Die Metzger von Narón

In die Schlagzeilen ist die Kleinstadt Narón nahe A Coruña vor einem Jahr gekommen, als ein Arzt den 40 000 Einwohnern kollektives Fasten verordnete. Sie waren ihm einfach viel zu fett. Im Schnitt hat jeder bis heute schon 1 Kilo abgenommen und wir wollten wissen: Wie geht der lokale Metzger damit um? 

von Tobias Büscher

Fleischermeister Carlos drohte Anfang 2018 ein finanzielles Fiasko. Nicht etwa, weil die riesigen Supermarktketten dem Einzelhandel zusetzen und dort ähnlich wie in Deutschland immer mehr Läden schließen. Ein Arzt machte ihm Sorgen: Dr. Carlos Piñeira vom örtlichen Gesundheitszentrum Centro Salud de Narón. Mit Hilfe der Bürgermeisterin und der Medien lancierte er eine Kampagne, der zufolge seine Patienten in kurzer Zeit 100.000 Kilo verlieren sollten. Resultat: Immerhin 41.300 Kilo bringen seine Schwergewichte heute schon weniger auf die Waage, einschließlich der Kinder. Und das heißt: Weniger Churrasco von der Fleischertheke, dafür umso mehr Salat und Joggen unter freiem Himmel. Selbst Der Spiegel aus Hamburg hat darüber berichtet.

Lust auf Fleisch im Paradies der Meeresfrüchte

Als ich den Arzt im August diesen Jahres treffen wollte, lag er gerade krank im Bett. Dafür gab mir die sehr schlanke Krankenschwester Elena Quintela Varela aus dem Centro de Salud ein paar Auskünfte. Sie komme nicht von hier und habe dennoch gleich mitbekommen, wie dick die Menschen hier sind. Der Arzt habe sogar versucht den Patienten zu erklären, warum sie die Schuhe nicht zu kriegen.

Nun essen Galicier traditionell gerne Fleisch, auch an der Küste. Churrasco, Lomo, Jamón Serrano und so fleischlastige Gerichte wie Cocido inklusive Schweineohren sind durchaus gefragt. Narón allerdings geht nicht mehr so oft zu Metzger Carlos. Dabei macht der sich überhaupt keine Sorgen.

Carlos Wurst: Leider lecker

Fleischer Carlos gehört die Metzgerei La Despensa de las Delicias im Zentrum von Narón (siehe Bild), den ich nach der Krankenschwester ebenfalls gesprochen habe: Klar, die Einnahmen sind zurückgegangen, meint der Mann. Doch die Leute kommen immer noch gerne, denn sie wissen bei ihm, wo das Fleisch herkommt. Und als ich ihn fotografiere, erklärt er: „Ich wiege 120 Kilo. Na und? Fleisch ist das halbe Leben.“ Nach dem Fotoshooting schenkt er mir entsprechend vier handgemachte Schweinewürste. Mit ordentlich Knoblauch drinnen.

Haben wir gerade in der Redaktion ausprobiert und stellen fest: leider lecker.

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