,6% im ersten Trimester, so das Spanische Statistikamt. Es ist dies der größte Preisverfall seit 2007. In diesem Jahr wurde überhaupt zum ersten Mal eine solche Studie vom spanischen Staat eingeführt. Die Preise  für Altbauten fielen um 13,3%, neuer Wohnraum kostet 11,8% weniger. Das Sinken der Preise im Immobilienbereich ist seit dem Jahr 2008 statistisch feststellbar. Hiervon sind dieses Jahr alle Autonomen Regionen gleichermaßen betroffen, was im vorhergehenden Jahr bereits der Fall war. Vor allem in Ballungsgebieten wie Madrid, Barcelona, Bilbao oder Regionen des Massentourismus halten sich die hohen Preise jedoch. Im Baskenland und Navarra lässt sich der höchste Preisverlust feststellen. Auch der Verkauf von Wohneigentum ist zurück gegangen. Statistisch gesehen sind es 9,9%. Insgesamt wurden im letzten Jahr lediglich etwas über 20.000 Kauf-Verkauf-Aktionen getätigt. Ein geringer Wert gegenüber den Zeiten des Immobilienbooms, wo jährlich über 80.000 Häuser oder Wohnungen den Besitzer wechselten.

Kein Geld für die Miete

Nach dem Platzen der Immobilienblase bleibt dennoch der Wohnraum für viele Spanier noch zu teuer. Viele Jahre hindurch stieg der Wert des Wohneigentums viel schneller als das durchschnittliche Einkommen. Dennoch zogen insbesondere viele junge Familien es vor, sich hoch zu verschulden und hofften auf eine Besserung der Wirtschaft und der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Nun sehen sich viele dazu gezwungen, ihr Eigentum zu schlechten Bedingungen zu verkaufen und in kleine Mietwohnungen zu ziehen. Oder sogar zu ihren Eltern zurückzukehren, da insbesondere viele Singles die Lebenskosten nicht mehr tragen können. 30% der 25 bis 30-Jährigen gehen aus Angst vor dem sozialen Abstieg den Schritt in die Selbstständigkeit erst gar nicht, so Spaniens Ministerium für Bauen und Verkehr. Wobei Frauen statistisch gesehen diesen Schritt eher tätigen als Männer. Aber die neuen statistischen Ergebnisse kündigen eine Trendwende an.

 

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