Barcelona im Abendlicht mit Kolumbus-Statue
In Barcelona weist Kolumbus den Weg. Die eigentliche Macht hat Artur Mas ©tb

25.11.2012

Nationalisten gewinnen Wahl in Katalonien

Barcelona. Artur Mas und seine Partei Konvergenz und Union (CiU) haben bei der gestrigen Wahl in Katalonien am besten abgeschnitten. Sie erhalten aber nur 50 von 135 Sitzen und verlieren damit die absolute Mehrheit. Für das Projekt Unabhängigkeit Kataloniens ist Mas jetzt auf die Hilfe kleinerer Parteien angewiesen.



von Tobias Büscher


Der 25. November 2012 könnte als Meilenstein in die Geschichte Kataloniens eingehen. Die nationalistisch eingestelle Partei Konvergenz und Union (CiU) hat nach Angaben der Rundfunkanstalt RTVE wieder die meisten Stimmen erhalten und will die Unabhängigkeit von Spanien. Regierungschef Artur Mas plant bereits eine Volksabstimmung über einen katalanischen Staat mit Hauptstadt Barcelona.

 

Splitterparteien mit Einfluss

 

Mit Hilfe kleinerer linker und separatistischer Parteien wie die ICV (Initiative für ein ökologisches Katalonien, 13 Sitze) und die erstaunlich erfolgreichen ERC (Linksrepublikanische Partei Kataloniens, 21 Sitze) wird die CiU wahrscheinlich an der Macht bleiben. Keine Hilfe bekommt sie sicherlich von der erst 2006 gegründeten Partei Ciutadans (Bürger, 9 Sitze), die von den Ego-Tendenzen in der Region gar nichts hält und im Wahlkampf von Joaquín Sabina unterstützt worden ist, einem Sänger aus Madrid.

 

Sozialisten und Konservative enttäuscht

 

Die Wahlbeteiligung war die höchste seit 1988, wobei weder Solzialisten noch Konservative davon profitiert haben. Die Partei der Sozialisten Kataloniens (PSC, 20 Sitze) hatte sich vor der Wahl für einen Föderalstaat mit allen Kompetenzen bis auf Außenpolitik, Verteidigung und Steuern ausgesprochen. Die konservative Volkspartei (PP, 19 Sitze) wiederum warb für eine Beibehaltung des derzeitigen Systems. Beides kam offenbar weniger gut an als die separatistischen Sprüche der katalanischen Hardliner.

 

 

Raus aus Spanien heißt raus aus der EU

 

Die Wahl ist eigentlich eine reine Regionalwahl, allerdings hat der Ruf nach Unabhängigkeit von Spanien alles überschattet. Offenbar will Artur Mas nicht wahrhaben, dass ein solcher Schritt gegen die Spanische Verfassung verstößt und die EU ein eigenständiges Catalunya nicht akzeptiert.

 

Autonomiestatus seit 1977

 

Katalonien hat sich immer wieder eigene Rechte von den Steuereinnahmen bis zur Pädagogik gesichert und besitzt ähnlich wie das Baskenland und Galicien seit 1977 einen besonderen Autonomiestatus. Doch der Ruf nach einem eigenen Staat ist nicht verhallt. Vielmehr fühlen sich die Katalanen längst als Nettozahler im Schuldenland.

 

Stierkampf verboten, Spanische Kneipen auch ...

 

Erstaunliche Blüten waren in den letzten Jahren nicht etwa die ständigen Reibereien mit Madrid. Vielmehr durfte eine "Katalanische Nationalmannschaft" schon gegen richtige Länder antreten. Dann bekamen alle Stierkämpfer der Region Berufsverbot. Wenn eine Kneipe einen spanischen statt katalanischen Namen hatte, sorgten Finanzbehörden für das baldige Aus. Und 2007 hofierte die Buchmesse Frankfurt Katalonien gar wie einen Staat. Spanischsprachige Autoren aus der Region waren nicht erwünscht. Man spricht Català. Artur Mas hat es ja im Vorfeld der Wahl schon erklärt: Echte Katalanen sprechen kein Spanisch, weil sie keine Spanier sind. Die übrigens wissen sich zu wehren: Vor allem viele Andalusier haben die Egoismen aus Nordost satt: Sie stoßen an Sylvester nicht mehr wie traditionell üblich mit Cava an, sondern mit Sherry.

 

 

 

 

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