Corme in Galicien
Corme in Galicien © tb

16.10.2012

Prozessbeginn um Ölkatastrophe in Galicien

Im galicischen A Coruña hat der Prozess um den Frachter Prestige begonnen, der vor über zehn Jahren - am 19. November 2001 - zerbrach und die schlimmste Umweltkatastrophe Spaniens einleitete.

 

von Marcos Fernández Vacas

 

Die mündliche Verhandlung beginnt am 13. November. Angeklagt sind vier Personen, denen vier bis zwölf Jahre Haft drohen. Der Untergang des Schiffes an der Costa da Morte in Galicien und die dadurch verursachte Verschmutzung der Region hat 2002 nicht nur Spanien betroffen.

 

Kapitän Apostolos Mangouras als Hauptangeklagter

 

Der Hauptangeklagten ist El País zufolge der Kapitän des Frachters Apostolos Mangouras. Er ist als einziger bereits während der Öl-Katastrophe verhaftet worden. Daneben sitzt der Chefmaschinist Argyropoulos Nikolaos auf der Anklagebank. Der beschuldigte 1. Offizier Ireneo Maloto hält sich an einem unbekannten Ort auf. Ebenfalls angeklagt ist der ehemals hohe spanische Beamte José Luis López-Sors. Der damalige Generaldirektor von Marina Mercante hatte angeordnet, den gebrochenen Frachter seewärts zu bringen. Dies hat die katastrophale Ausdehnung des marea negra genannten Ölteppichs verursacht.

 

Mehrjährige Gefängnisstrafen drohen

 

Dem Kapitän und den beiden Schiffsmitgliedern werden Straftaten gegenüber den ökologischen Ressourcen, Schädigung der Umwelt und Gehorsamsverweigerung vorgeworfen. López-Sors ist der Fahrlässigkeit angeklagt. Seine Anweisungen hatten dazu geführt, dass der Frachter sechs Tage lang auf einen falschen Kurs umherirrte, somit das Öl auslaufen und sich von Galicien bis zu den Küsten Frankreichs ausdehnen konnte. Allein gegen den Kapitän verlangt die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe von zwölf Jahren. Die übrigen 55 Sammelklagen von Geschädigten verlangen Gefängnisstrafen zwischen vier und neun Jahren.

 

2 bis 4 Milliarden Schaden

 

Außerdem sind angeklagt: die Versicherung The London Steam-Ship Owners Mutual Insurance Association Limited, der Internatioale Entschädigungsfonds, die Reederei The London Steam-Ship Owners Mutual Insurance Association Limited und der spanische Staat. 133 Zeugen werden aussagen und 98 Gutachter ihre Bewertung abgeben. Die Schadenssumme ist auf über 2 Milliarden Euro angesetzt, obwohl eine Expertin der Universität von Santiago de Compostela den ökologischen und wirtschaftlichen Schaden auf fast 4 Milliarden Euro beziffert. Der Xunta de Galicia kostet die Vorbereitung und Durchführung des Prozesses beinahe 1,5 Millionen Euro. Das Urteil wird für den Sommer 2013 erwartet.

 

Das Unglück im November 2002

 

Am 13. November 2002 hatte ein starker Sturm die galicische Küste heimgesucht. Der griechische Frachter Prestige segelte unter der Flagge Bahamas circa 30 Meilen vor dem Kap von Finisterre mit über 70.000 Tonnen Öl an Bord. Seit 1999 hatte niemand Wartungarbeiten am Schiff vorgenommen. Der Sturm hatte den Rumpf des Schiffes erfasst und einen Riss in einem der Öltanker verursacht. Auf staatlicher Anordnung hin irrte das Schiff auf dem Meer Richtung Cabo Verde herum. Sechs Tage später brach das Schiff auseinander. Einen weiteren Tag später erreichte die marea negra die Küste. Über 60.000 Tonnen Öl verschmutzten Meer und Küste.

 

Solidarität und Neubeginn

 

Die Katastrophe hatte auch ihre sozialen Konsequenzen. Hunderte von Freiwilligen kamen aus allen Regionen Spaniens, um den Galiciern bei der Säuberung der Küsten zu helfen. Es entstand die Protestbewegung Nunca Máis, die sich in vielen Demonstrationen manifestierte. Die Küstenbewohner standen vor dem Ruin, da die Fischerei insbesondere der Percebes-Muscheln nicht mehr möglich war. Die Zentralregierung in Madrid hat mit Entschädigungszahlungen dafür gesorgt, dass die betroffenen Regionen heute über schöne Häfen und Strände verfügen. So kommen die Touristen mittlerweile wieder zahlreich. Und die EU hat wegen der Ölkatastrophe ein Gesetz erlassen, wodurch Schiffe der Bauart der Prestige und solche mit mehr als 23 Jahren kein Schweröl mehr von oder in die Häfen der EU transportieren dürfen.