Metro in Barcelona
Viele wollen raus aus Barcelona, tb

Wirtschaftsbosse sagen Katalonien Adiós

Spaniens nordöstliche Region verunsichert die lokale Wirtschaft. Katalanische Sekthersteller, Autobauer und Technikfirmen planen bereits den Abzug, sollte Katalonien unabhängig werden. Eine Großbank zieht jetzt schon nach Alicante um, ein kleines katalanisches Tapetenunternehmen nach Madrid. Und das findet besonders deutliche Worte.

von Tobias Büscher

Die Bank Banco Sabadell mit 26.000 Mitarbeitern zieht wegen der unsicheren politischen Lage in Katalonien von Barcelona nach Alicante. Und die Bank CaixaBank will nach Palma de Mallorca umziehen. Grund: Die Banken wollen nicht vom europäischen Finanzsystem ausgeklammert werden, was im Fall einer Unabhängigkeit Kataloniens unausweichlich wäre.

Auch der Biotechnologiehersteller Oryzon Genomics wird seinen Sitz nach Madrid verlegen, wie Der Spiegel berichtet. Zudem planen auch der Energiekonzern Gas Natural Fenosa und der Sekthersteller Freixenet einen Weggang aus Katalonien, sollte es zu einer rechtlich bedenklichen Unabhängigkeit der Region kommen. Ähnliches hat die VW-Tochter Seat vor, die nahe Barcelona eine wichtige Produktionsstelle hat.

Komplett den Verstand verloren

Und selbst kleinere Unternehmen wollen raus aus Katalonien. Der Tapetenproduzent Coordonné beispielsweise hat bereits einen Brief an seine Partner im Ausland verschickt und seinen Umzug von Barcelona nach Madrid angekündigt. In dem uns vorliegenden Schreiben heißt es wörtlich:

Wir sind ein katalanisches Familienunternehmen, aber eng mit Spanien verbunden. Wir sind in den Händen von Nationalisten, welche die Verfassung Spaniens missachten und komplett den Verstand verloren haben. Deshalb werden wir nun ganz nach Madrid ziehen, denn dort können wir unsere Geschäftsbeziehungen in Ruhe ausüben.

Der 11. September der Katalanen

Die Katalanen hatten Anfang Oktober ein sogenanntes Referendum zur Unabhängigkeit der Region durchgeführt. Die Beteiligung lag bei unter 50 Prozent, die Zustimmung bei angeblich 90 Prozent. Der verfassungswidrige Akt führte zu einer hohen Polizeipräsenz und über 900 Verletzten. Regierungschef Puigdemont will in Barcelona in den nächsten Tagen die Unabhängigkeit verkünden. Dass es tatsächlich dazu kommt, ist aber unwahrscheinlich. Dagegen sind die wirtschaftlichen Folgen jetzt schon spürbar.

Die Spannungen zwischen Katalanen und der Zentralregierung sind Jahrhunderte alt. Sie basieren im Kern auf der Kapitulation Barcelonas am 11. September 1714. Seit dem Sieg der königlichen Truppen untersteht die Region dem spanischen Zentralstaat. Die Katalanen feiern diese militärische Niederlage jedes Jahr als „Nationalfeiertag“ namens Diada Nacional de Catalunya.


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