Almudena Kathedrale, davor die Figur von Johannes Paul
Franco? Zu uns? Díos mío. Figur von Johannes Paul II vor der Almudena-Kathedrale in Madrid, tb

10.10.2018

Spaniens Dilemma mit dem Grab Francos

Die sozialistische Regierung will die Gebeine des Diktators bis Ende des Jahres aus der Fels-Gedenkstätte Valle de los Caídos abtransportieren lassen. Mögliche neue Grabstätte ist die Almudena-Kathedrale in der spanischen Hauptstadt. Aber soll Franco wirklich nach Madrid? Es gibt eine viel bessere Lösung.

von Tobias Büscher

Als Carmen Franco, Tochter des langjährigen Diktators, im Jahr 1987 für 150.000 Euro ein Familiengrab in der Krypta der Almudena-Kathedrale kaufte, ahnte sie noch nicht, was für Folgen das haben würde. Darin liegt sie inzwischen selbst, neben ihrem Gemahl Cristobál Martínez-Bordiú, umgeben von reichen Madrilenen und Künstlern wie dem Erbauer der Kathedrale selbst. Und es ist noch Platz in der Franco-Gruft: für vier weitere Körper. Einer davon, da sind sich die Nachfahren und auch die Kirchenoberen in Madrid einig, soll Diktator Franco sein.

Die bisherige Gedenkstätte des Generalíssimo

Gegner Francos und liberale Politiker hatten schon nach dem Tod des Diktators (1975) protestiert, weil er ausgerechnet in der monumentalen Felskirche 55 km nordwestlich von Madrid beerdigt wurde. Dort, wo an jedem 20. November die ewig Gestrigen auflaufen. Bislang.

Der Generalíssimo hatte die Gedenkstätte von Zwangsarbeitern in einen Fels hauen lassen, die massenhaft durch den Baustaub starben. Und schon deshalb war der Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) umstritten, der aus Sicht des Diktators ein Mahnmal für alle Opfer des spanischen Bürgerkriegs sein sollte.

Spaniens Parlament hat deshalb mehrheitlich entschieden, die Gebeine zu verlegen. Doch wohin mit ihm? Sollte der Diktator seine allerletzte Ruhe tatsächlich in Madrid bekommen, wäre das ein sehr zentraler Ort für seine Anhänger: in unmittelbarer Nähe zum Königspalast.

Warum nicht nach Águeda del Caudillo?

Auch wenn ein Journalist von El País kürzlich spottete, die Kathedrale in Madrid sei hässlich genug für die Gebeine Francos, so ist der Ärger doch sehr groß. Soll er etwa genau dort hin, wo das heutige Königspaar heiratete? In eine Kathedrale, deren Namensgeberin Schutzheilige der Stadt ist? Vaya. Dabei gibt es durchaus eine Lösung: Águeda del Caudillo.

Das Kaff liegt 6 km von Ciudad Rodrigo entfernt, nahe der portugiesischen Grenze. Der Bürgermeister des 60-Einwohner-Nestes hat tatsächlich vorgeschlagen, Franco im dortigen Friedhof zu bestatten. Der Grund: Águeda sei eines von 300 Dörfern, die Franco in seiner Regierungszeit gründen ließ. Um den Ackerbau zu forcieren.

Die Idee des Ortsvorstehers ging als Schnapsidee durch die Medien, dabei ist sie gar nicht so schlecht. Denn das Tal der Gefallenen nahe dem Escorial hat einen großen Vorplatz für die Anhänger. Die Kathedrale in Madrid hat das auch.

Águeda del Caudillo dagegen liegt 300 km von Madrid entfernt. Und ist eines der Dörfer, die wohl demnächst aussterben. Spätestens dann hätten wir Journalisten eine neue Schlagzeile: Generalíssimo im Geisterdorf.


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