Almudena Grandes

Almudena Grandes gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen Spaniens. Sie bekam den Literaturpreis für Erotik und fasziniert heute mit Romanen im Spannungsgrad zwischen Bürgerkrieg und der heutigen Gesellschaft.


von Tobias Büscher


Sie hat die rauchig tiefe Stimme einer waschechten Madrilenin, große dunkelbraune Augen, streicht sich das schwarze lange Haar aus der Stirn und sagt: "Die Literatur ist Leben. Sie gibt Dir die Chance, andere Leben zu leben" (Interview youtube). Ihr eigenes ist aber auch nicht ohne: Almudena Grandes (53) ist auf dem Gipfel ihres Ruhms angelangt, Bestsellerautorin, verheiratet mit dem linken Uniprofessor Luis García Montero aus Granada, eng befreundet mit dem Liedermacher Joaquín Sabina, Kolumnistin der Tageszeitung El País und streitbare Kämpferin für eine liberale, freie Gesellschaft. In Talkshows lobt sie das relativ neue Recht auf Abtreibung in Spanien und fordert mehr weibliche Führungskräfte in der Industrie. Eine spanische Alice Schwarzer allerdings ist sie nicht. Denn letztere würde wohl kaum ein Buch veröffentlichen, das später den Literaturpreis "La Sonrisa Vertical" bekommt (Die lächelnde Vagina, wörtlich Das vertikale Lächeln).

Buntstifte statt TV

Almudena Grandes kam 1960 in Madrid zur Welt, studierte Geografie und Geschichte an der Universität Complutense und schrieb schon als Achtjährige. Einem Journalisten erzählte sie später: "immer wenn wir Großvater besuchten, guckten er und mein Vater Fußball. Wir Kinder bekamen Buntstifte, aber Zeichnen fand ich langweilig. Also schrieb ich kleine Geschichten auf." Was sie damals nicht ahnte: eine ganz große Karriere sollte folgen. Es war das Jahr 1989, die Kulturbewegung La Movida ging langsam dem Ende entgegen und Madrid war kurz davor, Europas Kulturhauptstadt zu werden (1992). Almudena war jetzt 29 Jahre  alt und hatte über Monate an einem Manuskript gearbeitet mit dem Titel "Las Edades de Lulú" (Lulu, die Geschichte einer Frau). Handlung: heranwachsendes Mädchen verliebt sich in erfahrenen Mann. Mit ihm erlebt sie als 29jährige eine rauschhafte Zeit zwischen Lust, Schmerz, fremden Partnern und düsteren Kellergewölben mit Haken an der Wand. Die Lektoren des Verlags Tusquets hatten es kaum auf dem Tisch, da sorgten sie schon für die Veröffentlichung. Lulu wurde auf Anhieb ein Bestseller und Bigas Luna verfilmte den provokanten Stoff: mit dem damals vollkommen unbekannten Javier Bardem als Brutalo der Madrider Unterwelt.

Wechselnde Winde, gefrorenes Herz

Schon ein Jahr danach erschien "Te llamaré Viernes" (Ich werde Dich Freitag nennen), auch dies ein erotischer Roman, der allerdings floppte. Almudena entschied sich, tiefer in die Geschichten einzutauchen und Historisches mit Aktuellem zu verbinden. 1994 veröfffentlichte sie "Malena es un Nombre de Tango" (Malena). Spätestens mit diesem Roman hat sie sich in die Riege der großen Namen spanischer Gegenwartsliteratur hineingeschrieben. Das Buch handelt von Malena Fernández de Alcántara, einem Mädchen aus der Oberschicht, das in der Übergangszeit von der Diktatur Francos zur Demokratie heranwächst. Auch dieser Roman ist verfilmt worden und erlebte ein Kuriosum: 1996 sahen ihn mehr Zuschauer, als Bücher verkauft worden waren: über 300 000. Ariadna Gil spielte die Hauptrolle. Almudena konnte inzwischen längst von ihren Honoraren leben. Sie schrieb weiter, vom Erfolg getragen, vor allem Novellen, aber auch den 919 Seiten dicken Band "Corazón helado" (Gefroreres Herz) über die schwierige Zeit vom Ende der Spanischen Bürgerkriegs bis heute. Mit ihm schaffte sie es auf Platz 1 der spanischen Bestsellerliste.

Pendeln zwischen Cádiz und Madrid

Nachdem die Erfolgsautorin 1996 den Dichter und Gelehrten Montero geheiratet hatte, kam ein Jahr später ihre gemeinsame Tochter Elisa zur Welt. Almudena Grandes pendelt heute oft zwischen Madrid und Cádiz, wo sie sich gerne mit ihren Freunden trifft. Längst ist das Provokante von ihr abgeglitten, Lulu ist passé. Selbst der Literaturpreis La Sonrisa Vertical des Verlags Tusquets ist 2004 eingestellt worden, für den Almudena damals umgerechnet 6000 Euro bekam. Offenbar waren die Manuskripte der Autoren nach 1989 allmählich immer schlechter geworden. Konservative Bischöfe jubelten, doch eins wird sie nach wie vor schrecklich wurmen. Die Starautorin des Preises, Almudena Grandes, trägt den Namen der Schutzpatronin von Madrid. Und der werden wahrlich keine sexuellen Eskapaden mit wildfremden Männern nachgesagt, sondern nur Wunder.


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