Wolfsgeheul in Spanien

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Geschichte der spanischen Demokratie ist ein Streit um den Wolf ausgebrochen. Sogar innerhalb der Madrider Regierung.

Von Tobias Büscher

Was war passiert? Die staatliche Kommission für Naturerbe und biologische Vielfalt (Comisión Estatal para el Patrimonio Natural y la Biodiversidad) hat zu Jahresbeginn mit knapper Mehrheit entschieden: Der Wolf (lobo ibérico) in Spanien steht nun unter besonderem Schutz. Das bedeutet: Abschießen verboten. Doch nun regt sich Widerstand. Innerhalb der Regierung des linken Chefs Pedro Sánchez hat Landwirtschaftsminister Luis Planas zum Unmut einiger Kollegen deutliche Worte gefunden: Er sei Minister für die Schäfer, nicht für die Wölfe.

Schäfer und Politiker packt die blanke Wut

Aufgebracht sind auch die nordspanischen Regionen, wo die Wölfe besonders häufig vorkommen. Die Kritik an der neuen Verordnung eint die sonst so zerstrittenen und gegensätzlichen Parteien dort. Sie wollen wieder das Recht haben, Wölfe zu jagen, die vor allem die Merino-Schafe angreifen. Der gemäßigte Regionalchef Kantabriens sieht das genau so wie die konservativen Kollegen in Nordkastilien und Galicien (PP) und auch die Linksregierung in Asturien (PSOE). Sie alle denken schon über rechtliche Schritte nach.

Schutz schon länger in den Natur- und Nationalparks

Bereits seit einiger Zeit ist der Wolf in den Natur- und Nationalparks geschützt. Also auch dort, wo die Produktion von Schafskäse ein wichtiger Wirtschaftszweig ist. Dort entstehen international anerkannte Quesos der Sorten San Simón aus Galicien, Manchego aus Kastilien und Roncal aus Navarra.

Wie viele Wölfe leben noch in Spanien?

Mitte des 19. Jahrhunderts sollen es knapp 9000 Wölfe gewesen sein. Heute gehen die Schätzungen von nur noch knapp über 2000 aus. 

Dabei ist das Hauptargument der nördlichen Regionalpolitiker kaum von der Hand zu weisen. Die Population mag gering sein, doch sie steigt durch den kompletten Schutz stark an. Und irgendwann reißen die Tiere wieder so viele Schafe im Land, dass die Jäger notgedrungen zur Flinte greifen. Ob legal oder nicht.

Biss in die Kehle

In der Bergwelt der Picos de Europa beispielsweise leben wenig Menschen. Wer Viehzucht betreibt, bekommt wie anderswo auch eine Entschädigung für die gerissenen Tiere. Doch das dauert oft Monate. Die Schafzucht wird also immer unattraktiver.

Das hat Folgen für den Blauschimmelkäse Cabrales. Der besteht längst aus viel mehr Kuh- als Schafsmilch. Denn ein totes Schaf gibt keine Milch. Und übrigens: Ein  Wolf frisst das Tier höchst selten. Er lässt es liegen. Der Wolf beißt dem Schaf aus einem einzigen Grund die Kehle durch: aus Jagdinstinkt.