Wohnungen in Spanien
In Spanien, wie auch hier in Gijón, wird die Wohnsituation schwieriger © tb

Spanien hat inzwischen Millionen leer stehende Wohnungen, vor allem in Barcelona und Madrid. Die Menschen können die Hypotheken nicht mehr zahlen und der Unmut nimmt zu.

von Marcos Fernández Vacas

Zwar ist der Immobilienpreis seit Ausbruch der spanischen Wirtschaftskrise 2008 laut Schätzungsverband TINSA um unglaubliche 42,4% gefallen. Doch durch die prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt gibt es keine liquiden Käufer.

Millionen Wohnungen sind leer

Laut Eigentümergesellschaft Alquiler Seguro stehen in Barcelona 283 155 Wohnungen leer, in Madrid 263 279 und in Valencia 214 022. Damit sind das rund 10 Prozent der Haushalte in diesen Städten. In zwölf Provinzen Spaniens wiederum stehen mehr als 1,4 Millionen Wohnungen leer, darunter Álava, Alicante, Guipúzcoa, Málaga, Navarra, Sevilla, Valladolid, Vizcaya y Zaragoza.

Das Einkommen reicht für die Hypothek nicht

Trotz all dieser Zahlen entstehen in Spanien weiterhin Neubauten. In diesem Jahr sind 500 000 neue Wohnungen hinzugekommen, die keinen Käufer fanden. Nur um die durchschnittlich 15% aller bewohnten Heimstätte in den großen Ballungsgebieten sind überhaupt vermietet. In Spanien kauft man sich eher Eigentum, sobald das Arbeitsleben beginnt. Nur hat sich vor Jahren gezeigt, dass Wohn- und Hauseigentümer das entsprechende Einkommen nicht hatten. Was den Banken egal war, denn sie vergaben großzügig ihre Kredite.

Weinende Greisin aus Wohnung gejagt

So kam es zu massenhaften Fällen von Zwangsräumungen, da die Eigentümer die Hypotheken nicht mehr zahlen konnten. Erst vor wenigen Wochen erregte der Fall der 85-jährigen Carmen Martínez Ayuso die spanische Gesellschaft. Sie lebte seit 50 Jahren in ihrer Bleibe in Madrid, hatte aber zusätzlich zur Hypothek noch die Bürgschaft für einen fünfstelligen privaten Kredit ihres Sohnes aufgenommen. Dieser konnte seine Schuld nicht bezahlen, so machte der Gläubiger sein Recht geltend. Unter Protesten vieler Anwohner und Demonstranten zwang die Polizei die weinende Greisin aus der Wohnung im Stadteil Vallecas.

Tausende Eigenheime gehen an die Banken

Schon tags darauf bekam sie von verschiedenen Seiten Unterstützung. Laut dem Online-Dienst Mundo Deportivo sucht der Fußballclub Rayo Vallecano für sie eine neue Bleibe, die lokalen Politiker das Gespräch mit den Banken. Dabei ist Ayuso kein absonderlicher Einzelfall. Seit 2008 haben abertausende Spanier ihre Wohnungen verloren, weil sie inmitten der schlimmen Wirtschaftskrise ihre Hypotheken an die Banken nicht zahlen konnten. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres haben die Geldhäuser 26 500 Eigenheime an sich gerissen.

Für regierende Politiker sind friedliche Demonstranten wie Nazis

Die Maßnahmen der konservativen Regierung Rajoy machen die Menschen wütend. Statt die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftreformen in Angriff zu nehmen, verfolgen sie strafrechtlich die Proteste von Sozialaktivisten und Demonstranten. Im Jahr 2013 gingen regierende Politiker der Partei PP sogar dazu über, die friedlichen Manifestanten öffentlich als Terroristen und Nazis zu beschimpfen. Ganz besonders hervorgetan hat sich dabei die Generalsekretärin María Dolores de Cospedal. Vor zwei Tagen hat die Regierung ein Gesetz durchs Parlament gejagt, dass den Protest über eine Zwangsräumung mit bis zu 600 000 Euro straft. Allerdings nur, wenn sie Politiker vor dem Parlament oder öffentlichen Behörden stören. Mal sehen, ob sie auch noch die Versammlungsfreiheit aus der Verfassung nehmen.

 

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