18.03.2014

Umfrage in Katalonien über eigenen Staat

Am 9. November 2014 will Kataloniens Regierung die Bewohner über die Unabhängigkeit der ostspanischen Region abstimmen lassen. Der Akt widerspricht der spanischen Verfassung, kommt bei den Katalanen aber sehr gut an.

Seit Jahren fordert Katalonien mehr Eigenständigkeit, hält sich für den Zahlmeister der spanischen Wirtschaftskrise und hätte am liebsten Grenzkontrollen an den Außenrändern der Region. Nun hat die Regierung von Artur Mas den 9. November für eine Umfrage auserkoren. Sie besteht aus genau zwei Fragen:

Wollen Sie, dass Katalonien ein eigener Staat ist? Ja oder Nein

Und möchten Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat ist? Ja oder Nein

Ein Referendum fordert der Regionalchef Mas schon, seit er die Wahl gewonnen hat. Doch aus Madrid kommt postwendend die Antwort des spanischen Regierungschefs Rajoy: Der Akt verstößt gegen Landesrecht und findet deshalb nicht statt.

David hat Goliath doch auch besiegt

Postwendend zitiert Kataloniens Chef die Bibel und meint: David hat Goliath auch besiegt. Die Katalanen wollen mehrheitlich die Unabhängigkeit, obwohl diese auch im europäischen Zusammenhang fragwürdig ist. Wie soll die EU denn im Fall eines eigenen Kataloniens mit dem neuen "Staat" umgehen? 

Fußballnationalmannschaft und bloß kein Stierkampf

Katalonien hat sich bereits kulturell abgespalten, wo es nur ging. Während Madrid die Corrida als Kulturgut der Nation deklarierte, haben die Katalanen den Stierkampf ganz abgeschafft. Und wenn im Vorfeld zur WM die Landeskicker üben, läuft gerne auch mal eine "katalanische Nationalmannschaft" auf.

Selbst wenn am 9. November bei der Abstimmung ein eindeutiges, prokatalanisches Ergebnis herauskommt, wird Madrid dies eher als Folklore abtun. Denn wie meinte ein Politiker der PSOE kürzlich gegenüber der Zeitung El País: Es gibt doch längst einen Staat mit katalanisch agierenden Regenten: Andorra.
(tb)

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