Was wird aus Spaniens Stierkampf?

Die Debatte um den Sinn des spanischen Stierkampfs hat in der Pandemie deutlich nachgelassen. Die Arenen sind leer, die Proteste in den sozialen Netzwerken gehen auf Null. Doch inzwischen tut sich was. Wenn es nach einem steinreichen Unternehmer geht, sollen ganz im Süden Spaniens die ersten Kämpfe schon im April wieder anlaufen.

Von Tobias Büscher

Arbeitslose Toreros, verzweifelte Stierzüchter und geringe Hilfe durch den Staat. Der Stierkampf, glauben manche, stirbt aus. Nicht etwa wegen der Kritik, sondern wegen Corona.

Tatsächlich sind die großen Arenen in Málaga, Madrid und Sevilla aus Sicherheitsgründen zumeist geschlossen. Anders als in Katalonien vorübergehend, wo die Corrida schon seit Jahren verboten ist.

Besonders schmerzlich ist das für die Aficionados, also die Stierkampf-Liebhaber. Und die setzen nun alle Hoffnung auf Sevilla.

"Der Juli kommt im April"

In Sevilla laufen die Vorbereitungen für die April-Stierkämpfe schon auf Hochtouren. Traditionell beginnt dort zwei Wochen nach Ostern die Feria de Abril mit den besten Stierkämpfern. Wenn es nach dem steinreichen Geschäftsmann Ramón Valencia geht, dann startet der erste Kampf schon am 18. April.

Und dann sollen laut El País die Superstars auftreten, darunter Morante de la Puebla und El Juli. Die Stadtplaner hoffen auf grünes Licht der andalusischen Regierung und haben ein Konzept vorgelegt. Demnach soll in den Arenen jeder zweite Platz freibleiben. Auch Coronatests sind im Gespräch.

Für Andalusien ist der Stierkampf bis zum Ausbruch der Pandemie eine sehr wichtige Einnahmequelle gewesen. Das Vorzeige-Event der Feria de Abril lockte viele Gäste an, aus dem Inland, vor allem aber auch aus England und sogar Japan. Doch ob die Kämpfe zugelassen werden, steht noch in den Sternen.

Der Stierkampf spaltet das Land nicht mehr

Vor Corona war der Stierkampf ein Reizthema, sogar ein Politikum. Hitzige Debatten gab es rund um das Stiertreiben in Pamplona, der Hauptstadt Navarras. In den Städten Sevilla, Málaga, Córdoba und Granada gehört die Arena zum Stadtbild, auf den Kanaren oder in Galicien wäre das kaum denkbar.

Und so ist der Jahrhunderte alte Kampf vor allem in Spaniens Kernregionen Navarra, Kastilien-León und Andalusien gefragt. Sprachwissenschaftler in Madrid haben sich mit dem Politsprech der Parteien im Parlament beschäftigt.

Dort bedeutet feige, wenn jemand "nur am Arena-Rand steht". Die Sportjournalisten brachten chronologisch Reportagen, das Fernsehen Antidemos und die Restaurants Ochsenschwanz-Gerichte. Alles auf Null.

Die Arenen sind keine Fußballstadien. Corridas ohne Publikum sind für einen Aficionado grausig. Klar ist: Wenn die Pandemie länger anhält, wird der Stierkampf schleichend immer weniger attraktiv. Die Gegner hoffen auf ein Ende.

Doch aussterben wird die Corrida nie. Dafür werden die steinreichen südspanischen Stierzüchter und Unternehmer wie Ramón Valencia (Firma Pagés) in Andalusien schon sorgen.