Pio Baroja auf einem spanischen Gemälde
Mancher Mietvertag in Madrid ist so alt wie diese Bar, tb

27.12.2014

Spaniens Händler: Aus wegen Ende alter Mietverträge

Mit dem Mietvertrag Renta Antigua haben Kleinhändler in Spanien bislang stabil niedrige Kosten gehabt, selbst wenn sie in bester Lage in spanischen Großstädten residierten. 2015 ist nun Schluss damit. Und viele Traditionsläden werden wohl verschwinden.

von Tobias Büscher

Die Gesetzeslage in Spanien ist europaweit einzigartig. Hat ein Möbelhändler, Florist oder Kneipier sein Geschäft vor 1985 erstmals angemietet, steigt die Miete von Jahr zu Jahr um keinen Cent. Dieses Abkommen aus dem Jahr 1994 läuft nun nach 20 Jahren aus. Die Renta Antigua, wörtlich Alte Miete, ist ab 2015 Geschichte. Und damit drohen vielen Einzelhändlern vor allem in Städten wie Barcelona, Madrid und Valencia das Aus.

1985 bis 2014: Spaniens Wirtschafts-Rallye

Der Hintergrund: Seit dem 12. Juni 1985, 10 Jahre nach Francos Tod, ist Spanien Mitglied der Europäischen Union. Und die Geschäfte in den Innenstädten florierten. 1994 kam dann die Renta Antigua. Ihr offensichtliches Ziel: Spanische Kleinhändler sollten auch in bester Geschäftslage noch eine Chance haben gegen die großen internationalen Ketten. Und damit das Typische der Städte erhalten. Der positive Effekt beispielsweise in Madrid: Wo die Innenstädte Europas vor Filialen von Tchibo und Starbucks nur so wimmeln, haben sich in Spaniens Hauptstadt Blumenhändler, Kneipiers und Spielzeugläden gehalten. Und das in allerbester Lage im Schatten der Gran Vía und der Puerta del Sol. Doch dann kam die Krise, die Immobilienkrise, der wirtschaftliche Niedergang. Und die Regierung in Madrid sieht die Renta Antigua als Einnahme-Hemmnis. Vorschläge der Opposition, das Gesetz noch weitere fünf Jahre zu verlängern, stießen bei Premier Rajoy auf taube Ohren. Er ist gerade im Weihnachtsurlaub in Galicien und feiert mit seiner Frau Elvira Fernández 18-jähriges Ehe-Bestehen.

El Mundo schreibt: Verdammt zum Schließen

Spaniens Zeitung El Mundo hat jetzt mehrere Ladenbesitzer in Madrid befragt. Ergebnis: Wer bislang für seinen Kinderladen nur 3000 Euro Miete zahlen musste, rechnet ab nächstem Jahr mit dem Zehnfachen. Auf seinem Onlineportal sind mehrere Shops sichtbar, die bislang von der niedrigen Miete profitiert haben. Darunter auch die berühmte Jazzbar Café Central in Huertas, der Plüschtier-Shop, wo schon Demi Moore eingekauft hat und ein Blumenladen.

Pikant allerdings sind auch die Kommentare unter dem Artikel selbst. Violetalamin schreibt am 27. Dezember um 16.23 Uhr: Die vom Spielzeugladen haben alle außer Promis mies behandelt. Und trotz der niedrigen Miete teure Produkte gehabt. Und Talvisota merkt eine Minute später an: Große Nachricht. Endlich ist Schluss mit den legalen Besetzern. Nun müssen sie geschäftsfähig sein wie die Läden drumherum ...

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