Friseure in Spanien vor dem Aus

Die Lage der spanischen Friseure in Zeiten von Corona ist dramatisch. Erst kürzlich sind sie im ganzen Land wieder auf die Straße gegangen. Hauptforderung: Eine geringere Mehrwertsteuer für ihre Dienste. Derzeit liegt sie bei 21 Prozent. Die Peluqueros (Friseure) fordern 10 Prozent. Zum Vergleich: Bei uns in Deutschland wird den Friseuren voraussichtlich bald sogar 7 Prozent zugestanden.

von Tobias Büscher

Dazu muss man bezüglich der spanischen Wirtschaft wissen: Die Mehrwertsteuer liegt in Spanien generell bei 21 %. 10 % gilt beispielsweise für allgemeine Lebensmittel und Medikamente, 4 % für lebenswichtige Nahrungsmittel wie Milch und Eier, aber auch für Bücher und Brillen. 

Spaniens Friseure wollen mit dieser Forderung Insolvenzen abwenden. Die Preise für den Haarschnitt sind ohnehin sehr niedrig. Ein Herrenschnitt in Madrid kostet nur rund 15 Euro, also ein Viertel weniger als bei uns. Doch Gehör findet ihre Bitte kaum.

Fast 50 Prozent weniger Angestellte

Im vergangenen Jahr hatte die Branche es wie bei uns besonders schwer. Rund 46 Prozent aller Friseurstellen gingen verloren.

Und in ganz Spanien stehen 25.000 Friseurläden kurz vor der Insolvenz. Vor allem eine Lobby fehlt den Friseuren, die sich aber immerhin über Verbände austauschen wie dem Friseurverbund Alianza de Empresarios de Peluqueria de España.

Kult-Friseur Xavi García

Wer es in Zeiten harter Ausgangssperren noch schaffen kann, ist offen. Ähnlich wie bei selbstständigen Restaurants, Discos, Kinos, Kneipen, Sportstudios und Reisebüros. 

Das gilt natürlich nicht für die Kultfriseure im Land. Der berühmteste dürfte derzeit Xavi García sein. Der Mann lernte zunächst im Cut Salon in Madrid und eröffnete dann den ausgesprochen schicken Salon 44.

Einer seiner treuesten Gäste ist die Schauspielerin Elena Anaya („Die Haut in der ich wohne“ von Pedro Almodóvar). Und die sorgt mit ihren Frisuren vor allem beim Filmfestival in San Sebastián regelmäßig für Schlagzeilen. In den Zeitschriften, die normalerweise im Friseursalon ausliegen.