In Spanien sterben die Kinos aus

Spaniens Feuilleton-Redakteure von El País bis La Vanguardia thematisieren gerade den Niedergang der Lichtspielhäuser. Dabei geht es doch viel mehr um den spanischen Film selbst. Und den sieht ohnehin kaum noch jemand im Kino.

Von Tobias Büscher

Wegen der Pandemie bleiben die Kinos in Spanien mindestens bis Ende Januar 2021 zu. Der wichtigste Kinobetreiber ist die Compañía de Iniciativas y Espectáculos (Cinesa) mit seinen 39 Multiplex-Kinos rechnet entsprechend mit Einbußen wie noch nie. Cinesa, 1944 gegründet, betreibt allein 13 dieser Mega-Anlagen in der von Corona stark betroffenen Hauptstadt Madrid.

Auch für das berühmte, 1912 eingeweihte Cine Doré in Madrid, Sitz der Filmoteca Española, sieht es nicht gut aus. Private Kinoanbieter haben es noch schwerer und größtenteils längst ihre Säle geschlossen. Für immer. Nicht wegen Corona, sondern wegen der Online-Giganten wie Netflix, Amazon Prime und Co, auf denen auch die spanischen Filme erfolgreich laufen. 

Der Charme der roten Plüschsessel

Der Charme der alten Säle mit den Ticketschaltern aus Holz ist fast überall schon Geschichte. Doch das bringt den Film selbst nicht um. Denn die Regisseure, nicht nur in Spanien, sehen mit Mut in die Zukunft. Dani de la Torre beispielsweise, der seinen Film Live is Life 2020 fertiggestellt hat, bietet ihn voraussichtlich im Herbst direkt bei Netflix an.

So ein Kultfilm über eine Gruppe Jugendlicher auf ihren Mopeds ist kaum etwas für die riesigen Kinokomplexe, die hauptsächlich auf Aktion und Animation aus Amerika setzen. Als ich Dani kürzlich via E-Mail gefragt  habe, wann ich den Film denn sehen kann, sagte er: „ich melde mich bei Dir, sobald er auf netflix sichtbar ist.“ 

Nicht das Kino, der Film zählt

Das Kinosterben in Spanien beschäftigt gerade allerdings das Feuilleton von El Mundo und El País, als käme der Weltuntergang. Sie brauchen, schreiben sie, viel mehr Subeventionen. 

Da schreiben Journalisten, die noch die handgemalten Plakate von „Vom Winde verweht“ an den Fassaden der Kinos auf der Gran Vía gesehen haben, sich über das Geblinke der Leuchtreklame ärgern und Autokinos etwa so mögen wie das einstige Getwitter von Trump.

Mein eigenes Lieblingskino in Madrid war Ende der 1980er Jahre das Cine Bogart mitten im Zentrum in der Straße Madrazo. Das ehemalige Theater Teatro Aniche aus dem Jahr 1906 war purer Charme. Diese Bühne, diese roten Plüschsessel. Selbst rauchen durfte man darin damals noch. Ducados.

Hilfe brauchen die Regisseure

Doch klassisches Theater in Kleinformat wollte irgendwann keiner mehr. 2015 mutierte das einstige Bogart-Kino zu einer grellen, lauten Kabarett-Bühne, und dann schließlich zu einem Raum für Privatevents der Superreichen. 

Kinos sterben aus. Na und? Es ist so, als würde man alten Pferdekutschen hinterherweinen. Hauptsache die Regisseure in Spanien können bald wieder normal arbeiten. Denn was sie bringen, ist in ganz Europa beliebt. Egal wo man es sieht.

Fazit. Der Film ist Bewegtbild, das Kino nur ein Raum. Deshalb sind die Subventionen bei den Filmproduzenten viel besser aufgehoben.

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