28.10.2017

Katalonien: Der Wahnsinn des Puigdemont

Der Katalonien-Konflikt ist gerade ein ganz großes Thema. Auch den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy haben viele kritisiert, darunter die Süddeutsche. Dabei ist der wirkliche Wahnsinnige ein ehemaliger Journalist eines Lokalblatts namens El Punt aus Girona, der auf der Stimmungswelle seine eigene Karriere voran brachte und die Geister nicht mehr los kriegt, die er rief: Carles Puigdemont.

Von Tobias Büscher

Spaniens Bürger sind nervös. Spaniens Börse erlebt Schwankungen sondergleichen. Die Chefs von Banken und Firmen sorgen sich um den innerbetrieblichen Frieden. Sogar Familien sind zerstritten. Vor allem in Katalonien selbst, wo sich Befürworter des Separatismus und Spaniens abends bei Tapas und Cava gegenseitig anbrüllen. Wie konnte es dazu kommen?

Der nett dreinschauende Beau Puigdemont mit dem markanten Mittelscheitel und den dunklen Haaren fast über der Brille ist ein Phänomen. Ein gefährliches Phänomen. Er ist Vordenker einer nationalromantischen Linken und holt sich als Partner Neoliberale vom Schlage einer Margret Thatcher. Mit denen er nur die Wut auf Madrid teilt. Er schafft es, Spanien so an den Rand des Wahnsinns zu treiben, wie es die baskische Terrorbande ETA in Jahrzehnten nicht hinbekam. Und er stellt sich jetzt noch als Revolutionär dar, obwohl er lange offenkundig aus machtpolitischen Gründen zögerte, die Republik auszurufen. Nach einem vollkommen illegalen Referendum wohlgemerkt.

Das Märchen vom Madrider Machtapparat

Puigdemont erzählt das Märchen vom brutalen Machtapparat Madrid, der seit 1714 die Katalanen niederringt. Er greift die spanische Verfassung an, obwohl sie eine der modernsten Europas ist. Und gesteht nie ein, wie viele Rechte er bislang hatte, inklusive einer eigenen Polizei. Man stelle sich das mal in Bayern vor.
Puigdemont hat katalanische Philologie studiert und war einst Provinzpolitiker einer Kleinstadt. Und er ist politisch durchgestartet, als die Wirtschaftskrise im ganzen Land ausbrach. Seine markigen Worte, unterfüttert von nationalromantischen Tönen, brachten ihn schließlich auf einen Kurs, von dem er selbst nicht mehr abweichen konnte. Ist halt schon dumm, wenn man für die eigene Karriere auf Stimmenfang geht. Und dann in den Knast, was sehr wahrscheinlich ist.

Fröhlicher Patriotismus?

Der Kolumnist Jakob Augstein hat im Spiegel geschrieben, bei der Protestbewegung in Katalonien handele es sich „um einen fröhlichen Patriotismus“. Ach ja? Wie fröhlich ist es denn, wenn Kneipenbesitzer aus der Extremadura eine Strafe bekommen, wenn sie ihre Bar Café Central nennen, was ein kastilischer Name ist? Wie fröhlich ist es, wenn Zugezogene wie eine Architektin aus dem Ausland keine Aufträge bekommt, wenn sie Kastilisch redet? Wie brüllkomisch ist es, wenn Katalonien den Stierkampf verbietet, obwohl es ihnen statt um Tierschutz nur um die Wut auf Kastilien geht?

Die Wahrheit ist: Nach Francos Tod haben sich Franco-Anhänger und Untergrundkämpfer zusammengerauft. Sie haben gemeinsam die Transición durchstanden, den Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Und all das hat Spanien zu einem erfolgreichen Land in Europa gemacht.

Spanien hat das nicht verdient

Und jetzt? Spaniens Regierungschef Rajoj hat völlig zu Recht Artikel 155 angewendet und Pfui-Demont entmachtet. Schon deshalb, weil er der Region und dem ganzen Land schadet. Übrigens auch dem Tourismus. Die Hotelbuchungen in Barcelona sind seit den Unruhen  um rund 20 Prozent zurückgegangen. Was Puigdemont angerichtet hat, ist ein Anschlag auf die spanische Demokratie. Investoren suchen sich andere Destinationen. Und sogar Fans Kataloniens verlassen aus Sicherheitsgründen die Region.
Seine Anhänger nennen Rajoy einen Faschisten im Stil eines Francisco Franco. Und der Schriftsteller Antonio Muñoz Molina kontert im aktuellen Spiegel: „Der Franco-Vergleich ist ekelhaft". Doch es ist mehr als das: In Wirklichkeit schadet Puigdemont dem Land so sehr, wie es seit Diktator Franco keine Einzelperson geschafft hat.

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