Adiós Franco-Symbole

Spanien hat mitten in der Wirtschaftskrise ein neues Gesetz der demokratischen Erinnerung auf den Weg gebracht, knapp  50 Jahre nach Francos Tod. Mit der Glorifizierung der Diktatur soll nun endgültig Schluss sein.  

Von Tobias Büscher

Die spanische Regierung hat das bislang gültige Gesetz von 2007 noch einmal deutlich verschärft. Vor allem symbolhafte Namen verschwinden, darunter der Straßenname Blaue Division (División Azul) der berühmten Militärtruppe Francos und der Begriff „Tal der Gefallenen“ für das monumentale Felskloster westlich von Madrid.

Dazu muss man wissen: Drei Jahre nach Francos Tod war Spanien 1978 bereits eine parlamentarische Monarchie, doch die Gesellschaft blieb noch Jahrzehnte gespalten. Der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939 ) und die Zeit der Diktatur hatten eine tiefe Kluft gerissen zwischen Nationalkonservativen und Linksliberalen, bis weit in die 1990er Jahre hinein. Und nur so ist auch verständlich, warum das Thema in den spanischen Medien gerade so präsent ist, trotz Wirtschaftskrise, Krieg und Corona.

Hartnäckige Symbole

Ein paar Fakten dazu: 1981 stürmten francotreue Militärs das Parlament in Madrid und ballerten vergeblich ein paar Kugeln in die Decke. Das Trauma ging als „23. F“ in die Geschichtsbücher ein, weil es am 23. Februar geschah.

2002 erst verschwand die riesige Franco-Statue aus dem Zentrum seiner Geburtsstadt Ferrol. Und erst 2019 wurde der Leichnam des Diktators vom Tal der Gefallenen auf einen bedeutungslosen Friedhof in Madrid überführt. Zum Graus von Juan Chicharro (*1950), dem Chef der umstrittenen Franco Stiftung, dem auch bei diesem neuen „spalterischen“ Gesetz (Ley 20/2022) die wenigen Haare zu Berge stehen, die er noch hat. Dem Deutschlandfunk erklärte der Ex-General: „Ich bin stolz darauf, ein Frankist zu sein.“ 

Das Kreuz mit dem höchsten Kreuz der Welt

Die FNFF nutzt den Aufmarschplatz vor dem Felskloster gerne für Demos, am liebsten am Todestag von Francisco Franco, dem 20. November. Und will das auch weiterhin tun. Auch wenn das Tal der Gefallenen (Valle de los Caídos) inzwischen wieder seinen ursprünglichen Namen hat: „Tal der Wandhalterung“, Valle de Cuelgamuros.

Übrigens ist das Felskloster auf der kastilischen Hochebene schon von weitem sichtbar. Das dortige Kreuz ist 152,4 Meter hoch, 60 Meter höher als die Freiheitsstatue in New York. Es ist das höchste Kreuz der Welt, mit der wohl furchtbarsten Symbolkraft. Und darf stehen bleiben, weil es offiziell ein Kirchensymbol ist.