Real verliert im eigenen Stadion

 

Madrid. Hexenkessel Bernabéu. Ein Meer aus weißen Plastikfahnen, ein deutscher Schiri, ein Zauberer namens Messi und eine Stimmung am Abgrund. Real Madrid hat im eigenen Stadion gegen Erzrivalen FC Barcelona verloren.

von Tobias Büscher (Text & Bilder)

Wenn Madrids Bernabéu-Gläubige in Fahrt kommen, zittert die Kathedrale. "Increible" schreit ein bulliger alter Mann hinter mir, der noch das Shirt von Raúl trägt. Sein Sohn, kaum 25, brüllt mit und mit ihm alle anderen: Puta Barca, Puta Barca, Puta Barca. Giftige Blicke nach links oben zu denen dort. Die einen seperaten Treppenaufgang genommen haben. Mit Gittern und Polizeischutz: die aus Barcelona. Auch Katalonien kreischt. Doch Madrid brüllt alles nieder.

Zerstören, provozieren

Auf dem Platz ein einfaches Bild. Real zieht sich zurück, Stürmer wie Adebayor sind auf der Bank, die anderen rund um Özil haben offensichtlich die Order bekommen, das Spiel in der Abwehr über die Zeit zu retten.  Real mauert. Barca hat in der ersten Halbzeit einen Ballbesitz von bis zu 80 Prozent. Dann Minute 61. Rudelbildung. Pepe von Real hat Dani Alves umgesäbelt und der bleibt liegen. Schiri Stark zeigt Pepe ROT, dessen Trainer Mourinho brüllt Tiraden aus Schmerz und Wut. Die Fans sowieso. Er muss zur Strafe auf die Tribüne. Und sieht von dort aus, wie seine Mannschaft dem Abgrund zusteuert.

Kettenhunde und Gladiatoren

"Hammerspiel". Der Klassiker beim Champions-League-Hinspiel im Bernabéu-Stadion. Die Stimmung im Vorfeld war so aufgeheizt, dass selbst einfache Karten auf dem Schwarzmarkt über 1000 Euro kosteten. Ein Riesenglück, wer da rein durfte. 71 657 Zuschauer. Ein bunter Mix aus betuchten Damen aus dem Stadtviertel Salamanca und Kellnern aus Chueca. Hassblicke immer wieder nach oben links, sobald Barcas kleinster Gladiator namens Messi auch nur in Strafraumnähe kommt. Puta Barca, Puta Barca, Puta Barca. Der Barca-Block versucht sich Gehör zu verschaffen, der Kessel reagiert und donnert lustvoll seine schlimmste Beleidigung: ein kollektives "Que Viva España".

Matchwinner Messi

Und dann kommt Messi in Fahrt. Der kleine Mann lungert zunächst scheinbar unscheinbar auf dem Platz rum. Er hat die Gabe, aus dem Nichts plötzlich aufzudrehen. Die millionenschweren Stars von Real stehen wie versteinert um ihn herum, während er tanzt, taktiert, abzieht. Zwei Tore schießt der Argentinier. Das Publikum wird leiser. Die ersten gehen. Barca feiert, Barca bleibt noch. Dann leert sich die Kathedrale. Es ist still in der Stadt. In der Nacht nach der Schmach. 0:2. Götterdämmerung.

PS: Das Rückspiel in Barcelona am 3. Mai 2011 war ein 1:1. Barcelona stand damit im Finale der Champions-League.

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