Adiós Pablo

Pablo Iglesias schmeißt hin. Der Führer der spanischen Linken ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Grund ist seine Niederlage bei den Wahlen der Region Madrid.

Von Tobias Büscher

Es ist der dramatischste Karriereknick eines spanischen Politikers seit Jahrzehnten. Der Chef der spanischen Partei Podemos („Wir können“) hat in Madrid seinen Rücktritt bekanntgegeben. Der Professor und Politologe Pablo Iglesias (*1976) war noch im Frühjahr Vizechef der spanischen Minderheitsregierung und damit auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Weil der Kampf um die Wahl der Region Madrid aber so wichtig für die Machtverhältnisse im Land war, trat er aus der Regierung zurück. Und führte rund um Spaniens Hauptstadt einen aussichtslosen Kampf gegen die konservative Volkspartei PP.

Die hat gestern einen beeindruckenden Wahlsieg hingelegt. Unter Isabel Ayuso (42) gewann die Partei deutlich und kann nun noch komfortabler weiterregieren. Die Sozialisten der PSOE, Partner von Podemos, verloren 13 Sitze und sind damit nicht mehr stärkste Partei.

„Freiheit statt Kommunismus“

Ayuso schimpfte im Wahlkampf besonders über die strenge Coronapolitik des sozialistischen Regierungschefs Pedro Sánchez. Slogan: „Freiheit statt Kommunismus“.

In der Hauptstadtregion ließ sie Bars und Restaurants geöffnet und machte die Regierung in Madrid gleichzeitig für die hohen Infektionszahlen verantwortlich. Viele Kommentatoren sahen darin den Populismus eines Donald Trump.

Aufstieg und Fall eines Stars

Iglesias, Sohn eines Widerstandkämpfers gegen Franco, hatte Podemos 2014 gegründet. Die Partei entwickelte sich aus den Studentendemos gegen Korruption und wurde schnell eine der vier wichtigsten politischen Kräfte im Land.

Pablo, der Mann mit dem Pferdeschwanz und ein erklärter Antimonarchist, war bis gestern ein Star auf der politischen Bühne. Jetzt steht sein Land vor einem Rechtsruck.

Die Politikerin Ayuso arbeitet eng mit der rechtsnationalen Partei VOX zusammen und könnte schon bald Chefin der PP werden. Und Regierungschefin ganz Spaniens.

Die Frau an Pablos Seite

Dabei sollte sie allerdings mit dem Know-how von Pablo Iglesias Frau rechnen. Irene Montero (*1988) bleibt anders als ihr Mann dem spanischen Parlament erhalten. Das gab es auch nicht so oft bisher in der großen Politik: ein Ehepaar in der Regierung.

Während er Vize-Regierungschef war, führt seine Frau das Ministerium für Gleichstellung weiter an. Die beiden haben drei Kinder.

Und die dürften die einzigen in den linken Haushalten Spaniens sein, die sich über Pablos Rücktritt freuen.